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Wie Hunkeler es schafft, von der Fischerstube aus den Rhein zu sehen – Hansjörg Schneider klärt auf

Autor Hansjörg Schneider an den Burgdorfer Krimitagen.

Autor Hansjörg Schneider an den Burgdorfer Krimitagen.

Der Autor Hansjörg Schneider ist ein aufmerksamer bz-Leser, aber ein wenig aufmerksamer «Fischerstube»-Gast. Doch das soll sich nun ändern.

Hansjörg Schneider ist Schriftsteller. Und Schriftsteller stellen die Welt so dar, wie es ihnen passt. So lässt der bekannte Autor seinen noch bekannteren Protagonisten, Kommissär Peter Hunkeler, einmal in der «Fischerstube» sitzen und den Rhein betrachten. Bloss sieht man von der Kultbeiz in der Kleinbasler Rheingasse den Rhein gar nicht. Dafür aber ein Bild, das einen Fischergalgen am Rhein zeigt. Dessen Schöpfer Hans Hufschmid wurde in der bz vom 14. Dezember vorgestellt. In erwähntem Artikel wurde spekuliert, dass Schneider wohl das ikonische Gemälde gemeint habe, als er schrieb, man sehe von der «Fischerstube» aus den Rhein.

Doch nichts da. In einem Brief an die Redaktion schreibt Schneider: «Ich als Autor der Hunkeler-Romane muss zu meiner Schande gestehen, dass ich mir den Blick auf den Rhein aus den Fingern gesogen habe. Und zwar den Blick auf den realen Rhein als auch den Blick auf den Rhein auf Hans Hufschmids Bild.» Und weiter: «Zu meiner Entschuldigung sei gesagt, dass ein Roman nie eins zu eins die Wirklichkeit darstellt, sondern immer ein Produkt der Phantasie ist. Dass also ein Autor immer die Wirklichkeit verändert beschreibt.» Diese kreative Freiheit sei dem Autor von mittlerweile neun Hunkeler-Romanen (von denen sechs verfilmt wurden) verziehen, solange er den pensionierten Kommissär nur weiterermitteln lässt. Das dürften auch die Wirtsleute der «Fischerstube» so sehen. Vor allem mit der Aussicht, Schneider bald als Gast begrüssen zu dürfen: «Ich hoffe, dass ich, wenn ich demnächst die ‹Fischerstube› aufsuche, trotz meiner epischen Ungenauigkeit nicht zum Teufel gejagt, sondern freundlich bewirtet werde.»

Vielleicht taucht das Fischergalgen-Bild dann im nächsten Krimi auf. Schneider scheint jedenfalls angetan. Sein Schreiben schliesst mit dem Satz: «Ich gratuliere dem Maler Hans Hufschmid zu seinem Bild.»

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