Szenarien

Wie weiter bei den Basler Genossen? Grünliberale und SVP lauern

In der Basler Regierung kommts zum Sesselrücken. Rot-grün beansprucht vier von sieben Sitzen.

In der Basler Regierung kommts zum Sesselrücken. Rot-grün beansprucht vier von sieben Sitzen.

Nach der Rücktrittsankündigung von SP-Regierungsrat Brutschin dürfen die Aussenseiter träumen – die bz stellt mögliche Szenarien vor.

Der Basler Volkswirtschaftsdirektor Christoph Brutschin hat angekündigt, im kommenden Herbst nicht mehr zu den Wahlen anzutreten.

Damit ist die Ausgangslage im Vorfeld des Wahlherbsts 2020 klar: Die SP muss zwei von drei Regierungssitzen neu besetzen, sämtliche anderen vier Exekutivmitglieder treten nochmals an. Die Doppelvakanz eröffnet den anderen Parteien die Tür – wenngleich nur einen Spaltbreit, wie die Auslegeordnung zeigt.

Szenario 1:

Alles bleibt beim Alten

Die langweiligste Variante ist gleichzeitig die wahrscheinlichste. Die drei bürgerlichen Regierungsräte werden wiedergewählt, doch Rot-grün behält die Mehrheit. Die grüne Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann tritt wieder zur Wahl an – dies bestätigt ihre Sprecherin auf Anfrage. Eine Abwahl, so gerne das viele Journalisten und Mitglieder des Politestablishments sehen würden, ist unwahrscheinlich.

Wenngleich sie im Auftreten unsicher wirkt und sich nicht gerade als Krisenmanagerin (Stichwort Museen) hervorgetan hat, darf sie gleich mit drei Prädikaten aufwarten, welche die Wiederwahl garantieren dürften. Sie ist eine Frau, sie ist grün und sie ist eine Bisherige. Die SP wird in diesem wahrscheinlichsten Szenario die drei Sitze wiederbesetzen. Dass Christoph Brutschin nicht wieder antritt, ist zwar insofern ein Nachteil, als die SP zwei neue Kandidaten portieren muss. Andererseits erstickt die Doppelvakanz auch die Genderstreitigkeiten im Keim. Neben der amtierenden Finanzdirektorin Tanja Soland können somit ein Mann und eine Frau zur Wahl antreten.

Die Chancen für dieses Szenario stehen bei 60 Prozent.

Szenario 2a:

LP holt Sitz der Bürgerlichen

Die Grünliberalen ziehen zu ungunsten eines Basler Bürgerlichen in die Regierung ein. Lukas Engelberger (CVP), Conradin Cramer (LDP) und Baschi Dürr (FDP) scheinen zwar fest im Sattel zu sitzen. In einem allfälligen zweiten Wahlgang jedoch müssten sie jedoch stark bangen, wenn sie gegen die Grünliberalen antreten würden. Die GLP würde dann die Stimmen der Linken auf sich vereinen.

Szenario 2b:

GLP holt Sitz der Sozialdemokraten

Die Grünliberalen holen sich auf Kosten der Sozialdemokraten einen Sitz. Dies, weil die SP zu hoch gepokert hat mit ihren linken Kandidaturen. Wenn sie mit Beat Jans und Kerstin Wenk oder Sarah Wyss antritt, kann sich bei den Basler Wählerinnen und Wählern das ungute Gefühl einschleichen, dass es vorbei ist mit der wirtschaftlichen Herrlichkeit, welche unter den Realos Eva Herzog und Christoph Brutschin in Basel geherrscht hatte. Richtig gefährlich werden könnte die GLP, wenn sie mit der eloquenten und telegenen Grossrätin und ehemaligen Fernsehmoderatorin Esther Keller ins Rennen steigt.

Chancen für eine siegreiche GLP-Kandidatur: 20 Prozent

Szenario 3:

VP zieht in die Regierung ein

Die SVP zieht in die Regierung ein. Dies am ehesten zu Ungunsten der Sozialdemokraten. Für einen Coup der Rechtsbürgerlichen bräuchte es aber im Jahr nach der grössten Schlappe der jüngeren Geschichte (der Abwahl von Nationalrat Sebastian Frehner) mehrere Erfolgsfaktoren. Erstens müsste sich die Basler SVP wieder in ein bürgerliches Bündnis einspannen lassen. Bei der Majorzwahl wird es für sie wichtig sein, als moderate Partei in Erscheinung zu treten – im Idealfall von Mitteparteien wie der CVP und der GLP mitgetragen. Exponenten der Grünliberalen haben aber bereits ihre Skepsis gegenüber der SVP kundgetan. Und selbst wenn das grosse Bündnis zustande käme: Dadurch wäre das Personalproblem nicht gelöst, mit der die SVP zu kämpfen hat. Der am heissesten gehandelte Kandidat Pascal Brenneisen blieb etwa bei den Nationalratswahlen im vergangenen Herbst den Beweis schuldig, ein grosser Stimmenbeschaffer zu sein.

Chancen einer siegreichen SVP-Kandidatur: 15 Prozent

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