Dass die Tochter eines Königs einmal selber Königin werden wird, ist den Royalisten klar. Das ist auch in der Fasnachts-Monarchie so. Valeria Balmelli hat den Titel der Pfyffer-Königin bei den Alten und den Jungen geholt und ihrem Vater Marco Balmelli, Dambuure-König von 1995, gleich doppelt nachgeeifert. «Viel üben. Übung macht den Meister», erklärt die frisch gekürte Königin strahlend auf die Frage nach dem Rezept, um zu gewinnen.

Diese jugendliche Unbekümmertheit, einfach auf die Bühne zu stehen und zu siegen, dürfte aber auch Teil des Erfolges sein. Nach dem zweiten Auftritt – sie weiss noch nicht, dass sie bei den Alten gewinnen wird – erklärt sie zufrieden, dass sie den Wettkampf einfach genossen habe.

Die Finalausscheidung startet mit den Einzelvorträgen. Immer wechselt ein Dambuur sich mit einem Pfyffer ab. Die Juroren sitzen am Bühnenrand und kritzeln immer wieder auf die Bewertungsblätter. Eine Glocke mahnt den Konkurrenten (so werden die Teilnehmenden genannt), den Zeitplan einzuhalten und den Marsch zu beenden. Eine Kurierin behändigt die Bewertungen und eilt mit zügigen Schritten ins Rechnungsbüro.

Constantin wacht

Im Foyer treffen wir Fabienne Hagen von der Rätz. Die Zweitplatzierte räumt ein: «Ich war sehr nervös, schwitzte und spürte einen gewissen Druck.» Auf der Bühne schloss sie die Augen und stellte sich vor, sie sei zu Hause am Üben. «Mit den ersten Tönen fällt alles ab», beschreibt sie den Beginn ihres Auftritts und konnte dann ihre Leistung abrufen. Gefreut hat sie sich über die vielen Cliquenkollegen, die sie begleiteten: «Wenn sie am Schluss schreien, bin ich glücklich», lacht die Pfyfferin.

Die Bühne im Volkshaus ist fasnächtlich dekoriert mit alten Ladäärnen. Eine zeigt einen übergrossen Christian Constantin, der gerade einen Fussballspieler zerdrückt. Die Jury des «Offiziellen» ist einiges harmloser, aber trotzdem sehr streng. Walter Zandona, Jury-Chef bei den Pfyffer, pfeift die Märsche auch selber als Vorbereitung auf seine Jury-Arbeit. «Wir studieren die Noten und hören uns vor allem bei neueren Märschen Tonaufnahmen an», erklärt er. Musikalisch wird auf Interpretation, Ausdruck und Dynamik geachtet, während bei der technischen Bewertung Ansatz, Klang und Rhythmik im Vordergrund stehen. Bei den Dambuure ist die Bewertung ein wenig komplexer: Technik, Rhythmik und Dynamik werden hier auch gemessen, aber die Schlegel sollten homogen und synchron durch die Luft gewirbelt werden.

Basel ist etwas abgehängt

Einer der Schlegel-Virtuosen ist Patrick Hersberger von den Basler Rolli. Auf die Vorbereitungen zum «Offiziellen» angesprochen, sagt er: «Wir haben keine Trommellehrer mehr, die meisten sind selber Instruktoren.» Hersberger, zweifacher Trommelkönig und nun Dritter geworden, ging zu Ivan Kym, dem Dominator der Jahrhundertwende, Tipps holen. Es wurde an der Perfektion geschliffen. Zum Gespräch gesellt sich Markus König, ein weiterer grosser Name der Trommel-Szene.

Die beiden sind sich einig, dass bei den Dambuure ein Generationenwechsel im Gang ist. «Das Spektrum nach unten wurde geöffnet. Trommeln musste früher einfach laut sein, heute ist mehr Technik im piano gefragt», nennt Hersberger ein Beispiel. König stimmt zu: «Rein von der Technik lernen die Jungen heute anders trommeln.» Er gibt Hersberger noch eine Einzelkritik zu seinem Auftritt, bevor dann beide einer Aussage zustimmen: «Basel ist etwas abgehängt beim Trommeln.» Die restliche Schweiz habe aufgeholt, so würden am «Offiziellen» auch zwei Aargauer und ein Walliser mitmachen, und die seien sehr gut.

Zufrieden ist OK-Präsidentin Tiziana Conti: «Wir hatten keine Ausfälle, die Helfer sind motiviert». Organisiert wurde der Anlass von den vier Stammvereinen «Gundeli», «Schnooggekerzli», «Rätz» und «Sans Gêne», unter dem Patronat des Fasnachts-Comités.