Kunst-Stück

Wie wandert Kunst steuerfrei von Hand zu Hand?

Künstlerkollektiv RYBN.ORG: «Algoffshore». Gesehen an der Liste 2018, Stand HEK, Basel. Preis: gratis.

Das Pariser Künstler-Kollektiv RYBN.ORG macht das Offshore-Geschäft mit Kunst zum Thema eines Stadtrundgangs.

Die Art Basel besteht aus viel Sichtbarem. Logisch. Schliesslich handelt es sich um Kunst. Die Art Basel besteht jedoch auch aus Unsichtbarem. Beispielsweise aus 3,5 Milliarden Franken: So hoch schätzt der Kunstversicherer Axa Art den Wert der ausgestellten Kunst.

Die französische Künstlergruppe RYBN.ORG widmet sich seit Jahren unsichtbaren Daten- und Finanzströmen. In der Folge der Panama- und Paradise-Paper-Skandale haben sie Daten und Geschichten rund um Steuerparadiese gesammelt, kartografiert und durch eine App zugänglich gemacht.

 

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Das kann man an der Art auch noch erleben:

Rafael Lozano Hemmer: Klang- und Lichtinstallation in Augusta Raurica (BL)

Rafael Lozano Hemmer: Klang- und Lichtinstallation in Augusta Raurica (BL)

Der kanadisch-mexikanische Künstler hat im Rahmen der Art Basel 2018 zusammen mit dem Haus der Elektronischen Künste (H3K) im römischen Theater von Augusta Raurica eine Klang- und Lichtinstallation eingerichtet. Wer über die Intercom-Anlage eine Sprachnachricht aufnimmt, der hört seine Sätze in der Theateranlage, überlagert mit zig Sätzen anderer Menschen. 



 

Das Haus der elektronischen Künste (HEK) hat das Kollektiv an die Liste geladen. Speziell für Basel haben die Künstler weltweit zum Kunstmarkt recherchiert und Dutzende Reisen unternommen. Als Resultat wurde ein Algorithmus entworfen. Der Plan dazu ist im Keller der Liste zu sehen. «Algoffshore» erklärt sehr präzis, wie am Kunstmarkt Steuern optimiert oder gar steuerfrei Gewinne erzielt werden können.

Die eine Strategie ist, anonym zu handeln. Entweder Cash unter der Hand. Oder indem man eine Briefkastenfirma in einem Offshore-Staat gründet. Dritte Möglichkeit: Der Händler bringt seine Ware in Freilager, zollfreie Zonen, wie sie weltweit, auch in Basel oder Genf existieren. Diese Taktik verknüpft der Händler am besten mit der Briefkastenfirma-Strategie. Ist die Ware einmal zollfrei eingelagert, kann sie in dieser Zone zwischen Firmen, die dort Depots haben, gehandelt werden.

 

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Impressionen von der Art Unlimited:



 

Spaziergang mit Kunstkompass

RYBN.ORG klagt keine Personen direkt an. Ihre Arbeit kann durchaus als konkrete Anweisung zum steueroptimierten Kunsthandel gelesen werden, ist also praktisch und ironisch zugleich. Auf der gleichnamigen Website des Kollektivs ist das fundierte Recherchematerial zu finden. Der Download der Basler App ist dort etwas kompliziert. An der Liste wird einem aber geholfen. Wer kein Android-Handy hat, bekommt einen Rucksack mit Kopfhörern und einem Kompass.

So ausgestattet führt einen eine Stimme zu denjenigen Orten in Basel, die mit dem Offshore-Kunsthandel zu tun haben. Das sind natürlich die Liste selbst und die Art Basel. Der Guide leitet einen aber auch zu einem Freilager im Dreispitz, zur Bank J. Safra Sarasin, zum Hauptsitz der Basler Versicherungen, zu Basler Villen oder verschiedenen Museen. Vor Ort erfährt der Spaziergänger, wie diese oder jene Institution mit dem Kunstmarkt verknüpft ist.

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