Die Zerstörung eines Wahrzeichens der Basler Jugendkultur- und Nachtschwärmerszene ging dann doch rasch. Eben erst stand die Kuppel noch da, den Elementen und dem Schimmel trotzend. Und schon sah es aus, als ob eine Granate in ein Amphitheater eingeschlagen hätte.

Ein ausgefranstes Rund aus morschem Holz. Und auch das ist bald nicht mehr zu sehen. Nach 14 Jahren Diskussionen, hochtrabenden Ankündigungen und immer abstruseren Vertröstungen und Versprechungen ist zumindest eines geschafft: Die alte Kuppel ist weg. Die letzte Party ist schon länger vorbei: Anfang April nahm das Feiervolk Abschied vom Zelt, das auf eine bewegte Geschichte zurückblickt. Doch die Geschichte wird weitergeschrieben werden. Lange wird es im Nachtigallenwäldeli nämlich nicht kahl bleiben: Bereits ab August soll der Neubau der Kuppel starten, der im Januar 2018 eröffnet werden soll.

Bandproberäume im UG

Damit nähme dann eine Geschichte ihr Ende, die 16 Jahre vorher, anno 2002 begonnen hatte. Die damalige Baudirektorin Barbara Schneider hatte in einem mit Journalisten vollgepackten stickigen Dachstüblein am Münsterplatz die Pläne für eine neue Kuppel präsentiert. Ein «Brotkorb» oder ein «Schildkrötenpanzer» sollte es werden. Was allerdings nun entstehen wird, ist ein mehrere Male überarbeitetes und redimensioniertes Projekt. Für die neue Kuppel wurde vom Grossen Rat ein Investitionsbeitrag von 1,7 Millionen Franken für die Errichtung von acht bis zehn Bandproberäumen im 1. Untergeschoss gesprochen. Der Restbetrag wird von privaten Mäzenen übernommen.

Über die Summe und Namen dieser privaten Investoren wurde Stillschweigen vereinbart. Das sagt der Mann, der seit Anbeginn bei der Kuppel den Ton angibt und die Fäden zieht: Simon Lutz. Er, der auf dem Gelände zwischen Zolliparkplatz und Heuwaage auch das Restaurant «Acqua» betreibt. Dazu kommt noch ein kleiner Club, der mal «Annex», mal «Garage» hiess. Lutz hatte in den letzten Jahren immer wieder neue Gründe gefunden, um den Neubau der Kuppel zu verschieben. Mal fehlte das Geld, dann wollte er auf die staatliche Neugestaltung des Nachtigallenwäldelis warten.

Der Boden muss saniert werden

Nun stimmt offenbar beides. Auch wenn nach wie vor einiges nicht klar ist. Beispielsweise, wie hoch der Baurechtszins ist, den Lutz dem Kanton bezahlen muss, für das Stückchen Idylle mitten in der Stadt. Oder wie die Verpflichtungen aussehen, die er mit dem «Acqua» eingegangen ist. Dieses will der Kanton nämlich auch als eine Art Parkrestaurant im neuen Waldstückchen genutzt sehen. Damit die Sache mit den Proberäumen in der neuen Kuppel zum Klappen kommt, hat Lutz neben seinem Weggefährten Stephan Werthmüller auch noch die beiden SP-Politiker Sebastian Kölliker (Jugendkulturfestival) und Tobit Schäfer (Rockförderverein) in den Stiftungsrat geholt. Mit Schäfer, dem Präsidenten der grossrätlichen Geschäftsprüfungskommission, sitzt der Kanton damit sozusagen direkt mit am Steuer. Gerüchteweise soll das eine Bedingung der Regierung gewesen sein, andere Quellen sprechen von einem geschickten Schachzug von Lutz.

Ob der Bauplan nun eingehalten werden kann, hängt auch noch von einem weiteren externen Faktor ab: Der Boden unter und um die Kuppel muss saniert werden. Läuft alles nach Plan, kann also ab 2018 wieder gefeiert werden. Wenn nicht, dann ist der Park entlang der Birsig noch länger eine grosse Baustelle.