Basel

Wie dramatisch ist der Stellenabbau bei Roche?

Wirkstoffe werden immer potenter, es braucht weniger davon. Im Bild Kapseln vor dem Verpacken.

Wirkstoffe werden immer potenter, es braucht weniger davon. Im Bild Kapseln vor dem Verpacken.

Am Donnerstag wurde bekannt, dass Roche in Basel bis zu 190 Stellen abbaut. Die SP Basel-Stadt kritisiert den Abbau scharf. Die Anzahl der Kündigungen ist freilich noch nicht bekannt. Es läuft ein offizielles Konsultationsverfahren.

Roche baut am Standort Basel bis zu 190 Stellen in diesem und im kommenden Jahr ab. Das gab der Pharmakonzern am Donnerstagabend bekannt. Derzeit läuft für die kommenden sechs bis acht Wochen ein offizielles Konsultationsverfahren. Während diesem können Vorschläge entwickelt werden, wie der Abbau abgefedert werden kann, etwa durch Frühpensionierungen oder interne Umplatzierungen. Somit sei derzeit auch offen, wie viele Kündigungen ausgesprochen würden, sagte Roche-Sprecher Nicolas Dunant.

Betroffen ist die Produktion im Bereich der kleinen Moleküle. Bereits im November kündete Roche an, Produktionsstandorte in Irland, Italien, Spanien und den USA zu schliessen oder zu verkaufen. «Mit diesen Restrukturierungen reagieren wir auf die Entwicklung innerhalb unseres Portfolios von kleinmolekularen Arzneimitteln hin zu spezialisierten Medikamenten, die in geringeren Mengen produziert werden», sagte damals Daniel O’Day, Chef der Division Pharma von Roche.

Die Anzahl der herzustellenden Moleküle würde zwar etwas steigen. Aber weil diese wirksamer würden und weil moderne Technologien zum Zuge kämen, änderten sich die Volumina, ergänzt Sprecherin Anja von Treskow gegenüber der bz. Es brauche weniger Wirkstoff, um eine bestimmte Wirkung zu erzielen. Bei der betroffenen Belegschaft handelt es sich um verschiedenste qualifizierte Facharbeiter, beispielsweise im Bereich der Produktion oder der Qualitätskontrolle. Roche bedauert den Abbau. Dunant: «Wir wollen versuchen, die Auswirkungen abzufedern.»

Laufende Überprüfung

Roche überprüfe kontinuierlich die Produktionskapazitäten und Technologien innerhalb des weltweiten Produktionsnetzwerks und passe sie dem Bedarf an, sagt Firmensprecher Nicolas Dunant. Es ändern sich nicht nur die Produktionsmengen, sondern ebenso die Produktionstechniken und das Produktportfolio. Im Bereich der biologisch hergestellten Wirkstoffe nehme der Bedarf nach Produktionskapazität zu, im Bereich der kleinen Moleküle sei künftig weniger Volumen notwendig.

Ein ähnlicher Anpassungsbedarf bestehe – wie schon früher bekannt gegeben – auch im Bereich Forschung. Dort müsse Roche ebenfalls im Bereich der chemisch hergestellten Wirkstoffe Stellen abbauen, im Bereich der biologischen Wirkstoffe hingegen Positionen aufbauen.

Für die Produktion einer neuen Generation von spezialisierten Medikamenten auf der Basis von kleinen Molekülen werde Roche andererseits 300 Millionen Franken in eine Produktionsstätte in Kaiseraugst investieren, die künftige technologische Anforderungen erfülle. Diese Investition werde die Entwicklungs- und Markteinführungskapazitäten des Unternehmens stärken. Es gehe darum, dass Roche schneller reagieren und auch kleinere Serien produzieren könne.

Vor allem Stellen aufgebaut

Roche hat in den vergangenen Jahren insgesamt Stellen aufgebaut:

  • Innerhalb von zehn Jahren nahm die Zahl der Stellen in der Schweiz von 9500 auf 15 000 zu, davon 4000 in Basel und Kaiseraugst,
  • Innerhalb von fünf Jahren waren es 3500 in der Schweiz, vor allem in Basel und Kaiseraugst.
  • 2015 lag die Zunahme bei 900 in der Schweiz und knapp 700 in Basel/Kaiseraugst.
  • Im ersten Halbjahr 2016 lag das Plus bei 250 Stellen in der Schweiz.

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Autor

Stefan Schuppli

Stefan Schuppli

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