Die Schweiz entscheidet am 23. September über die Fair-Food-Initiative. Das Begehren verlangt, dass der Bund Lebensmittel fördert, die von guter Qualität sind, also aus umwelt- und ressourcenschonender sowie tierfreundlicher und fairer Produktion stammen. Zudem soll der Bund Vorschriften zur Deklaration erlassen und Verschwendung eindämmen.

Folgende Situation könnte sich nach Annahme der Fair-Food-Initiative ergeben: In einem Lebensmittelladen werden diverse Eier angeboten. Auf einer Packung steht «Eier aus Freilandhaltung, hergestellt unter fairen Arbeitsbedingungen. Umweltschonende und tierfreundliche Produktion». Auf einer anderen Packung steht jedoch: «Eier aus Batterielegehaltung, hergestellt unter prekären Arbeitsbedingungen, produziert unter grosser Umweltbelastung». Die – nun subventionierten – Eier aus Freilandhaltung sind günstiger als jene aus der Legebatterie, aber immer noch teurer als Eier im grenznahen Ausland. Die Preise für Lebensmittel sind insgesamt angestiegen. Wofür entscheiden sich die Konsumenten?

Für die Migros ist klar: Wird die Initiative angenommen, heizt das den Einkaufstourismus weiter an. Darunter dürfte gerade in der Region Basel das Gewerbe leiden. «Eine Umsetzung ist nur mit grossem bürokratischem Aufwand möglich, das wirkt sich auf die Preise aus: Lebensmittel werden teurer», argumentiert Martina Bosshard, Sprecherin des Migros-Genossenschaftsbundes. Andrea Bergmann, Mediensprecherin von Coop, stimmt ihr zu: Für die Konsumenten bedeute eine Annahme des Volksbegehrens höhere Preise und ein schlechteres Sortiment. Künftig würden noch mehr Schweizer im grenznahen Ausland einkaufen. Betroffen wäre im Falle einer Annahme nicht bloss der Detailhandel, sondern auch die Gastronomie.

Bisher zu wenig Informationen

Das wollen die Befürworter der Initiative nicht gelten lassen. Am Montag stellte das regionale Komitee «Ja zur Fair-Food-initiative seine Argumente vor. Die Zahlen der Gegenseite seien falsch, die erwartbaren Mehrkosten würden sich im Bereich von maximal fünf Prozent bewegen. «Wir haben grosses Interesse daran, dass auch Menschen mit geringen finanziellen Mitteln kein Chlorhuhn essen müssen», erklärte die Basler Basta-Nationalrätin Sibel Arslan. Es gehe auch nicht darum, Produkte zu verbieten oder zu verhindern, sondern Anreize zu schaffen, erklärte Maya Graf, Nationalrätin der Baselbieter Grünen und Co-Präsidentin des nationalen Initiativkomitees. Die Hersteller müssten schlicht deklarieren, wie die Produktionsumstände seien und aufgrund dessen könnten die Konsumenten ihr Verhalten anpassen – oder eben nicht. Die Initianten würden die Konsumenten also nicht bevormunden, sondern sie dazu befähigen, ihre Einkaufsentscheidung aufgrund von mehr Informationen zu fällen.

Eine Packung Tomaten, auf deren Verpackung Herkunftsort «Spanien» und ein Hersteller genannt würden, sage zu wenig über die Produktionsumstände aus. So sei es als Konsument nicht möglich, wirklich bewusst einzukaufen, weil er oft weder über die Umweltbelastung, noch die Arbeitsbedingungen Genaueres erfahre.

Laut einer vergangene Woche veröffentlichten Tamedia-Umfrage wollten Ende August 65 Prozent der Stimmberechtigten der Initiative zustimmen. Erfahrungsgemäss wird dieser Wert bis zur Abstimmung noch sinken. Die Initianten gaben sich an der Medienkonferenz trotzdem zuversichtlich: «Wir haben eine hohe Glaubwürdigkeit in der Thematik. Die Argumente der Gegner halten dem Faktencheck nicht stand», erklärte Arslan. Es sei eine David-gegen-Goliath-Situation, führte Graf aus, die Gegner würden über viel mehr finanzielle Mittel im Abstimmungskampf verfügen. Doch die über 50 unterstützenden Organisationen hätten ein nicht zu unterschätzendes Potenzial: «Wenn wir mobilisieren können, können wir die Abstimmung gewinnen.»