Wenn man sich in Basel an Polo Hofer erinnert, dann ist das meist mit einem ganz spezifischen Ort verbunden: dem «Atlantis». Der Konzertclub am Klosterberg wurde für den Interlakner Sänger zu einem Heimathafen, den er in seinen verschiedenen Schaffensphasen immer wieder ansteuerte. Und das kam so:

Im Jahr 1972 machte das «Atlantis» schwierige Zeiten durch: Die Beatwelle war Geschichte, der progressive Rock auf dem Vormarsch, Kurt Seiler, der Besitzer, ratlos. Sein Versuch, das «-tis» in eine Discothek umzuwandeln, war misslungen. Was der Jugend gefiel, blieb ihm, dem alten Jazzfan, unklar.

Da bewarb sich eine neue, junge Band aus Interlaken um einen Auftritt. Seilers Programmchef Robert Juen gab ihnen eine Chance. Und landete einen Volltreffer, wie man am 31. August 1972 in der Zeitung «Music Scene» nachlesen konnte: «Man traute an jenem Wochenende seinen Augen kaum: ein voll besetztes Atlantis – fast wie zu seinen besten Zeiten. Und dies mit einer Schweizer Gruppe im Programm.»

Die Berner Band war für 100 Franken angereist, um ihren mit Mundarttexten angereicherten Acidrock im Livemekka vorzustellen. Und sie erspielte sich umgehend einen hervorragenden Ruf.

Mit ihren Gastspielen öffneten Rumpelstilz mit Polo Hofer, Hanery Amman, Küre Güdel, Sämi Jungen und Schifer Schafer dem Berner Rock die Türen. Und Basel umarmte sie, die Berner, als wären sie Lokalmatadoren.

Kein Zufall, dass sich Rumpelstilz 1977 entschieden, ein Live-Album im «-tis» aufzunehmen: Den «Goldenen Anker» in Interlaken gab es noch nicht, ebenso wenig die «Mühle Hunziken» in Rubigen. Der bedeutendste Club, auch für die Berner Szene, lag am Rheinknie.

Glücklich durfte sich schätzen, wer für sieben Franken ein Billett ergattern konnte und sich an einem der beiden November-Abende 1977 mitverewigen konnte: Liveversionen von «Kiosk» oder «Teddybär» landeten auf der Doppel-LP «Fätze u Bitze vo geschter u jitze».

Das Album, mittlerweile digital erhältlich, vermittelt auch 30 Jahre später einen Eindruck von der festlichen Stimmung und professionellen Virtuosität, die der Entertainer Hofer und seine Mitmusiker ins «-tis» zauberten.

SRF-Dok: «Polo Hofer – Rhythmus, Rausch und Rampenlicht»

SRF-Dok: «Polo Hofer – Rhythmus, Rausch und Rampenlicht»

(2014)

Rumpelstilz waren die ersten, aber nicht die einzigen Berner, die in Basel Heimvorteil genossen. Auch Span traten ab 1976 im Atlantis auf, als wäre es ihr Wohnzimmer: «Kein anderer Schweizer Club bot mehrtägige Engagements, die Auftritte im ‹-tis‹ waren daher eine super Schule», erinnert sich Dänu Siegrist, heute Wahl-Basler, damals Span-Mitglied.

Hofer und Span machten von 1978 bis 1982 als «Polos SchmetterDing» gemeinsame Sache und festigten ihren Ruf als – im doppelten Sinn – Lokalhelden.

«Man hat die Berner geliebt in Basel», sagt Pink Pedrazzi, damals Mitglied der Basler Band Wondergirls. «Span oder Polo Hofer wurden stets mit offenen Armen empfangen.» «Das waren echte Stars», bestätigt auch Cla Nett von der Lazy Poker Blues Band.

Legendäre 400 Stangen Bier

Selbst die sogenannte Stilpolizei, die Musiker, welche die Auftritte anderer hinten am Tresen kritisch verfolgten und kommentierten, verstummte, wenn die professionellen, charmanten Berner auftauchten und das «-tis» in ein Tollhaus verwandelten. Niemand in der Schweiz konnte es mit ihrer Durchschlagskraft und Beliebtheit aufnehmen. «Sie waren live einfach saugut», lobt Pink Pedrazzi. «Was sie machten, war satt, musikalisch – und immer auch mit einem Augenzwinkern versehen.»

Im Letschte Tram-Polo Hofer

Im Letschte Tram-Polo Hofer

Man könnte soweit gehen und sagen, dass Polo Hofer und Span mit dem ebenso legendären Wirt Eddie Cassini gross wurden – und umgekehrt. Auf jeden Fall haben sie unzählige Nächte zusammen erlebt.

Unvergesslich jene in den 1980ern, in der ein euphorischer Polo einmal eine Freirunde für alle ausrief. Die Serviertöchter balancierten die Tabletts voller Bier mit gewohnter Professionalität und verteilten wie Jongleusen die Gläser. Ein Riesengaudi, auch für Hofer, zumindest in diesem Moment. Als ihm Cassini danach die 400 Stangen von der Gage abzog, war die Laune im Keller – aber nur für einen kurzen Moment.

Polo Hofer kehrte bis Anfang des neuen Jahrtausends immer wieder gerne auf die «-tis»-Bühne zurück.

Oberhofen trauert um bekanntesten Bürger

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In jüngster Vergangenheit zog sich Polo weitgehend aus der Öffentlichkeit zurück - nach Oberhofen an den Thunersee, wo er im Familienkreis verstarb.