Die Freude war unübersehbar. Stolz präsentierte Museumsdirektor Marc Fehlmann anfangs Dezember den Medien die Schuhe, das Poloshirt, Schweissband sowie das Racket, das Roger Federer im Wimbledon-Final 2014 benutzt hatte. Der Baselbieter Tennis-Star hat sie der neu geschaffenen Abteilung für Zeitgeschichte im Historischen Museum Basel (HMB) geschenkt. «Die Objekte haben Reliquiencharakter», warb Fehlmann. Immerhin sei Federer derzeit der berühmteste Basler. Solche Exponate seien dazu da, Geschichten zu erzählen.

Ohnehin will das HMB die nähere Zeitgeschichte stärken, sagt Urs Gloor. Dazu zählt der Präsident der Kommission zum HMB Themen wie die Crossair, Ciba-Geigy oder eben auch Sportgeschichte. Darauf hoffte auch das in seiner Existenz bedrohte Sportmuseum: «Für uns wäre es durchaus eine Option, im Historischen Museum unterzukommen. Das wäre eine Chance, um das Sportmuseum zu retten», sagt der interimistische Museumsleiter Hans-Dieter Gerber. Kommt hinzu, dass die beiden Museen schon in der Vergangenheit zusammengearbeitet haben.

Zerschlagung kaum zu verhindern

«Es ist grundsätzlich begrüssenswert, sich Gedanken zu möglichen Kooperationen zu machen», sagt auch Sonja Kuhn. Die Co-Leiterin der Abteilung Kultur weist darauf hin, dass es in der Zuständigkeit des HMB liege, ob eine Sammlung übernommen oder angegliedert werden soll. Das zuständige Präsidialdepartement sei vom HMB denn auch über erste, unverbindliche Gespräche informiert worden. Gerber vom Sportmuseum glaubt, beim HMB durchaus Interesse gespürt zu haben.

Nun aber hat die HMB-Kommission die Notbremse gezogen: In einer Sitzung vom Montagabend befand sie, dass eine Übernahme der Bestände des Sportmuseums nicht möglich ist. «Wir können das Sportmuseum nicht durch die Hintertüre retten», stellt Gloor klar. Dazu wären mehr Mittel nötig sowie zusätzliche Kuratoren, die auf Sportgeschichte spezialisiert sind. Denn wegen fehlender Ressourcen habe das HMB schon heute Mühe, seine Bestände fachgerecht zu betreuen.

«Wir wären bereit, Objekte mit einem Bezug zu Basel zu übernehmen. Exponate von Roger Federer beispielsweise würden wir sicher nicht ablehnen.» Das würde eine Zerschlagung der Sportmuseumssammlung bedeuten. «Alles wird wohl kaum zusammenbleiben können», vermutet Gloor. «Allzu viele Alternativen zum Historischen Museum dürfte es nicht geben.»

In heutiger Form chancenlos

So weit ist es noch nicht. Aber die Zukunft des Sportmuseums ist unsicherer denn je: Der Bund hat seine bisherigen Subventionen gestrichen und auch der Baselbieter Landrat hat im vergangenen Dezember eine weitere Unterstützung abgelehnt. Basel-Stadt zahlt noch bis Ende Jahr. Doch mit der neuen Museumsstrategie will auch der Stadtkanton seine finanzielle Unterstützung ans Sportmuseum definitiv streichen. Einzig Swiss Olympic subventioniert das Museum noch bis Ende 2020. Aber das reicht noch nicht einmal für die Miete auf dem Dreispitzareal.

Die Museumsverantwortlichen haben nun deshalb erste Massnahmen ergriffen. «Wir haben den Betrieb bereits reduziert und die Stellen von 4,5 auf 1,7 abgebaut», sagt Gerber. «So können wir im laufenden Jahr noch auf Sparflamme weiterbestehen.» Auch Recherchen für andere Museen oder Leihgaben seien kaum mehr möglich.

Eine letzte Chance könnte sich Ende Monat eröffnen. Dann werden sich die Verantwortlichen des Sportmuseums mit interessierten Kreisen zu einem zweitägigen Workshop zusammensetzen. Vertreten sein werden auch Swiss Olympic oder das Historische Museum. Erarbeitet werden soll eine Potenzialanalyse, auf welcher die nächsten konkreten Schritte abstützen. Klar aber ist schon heute: «Wir brauchen sehr rasch eine Lösung», betont Gerber. Und: «Das Sportmuseum kann sicher nicht als Begehlager auf dem Dreispitzareal weitergeführt werden. Es braucht eine grundlegende Neuorientierung.»