Kindercharivari

Wie es den Kindern gelingt, die Fasnacht zurück nach Basel zu holen

Das 39. Kindercharivari ist ein Plädoyer für Zusammenhalt und Toleranz. Die Geschichte ist clever gemacht und geht ans Herz. Die Zuschauer erleben, wie es den schlauen Kindern gelingt, die Fasnacht nach Basel heimzulocken.

Frau Fasnacht demissioniert. Sie hat genug und gibt ihren goldenen Tambourstab an den Tourismusdirektor ab. Er soll sich um ihre Nachfolge kümmern. Mit ihrem neuen Freund, dem Klaus aus dem Schwarzwald, will sie fortan ihr Leben geniessen, ohne den Lärm und das Gerangel der Fasnacht. Denn Tambouren, Pfyffer und Gugge sind heillos zerstritten. Das zeigt sich, als es darum geht, die Frau Fasnacht zurückzuholen. Jede Gruppe kocht ihr eigenes Süppchen und versucht den Ruhm für sich einzuheimsen.

Was Fasnachtsmusik alles kann

Der umtriebige Tourismusdirektor hat nämlich, ganz im Stile hilfloser Marketingfachleute, einen Wettbewerb um die Nachfolge ausgeschrieben. Als Preis wird der Marktplatz in Zukunft den Namen des Gewinners tragen. Selbstverständlich schleppt er selber diverse Kandidaten an, die aber vom jungen Publikum schnell als schlechte Alternativen erkannt werden. Schliesslich gelingt es drei Jugendlichen, alle Gruppen zu einem Ständchen im Schwarzwald zu vereinen und als Frau Fasnacht den Arabi hört, gespielt von allen Fasnachtsmusiken gemeinsam, ändert sie ihre Meinung und kommt zurück.

Die Geschichte von Christoph Knöll und Jaqueline Christ Knöll ist clever gemacht und geht ans Herz. Ungeheuer spassig ist der Konflikt zwischen Frau Fasnacht und dem Klaus, als sie über die Unterschiede der badischen und der Basler Fasnacht debattieren. «Mi Fasnacht mit eme Schwarzwälder Kappefescht z’vergliche, das goht nit», sagt sie da. Trotzdem fährt sie lieber mit ihm auf die Insel Meinau. Auch toll, dass die jungen Fasnächtler – es spielen ausschliesslich Mitglieder des Kindercharivari Ensembles – zum Teil Hochdeutsch sprechen. So ist die Basler Realität. Gut verständlich und mit einem guten Gespür für Timing agieren die Kinder, die Erwachsenen unterschätzen teilweise leider die Dauer des Zwischenapplauses und erste Sätze werden verschluckt. Das ist halb so schlimm, denn wichtigster Bestandteil ist natürlich eine gehörige Portion Fasnachtsmusik. Die Pfyffer und Tambouren der Basler Rolli und vor allem die Barbarossa Binggis bezeugen die hervorragende Aufbauarbeit, die hier geleistet wird. Wer hätte gedacht, dass Jugendliche so zu schränzen wissen. Und für alle, die sich davon begeistern lassen, gibt es im Foyer die Möglichkeit sich gleich für die Cliquen einzuschreiben.

Traditionellerweise fliessen auch fasnachtsfremde Musiken oder Tänze ins Kindercharivari mit ein. Diesmal ist es eine begeisternde Marimba Darbietung der Vize-Schweizermeisterin Mirjam Voltz. Der Rest ist Schwelgen in Vorfreude. Einzig die penetrante Erwähnung der Sponsoren hinterlässt einen seltsamen Nachgeschmack, auch wenn dank ihnen die Preise sehr tief und familienfreundlich sind. Andererseits kann man auch die Figur des Tourismusdirektors als selbstironischen Kommentar darauf lesen: Die Fasnacht ist ein ökonomischer Faktor und kann Weltwirtschaftskrisen und Klimawandel auslösen, wenn sie nicht stattfindet, so der Direktor. Entgegen dieser Panikmache ist das 39. Kindercharivari am Ende ein Plädoyer für Zusammenhalt und Toleranz. Toll.

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