Auf den ersten Blick haben diese zwei Events überhaupt nichts miteinander zu tun: der Europa-League-Final im Fussball und der Kongress der European Sleep Research Society (ESRS) – der europäischen Schlafforschungs-Gesellschaft. Ersterer ist der zweitwichtigste Fussballmatch im europäischen Klubfussball hinter dem Champions-League-Final. Letzterer ist das Zusammenkommen der wichtigsten Schlafforscher auf dem Kontinent. Und doch gibt es Parallelen.

Beides sind Grossanlässe und beide werden in Basel stattfinden, wie am Donnerstag bekannt wurde. Zufall ist das nicht, sondern der Lohn harter Arbeit: «Um den Zuschlag für einen Anlass zu bekommen, braucht es in der Regel mehrere Jahre Anstrengungen», sagt Sabine Horvath, Leiterin Aussenbeziehungen des Kanton Basel-Stadt.

Doch es lohnt sich: Der Europa-League-Final wird Tausende Fans nach Basel bringen und den Namen der Stadt in der ganzen Welt verbreiten. Der Schlafforscher-Kongress ist aber für das lokale Gewerbe genauso interessant. Über mehrere Tage werden rund 2000 kaufkräftige Wissenschafter in der Stadt sein. «Solche Anlässe generieren eine riesige Wertschöpfungskette für das lokale Gewerbe», sagt Daniel Egloff, Direktor von Basel Tourismus. Taxis, Restaurants, Hotels, Standbau, Technik – alle könnten sie profitieren.

Top Secret Drum Corps eingeflogen

Basel war schon immer eine Messestadt, hat sich aber bisher vor allem einen Namen mit regelmässig stattfindenden Anlässen gemacht: der Art, der Baselworld, der Muba und dergleichen. Immer mehr kommen jetzt aber singuläre Veranstaltungen dazu. Bestes Beispiel dafür ist die Ministerratskonferenz der OSZE, die im Dezember dieses Jahres im Kongresszentrum zu Gast sein wird.

«Einerseits hat der Kanton die Wettbewerbsfähigkeit des Veranstaltungsortes Basel systematisch gestärkt», sagt Sabine Horvath. Andererseits wurde Anfang Jahr eine Kongressstrategie entwickelt, um solche gezielt akquirieren zu können. «Auch die Zusammenarbeit der verschiedenen Akteure ist verbessert worden. Wenn Basel einen Zuschlag erhält, ist das immer das Verdienst mehrerer Involvierter», ergänzt sie.

Zum Beispiel beim Schlafforscher-Kongress. Aktuell findet dieser in Tallinn statt, der Hauptstadt Estlands. Die Forscher stimmten dort ab, wo sie sich in vier Jahren treffen wollen, wobei die Schweizer Vertreter für Basel warben. Dabei erhielten sie tatkräftige Unterstützung, wie Edith Thalmann, Kommunikationsleiterin des Congress Centers, erklärt: «Es ist ein Beispiel einer Hand-in-Hand-Zusammenarbeit.»

Involviert war nicht nur die Messe, sondern auch Basel Tourismus und Schweiz Tourismus. Um die Wissenschafter zu überzeugen, wurde sogar extra das Top Secret Drum Corps eingeflogen.

38 000 Sitzplätze sind eher wenig

Voraussetzung für solche Events ist eine einwandfreie Infrastruktur. Hier hat Basel in den vergangenen Jahren viel investiert. Etwa bei der Messe, aber auch rund um den St. Jakob-Park. Die Kandidatur Basels für den Europa-League-Final wurde auch vom Kantonalen Sportamt und vom Schweizerischen Fussballverband unterstützt. FCB-Präsident Bernhard Heusler sagt, dass er seine Zweifel hatte, dass es klappen würde, einen Champions-League-Final oder einen Europa-League-Final nach Basel zu holen. «Ich befürchtete, dass für die Uefa die Verhältnisse in der Schweiz eher zu klein sind.» Schliesslich sei der St. Jakob-Park mit 38 000 Sitzplätzen für solche Spiele eher ein kleines Stadion. «Umso schöner ist es, dass es nun geklappt hat. Für Basel ist das ein tolles Zeichen.»

Doch: Die Konkurrenz ist gross. «Wir sind nicht die Einzigen, die uns Mühe geben», sagt Tourismus-Direktor Daniel Egloff. Auch Basel kommt nicht darum herum, weiter zu investieren, wenn es im lukrativen Markt mithalten will: etwa in den Umbau der Joggeli-Halle oder des Stadtcasinos, die vorgesehen sind. Vor allem aber muss weiterhin fleissig genetzwerkelt und geweibelt werden. In diesem Bereich hat Basel in den vergangenen Jahren dazugelernt. «So einen Kongress holt man nicht nur mit einem Telefonat», sagt Congress-Center-Sprecherin Thalmann. Sie lässt denn auch durchblicken, dass im Moment einiges im Tun sei. «Wir arbeiten ständig daran, neue Events zu holen.»

Welche genau, wollte sie nicht sagen. Aber dass weitere Grossevents folgen, davon darf man ausgehen.