Gewaltexzesse
Wieder ein Wochenende mit Raub und Prügel

Zwei Raubüberfälle und eine Massenschlägerei - Basel erlebt nach Messerstecherei und Überfällen sieben Tage zuvor wieder ein Gewalwochenende.

Hans-Martin Jermann
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Werden Gewaltexzesse an Wochenenden in Basel zur Normalität? Was SVP-Politiker und andere Rechtsbürgerliche seit geraumer Zeit anmahnen, halten Linke für übertrieben und für billigen Populismus. Man mag die Geschehnisse unterschiedlich einordnen, doch Tatsache ist: Eine Woche nach mehreren Überfällen, einer Messerstecherei und sexueller Nötigung hat Basel in der Nacht auf vergangenen Samstag erneut eine geballte Ladung Gewalt erlebt.

Tatort Theaterplatz: Bei einer Massenschlägerei kurz vor Mitternacht wird ein Involvierter verletzt. Zunächst scheint dem 21-Jährigen nichts passiert zu sein: Er geht nach Hause, klagt dort aber gegenüber seiner Freundin über Unwohlsein. Diese bringt ihn ins Claraspital. Dort stellen die Ärzte fest, dass der Angegriffene an einem Auge erheblich verletzt worden ist. Er wird ins Augenspital verlegt, wo er sich noch immer aufhält. Es müsse wohl eine Augenoperation durchgeführt werden, sagt Markus Melzl, Mediensprecher der Basler Staatsanwaltschaft (Stawa). Wegen des Gesundheitszustandes ist der junge Mann noch nicht befragt worden. Weshalb geprügelt wurde und welche Rolle der Verletzte dabei spielte, ist vorerst also unklar.

«Albanertypen in meinem Alter»

Tatort Johanniterbrücke, Seite Grossbasel: Zwei Räuber verlangen von einem 19-Jährigen um 2 Uhr Mobiltelefon und Portemonnaie – ansonsten würden sie ihn «abstechen». Nachdem er einen Schlag in den Bauch gekriegt hat, händigt der Jugendliche die Gegenstände aus, bekommt aber das Portemonnaie wieder zurück, da sich darin kein Geld befindet. Danach flüchten die Täter Richtung St.Johann. Womöglich handelt es sich um «Albanertypen in meinem Alter», zitiert Melzl Aussagen des Jugendlichen. Dieser ergreift zuvor die Flucht, als ihn die Räuber ein erstes Mal ansprechen. Er wird aber eingeholt.

Tatort Claragraben: Zwei Räuber knöpfen sich um 4.30 Uhr einen angetrunkenen Mann vor: Sie sprechen ihn zunächst auf Geld an; als er verneint, traktieren sie ihn mit Faustschlägen. Der 42-Jährige geht zu Boden, kriegt auch noch einen Fusstritt ab. Die Räuber nehmen ihm Portemonnaie sowie persönliche Utensilien ab und flüchten. Der Angetrunkene kann gegenüber der Polizei weder Angaben zu den Tätern machen noch zum Geldbetrag, der ihm fehlt.

Ruhe dank Wachtmeister Regenass

Der letzte Fall passt in ein gängiges Muster: Demnach ist die Mehrzahl der Räuber auf «einfache Beute» aus und sucht sich ihre Opfer nach dem Weg des geringsten Widerstandes aus. «Wehrt sich ein Opfer, so lassen viele Räuber von ihm ab und flüchten», sagt Melzl. Er will dies nicht als Handlungsempfehlung verstanden wissen. Sei ein Räuber bereit, auf tutti zu gehen, könne dies ins Auge gehen. Melzl rät deshalb, «wenn möglich Konfrontationen zu vermeiden».

Nach den Geschehnissen in der Nacht auf Samstag blieb es in jener auf gestern ruhig. Dafür verantwortlich sei nicht zuletzt das nasskalte Wetter, fügt Melzl an und zitiert die Polizisten-Weisheit: «Unser bester Mann heisst Wachtmeister Regenass.»