Amoklauf
Wie gut wären die Schulen der Region auf einen Amoklauf vorbereitet?

Der Amoklauf an einer US-Schule hat auch hierzulande Bestürzung ausgelöst. Wie gut wären die Schulen in der Region für einen solchen Ernstfall gerüstet? Ganz unterschiedlich, wie eine Umfrage in Liestal und Basel zeigt

Muriel Mercier und Dean Fuss
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Wie gut sind die Schulen der Region auf einen Amoklauf vorbereitet? (Symbolbild)

Wie gut sind die Schulen der Region auf einen Amoklauf vorbereitet? (Symbolbild)

Keystone

Der Amoklauf an einer Grundschule in Newtown im US-Bundesstaat Connecticut mit 27 Toten lässt auch in der Region niemanden kalt. Thomas Rätz, Rektor am Gymnasium Liestal, hat eine spürbare Betroffenheit an seiner Schule festgestellt. Weder Schüler noch Eltern hätten sich aber deshalb mit Fragen bei der Schulleitung gemeldet. «Die USA sind halt eben doch für die meisten weit weg.» Ob 2008 im finnischen Kauhajoki (11 Tote), 2009 im deutschen Winnenden (16 Tote) oder am vergangenen Freitag in den USA: Die tragischen Bilder gleichen sich und lösen Fragen aus. Die Schulen in beiden Basel haben für den Fall der Fälle Massnahmen getroffen, wie eine bz-Umfrage ergab.

«Wir nehmen das Thema sehr ernst»

«Bei uns ist keine grosse Sorge spürbar, dass am Gym Liestal etwas Ähnliches geschehen könnte», sagt Rektor Rätz. Leider lasse sich aber nichts mit Sicherheit voraussagen. «Deshalb nehmen wir das Thema als Schule sehr ernst.» Auch an der Fachmaturitätsschule (FMS) Basel ist man für das Thema sensibilisiert: «Die Lehrer werden zum Thema Amoklauf ‹geschult›, wie sie auch auf das Verhalten bei anderen Zwischenfällen wie Brände oder Chemieunfälle vorbereitet werden», sagt Rektor Roland Widmer. Diese Ausbildungen würden aber nicht erst aus aktuellem Anlass gemacht.

An der Rudolf-Steiner-Schule in Basel finden regelmässig entsprechende Übungen statt: «Einmal im Jahr proben wir mit den Lehrern und Schülern den Ernstfall, spielen das Szenario einer Evakuierung durch oder trainieren mit den Schülern in einem Saal, wie sie sich verhalten müssen», sagt Stefan Rohrer vom Sicherheitsteam der Schule.

Am Basler Gymnasium Leonhard hingegen verzichtet man auf Notfallübungen. Man befürchte, dass dies auch kontraproduktiv wirken könne, sagt Rektor Roger Morger. «Zum Einen für Schüler, die Event-anfällig sind, oder auch, weil solche Übungen gewissen Schülern Angst machen können.»

Lehrer melden auffällige Schüler

In den Schulen werden auffällige Jugendliche der Schulleitung gemeldet, worauf Gespräche mit diesen und ihren Eltern stattfinden. «Wir arbeiten eng mit dem Schulpsychologischen Dienst und in rechtlichen Fällen mit der Kantonspolizei zusammen», so Leonhard-Rektor Morger.

Aller Anstrengungen zum Trotz: «Im Ernstfall ist leider damit zu rechnen, dass es Tote und Verletzte geben kann», sagt der Münchensteiner Konrektor Thomas Holinger. Durch Prävention und Notfallpläne werde aber versucht, die Zahl der Opfer möglichst zu begrenzen. An gewissen Schulen werden die Schüler im Ernstfall mit Lautsprecherdurchsagen darauf hingewiesen, sich im Schulzimmer einzuschliessen.

Ende Januar 2013 findet im Baselbiet eine kantonale Weiterbildung mit dem Schwerpunktthema Amok statt. Zum Inhalt der Weiterbildung ist vom Kanton auf Anfrage der bz nichts Genaueres in Erfahrung zu bringen.