Wo die neuen Basler Trams produziert werden, spielt für die Basler Verkehrs-Betriebe (BVB) keine Rolle. Bei der Ausschreibung war das kein Kriterium. Ausschlaggebend war der Preis. Da konnte das Schweizer Unternehmen Stadler Rail gegen die Konkurrenz nicht mithalten. Den Zuschlag hat der kanadische Konzern Bombardier erhalten.

Dieser produziert seine Trams allerdings in Europa. Die zum Zug gekommene Bombardier Transportation Switzerland AG ist ein Unternehmen nach Schweizer Recht, das hierzulande 900 Mitarbeiter beschäftigt. Wo der neue Tramtyp Flexity Basel produziert wird, gibt Bombardier noch nicht bekannt, da es sich wegen der Rekursmöglichkeit noch um ein laufendes Verfahren handelt.

Bombardier hat Schweizer Werke

Bekannt ist aber, dass der in Genf verkehrende Flexity in Wien und Bautzen (D) hergestellt wurde. Die Endmontage der in Zürich verbreiteten Bombardier-Trams des Typs Cobra hingegen wurde in der Schweiz ausgeführt, während der Tramkasten ebenfalls in Bautzen produziert wurde. Derzeit fertigt Bombardier die neuen Doppelstockzüge für die SBB an. Auch bei diesem Auftrag ist Stadler Rail unterlegen. «Die Wertschöpfung in der Schweiz beträgt dabei 50 Prozent», sagt Bombardier-Geschäftsführer Stéphane Wettstein. Zulieferer sind mitgerechnet.

Bei Stadler ist der Anteil grösser. «Die Trams für den Schweizer Markt produzieren wir in der Schweiz. Rechnet man die Zulieferer hinzu, finden 80 Prozent unserer Wertschöpfung in der Schweiz statt», sagt Stadler-Geschäftsleitungsmitglied Vincenza Trivigno. Da ihre Schweizer Werke durchschnittlich zwei Drittel ihres Umsatzes mit Exporten macht, ist eine Bevorzugung inländischer Produzenten jedoch nicht in ihrem Sinn: «Wir sind gegen Heimatschutz. Wir müssen uns technisch und wirtschaftlich gegen die ausländische Konkurrenz durchsetzen.»

Stadler bevorzugen oder nicht?

Anders sieht das der Basler SVP-Grossrat Toni Casagrande: «Wenn in der Schweiz schon Produkte hergestellt werden, sollte man diese berücksichtigen.» Er hätte bei der Ausschreibung deshalb den Preis weniger stark gewichtet. «Wenn Schweizer Unternehmen Arbeitsplätze streichen, zahlt das die Allgemeinheit», begründet er.

Sein Grossratskollege Heiner Vischer (LDP) hingegen hält nichts von einer Bevorzugung von Stadler: «Die BVB müssen sich nach dem Markt richten. Es geht um grosse Geldsummen.»

Selbst SP-Grossrat Jörg Vitelli pocht hier auf die internationale Marktwirtschaft. Er erinnert an frühere BVB-Trams, die «aus Heimatschutzgründen» gekauft wurden: «Die waren nicht der Hit.» Etwa bei der Wartungsfreundlichkeit musste man Abstriche machen. Obwohl die Details der aktuellen BVB-Beschaffung noch geheim sind, habe er erfahren, dass Flexity Basel im Vergleich zur Konkurrenz beim Energieverbrauch am besten abschneide. Darauf deuten auch Aussagen von Bombardier-Chef Wettstein: «Neben dem Kaufpreis muss man auch die Kosten über die Laufzeiten beachten. Beim SBB-Auftrag schneiden wir bei den Energiekosten und der Abnützung der Infrastruktur am besten ab.»