Scouting
Wie sich der FCB vielversprechende Talente sichert

Der FC Basel sucht schweizweit nach jungen, vielversprechenden Talenten. Schon 13-Jährige werden beobachtet, ab 15 stehen Berater Schlange.

Samuel Hufschmid
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Die Junioren gehen mit grossem Einsatz ans Werk. (Archivbild vom Turnier 2013, FC Basel gegen FC Waldshut).

Die Junioren gehen mit grossem Einsatz ans Werk. (Archivbild vom Turnier 2013, FC Basel gegen FC Waldshut).

Old Boys, Congeli und der FC Solothurn: Das sind die grössten Talent-Lieferanten für Rot-Blau, wie eine Auswertung der bz zeigt. Dazu wurden die Kaderlisten von 2015 und 2017 miteinander verglichen. Die Nachwuchsverantwortlichen prüften die Angaben und ergänzten sie. Dadurch wird erstmals ersichtlich: Nebst den traditionellen Partnervereinen reichen die Arme der Talent-Krake FCB bis in die Ostschweiz und auch über die Grenze: Von St. Gallen wurden in den letzten zwei Jahren ebenso Nachwuchsspieler verpflichtet wie aus Südbaden und dem Elsass.

«Wir beobachten schweizweit Spieler ab Stufe U13, Transferbemühungen machen wir ab 15 Jahren», sagt Benjamin Müller, Leiter Préformation. In diesem Alter sei es schon eher absehbar, dass man den richtigen wählt. «Dafür geht es bereits ins Geld: 40'000 Franken Ausbildungspauschale pro Jahr ab einem Alter von zwölf Jahren werden bei Transfers von anderen Super-League-Clubs fällig. Ein talentierter 16-Jähriger vom FC Zürich kostet dadurch 160'000 Franken.»

Um Missbräuchen vorzubeugen, sind Transfers über die Landesgrenzen strikt geregelt und mit drakonischen Strafen belegt. «Maximal 50 Kilometer von der Grenze entfernt dürfen die Spieler wohnen – der FV Lörrach-Brombach geht, der SC Freiburg nicht», sagt Müller. Im Falle eines Verstosses droht nicht nur eine Busse, sondern auch ein mehrjähriges Transferverbot für die erste Mannschaft. «Dann wäre ich meinen Job sofort los», scherzt er.

Der FCB hat dennoch einen internationalen Transfer eines Spielers getätigt, der bereits bei Feyenoord Rotterdam und Leverkusen im Kader war. «Das hat mit der Arbeit der Eltern zu tun. Wenn diese wegen ihrer Jobs nach Basel ziehen, dann ziehen die Kinder natürlich mit», erklärt Müller. Fälle wie bei Barcelona oder Manchester City, wo ganze Familien transferiert wurden, schliesst er aus. «Wir stellen jedoch fest, dass spätestens ab der U15 teilweise Dutzende Berater und Scouts an der Seitenlinie stehen. Da gilt es hauptsächlich, die eigenen Talente vor unüberlegten Entscheiden zu schützen. Das ist nicht immer ganz einfach.»

Er nennt das fiktive Beispiel eines Beraters, der einer Familie für einen Transfer 250'000 Franken verspricht. Je nach dem, in welcher finanziellen Lage sich die Familie befindet, sind solche Angebote natürlich reizvoll. «Wir sagen unseren Jungs aber deutlich: Ihr habt bei uns die beste Chance, Profi zu werden. Bei Grossclubs mit schillernden Namen ist die Gefahr, auf der Strecke zu bleiben, unvergleichbar viel grösser», so Müller. Dennoch seien ihnen dadurch in den vergangen Jahren auch schon Talente verloren gegangen.