Am kommenden Freitag werden sich insgesamt 80 Schülerinnen und Schüler im Grossratssaal Basel treffen und dort in grosse Fussstapfen treten. Durch das Planspiel Politik-Macht-Gesetz versetzen sich Jugendliche aus der Region Basel in die Rolle von Politikern, um so den Gesetzgebungsprozess nachzuvollziehen. Zur Zeit laufen die letzten Vorbereitungen. Die bz konnte den beiden Muttenzer Gymnasiasten Manuel Mekkattu und Tobias Vogel ein paar Fragen stellen.

Kommenden Freitag ist es soweit. Sie werden gemeinsam mit 80 anderen Teilnehmenden über das Gesetz zum Passivrauchen abstimmen. Zuvor wird jedoch eifrig diskutiert werden. Wie haben Sie sich vorbereitet?

Manuel Mekkattu: Vor vier Wochen erhielten wir das Spielerhandbuch von den Organisatoren der Neuen Helvetischen Gesellschaft (NHG). In diesem wurden uns der Ablauf und die wichtigsten Grundsätze erklärt. Letzte Woche folgte dann unser persönliches Rollenprofil. Darin steht eine präzise Beschreibung der Position und der politischen Haltung, welche wir verkörpern werden.

Tobias Vogel: Zudem haben wir in der Schule bereits den Gesetzgebungsprozess an sich besprochen, beziehungsweise die Theorie dahinter. So konnten sich auch diejenigen, die zum Beispiel die Rolle eines Lobbyisten haben, besser vorbereiten.

Genügt Ihnen diese Vorbereitung? Fühlen Sie sich bereit, zu diskutieren und zu überzeugen?

Vogel: Ich fand es super so, obwohl ich noch einige Fragen zum Spielablauf habe. Aber generell ist die Einbindung in den Klassenverband sehr lobenswert. Durch das Planspiel wird der doch sehr abstrakte Prozess erlebbar und greifbar gemacht. Darauf, und generell auf eine spannende und lehrreiche Erfahrung, freuen wir uns sehr.

Mekkattu: Ich fühle mich auch bereit, obwohl ich noch einige Argumente sammeln muss, damit ich dann auch überzeugen kann.

Sie haben zuvor die Rollenprofile angesprochen. Welche Rollen wurden Ihnen zugeschrieben?

Vogel: Ich werde ein Journalist namens Baric sein und mich daher im Vorfeld über bereits bestehende Berichte informieren, um mir ein möglichst grosses Hintergrundwissen anzueignen. Ehrlichgesagt ist mir meine Aufgabe noch nicht ganz klar. Ich denke jedoch, dass ich die Pausen effizient nutzen muss, um möglichst vielen Anwesenden kritische und provokative Fragen zu stellen. Denn direkten Einfluss auf die Schlussabstimmung habe ich leider keinen.

Mekkattu: Ich bin ein Lobbyist mit Namen Umbrecht. Auch ich habe keinen direkten Einfluss auf die Schlussabstimmung. Meine Kernaufgabe liegt darin, durch inoffizielle Verhandlungen in den Pausen meine Meinung zu vertreten und so hoffentlich einige der Anwesenden zu überzeugen, das Gesetz abzulehnen. Meine Rolle ist nämlich strikt dagegen.

Vogel: Meine Rolle, Baric, ist tendenziell eher für die Annahme des Gesetzes. Dies ist relativ wichtig, da uns genau vorgeschrieben wird, wie weit unsere Position innerhalb der Diskussionen von dem Rollenprofil abweichen darf

Sind Sie zufrieden mit diesen Rollen?

Mekkattu: Mir gefällt es, ein Lobbyist zu sein. Die Aufgabe, andere von meiner Meinung zu überzeugen, ist sehr anspruchsvoll und daher sehr spannend. Schade finde ich jedoch, dass die politischen Standpunkte schon vorgeschrieben sind. Ich würde lieber meine eigene Position zum Thema beziehen.

Vogel: Ich bin nicht wirklich zufrieden. Ich wäre viel lieber im National- oder Ständerat gewesen. Dann hätte ich eine Chance gehabt, mehr mitzureden. Wir sind auch beide nicht an der Schlussabstimmung beteiligt, daher wird dieser Teil des Tages für uns wahrscheinlich nicht so interessant werden. Ich hoffe jedoch, viel über die Aufgaben und Möglichkeiten der Journalisten zu lernen.

Was hat Sie zur Teilnahme an Politik-Macht-Gesetz bewegt?

Vogel: Erfahren haben wir es von unserer Lehrerin, Simone Meier. Danach haben wir als Klasse entschieden, daran teilzunehmen.

Mekkattu: Speziell ist bei uns, dass wir eine der ersten Klassen sind, die das Fach Politische Bildung in der Schule haben. Anstatt zwei Stunden Geschichte, wie üblich, wird während des ganzen 12. Schuljahrs eine zusätzliche Stunde bei uns für die politische Bildung verwendet. Daher passte das Projekt Politik-Macht-Gesetz perfekt in unseren Lehrplan.
Wie stehen Sie zu dem Projekt Politik-Macht-Gesetz und worin sehen Sie
dessen Nutzen?

Vogel: Für mich liegt der Nutzen darin, dass man besser in das System hinein sieht. Man liest und hört nicht nur wie alles abläuft, sondern ist selbst Teil des Prozesses. Dies macht einerseits mehr Spass und hilft andererseits, zentrale politische Mechanismen besser kennenzulernen. Zudem sieht man, wozu es die verschiedenen Rollen wirklich braucht. So werden Begriffe, wie Kommissionen oder Lobbyisten, plötzlich greifbar.

Mekkattu: Grundsätzlich kann es sicherlich helfen, die Politik den Jugendlichen näher zu bringen. Mir gefällt auch die Realitätsnähe. Das ausgewählte Gesetz, welches das Passivrauchen betrifft, ist ein sehr jugendnahes Thema. Die Organisatoren der NHG haben dies gut gewählt.

Vogel: Da kann ich nur zustimmen. Es ist eigentlich unglaublich, dass wir den ganzen Gesetzgebungsprozess in einem einzigen Tag erleben dürfen.