Wiesentalbahn
Konflikt vorprogrammiert: Eskaliert am Mittwoch der S-Bahn-Streit mit Riehen?

An der Wiesentalkonferenz trifft der Riehener Gemeinderat erstmals seit der Widerstandsankündigung gegen den Doppelspurausbau auf seine deutschen Kollegen.

Tobias Gfeller 3 Kommentare
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Gibt es bald eine Doppelspur durch den Dorfkern? Geht es nach Riehen, bleibt die Strecke nostalgisch – wie hier anlässlich des 150-jährigen Bestehens der Wiesentalbahn.

Gibt es bald eine Doppelspur durch den Dorfkern? Geht es nach Riehen, bleibt die Strecke nostalgisch – wie hier anlässlich des 150-jährigen Bestehens der Wiesentalbahn.

Martin Toengi (23. September 20212)

Riehen werde sich mit allen Mitteln gegen den von deutscher Seite geplanten Doppelspurausbau durch den Dorfkern wehren, kündigten vor zwei Wochen Gemeindepräsident Hansjörg Wilde (parteilos) und der für Mobilität zuständige Gemeinderat Daniel Hettich (LDP) an. Notfalls werde man auch juristische Schritte prüfen. Die Botschaft war unmissverständlich: Riehen will den Doppelspurausbau durch den Dorfkern für den Viertelstundentakt unbedingt verhindern – koste es, was es wolle.

Damit ging der Riehener Gemeinderat auf Konfrontationskurs zu den Kolleginnen und Kollegen im Wiesental. An der Wiesentalkonferenz vom Mittwoch vertritt Daniel Hettich die Interessen von Riehen. In den Tagen nach dem Vorpreschen des Riehener Gemeinderats habe er auch Verständnis von deutscher Seite gespürt, verrät Hansjörg Wilde. Es habe aber auch kritische Stimmen gegeben, gibt der Gemeindepräsident zu. Medial und von Politikerinnen und Politikern wurde Riehen Rosinenpickerei vorgeworfen. Diesen Vorwurf nimmt Wilde gelassen.

«Der Gemeinderat muss in erster Linie für die Riehener Interessen schauen. Wenn dies als Rosinenpickerei dargestellt wird, kann ich damit leben.»

Handelt der Gemeinderat diplomatisch ungeschickt?

Grossen Nutzen von einem Viertelstundentakt hätten gemäss dem Riehener Gemeinderat vor allem die deutsche Seite, der das Trassee gehört. Deren Bevölkerung kommt mit der Bahn bequem zur Arbeit nach Basel. In Riehen benutzen verhältnismässig wenige Personen die S-Bahn.

Dieses Denken greift für Heinrich Ueberwasser zu kurz. Der Riehener SVP-Politiker sitzt aktuell noch im Gemeindeparlament und engagierte sich während Jahren als Basler Grossrat und Präsident des Districtsrats des Trinationalen Eurodistricts Basel für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Raum Basel. Der Rosinenpicker-Vorwurf an Riehen und die von deutscher Seite geäusserte Behauptung, es handle sich um ein rein schweizerisches Problem, zeige, dass es «fünf vor zwölf» ist. Der Riehener Gemeinderat handle zu spät und diplomatisch ungeschickt, kritisiert Ueberwasser. «Rechtliche Auseinandersetzungen sind erst das letzte Mittel. Er hätte viel früher intervenieren können und müssen.»

FDP lanciert Petition

An Stelle der Konfrontation schlägt Ueberwasser einen runden Tisch – einen Thinktank – vor, den er gemäss eigener Aussage auch aufgrund seiner anwaltlichen Erfahrungen bei grenzüberschreitenden Projekten leiten will. Der runde Tisch soll die Wiesentalkonferenz nicht konkurrieren, sondern Ideen für das Gelingen des Viertelstundentaktes schmieden. «Der Fächer muss personell und von den Ideen her geöffnet werden», fordert Ueberwasser.

«Ich will zurück zu einer positiven Aufbruchstimmung der trinationalen Zusammenarbeit. Die Tieferlegung der Doppelspur zwischen Lörrach und Basel ist ein Jahrhundertprojekt und bahntechnisch für das ganze Wiesental und den Bahnknoten Basel essenziell.»

Am Dienstag lancierte die FDP Riehen-Bettingen eine Petition zuhanden des Basler Bau- und Verkehrsdepartements und des Bundesamts für Verkehr. Darin fordert die Partei wie Heinrich Ueberwasser eine Untertunnelung des Riehener Dorfkerns an Stelle des Doppelspurausbaus. Gemeindepräsident Hansjörg Wilde selber nimmt die Basler Bau- und Verkehrsdirektorin Esther Keller (GLP) in die Pflicht und fordert einen spürbaren Einsatz für die Interessen von Riehen.

«Sie steht da ganz klar in der Verantwortung. Bisher gibt sie sich bedeckt. Das muss sich ändern.»
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peter hablützel

Deutschland soll zuerst seine Verantwortung in dem Nord-Süd- Ausbau erfüllen. Während die Schweiz am Tessiner Ceneri fristgerecht den neuen Eisenbahn-Basistunnel eröffnet, hinkt Deutschland beim Ausbau der zentralen Zulaufstrecke zwei Jahrzehnte hinterher. Nach heutigem Stand wird der deutsche Streckenabschnitt nicht vor 2041 gänzlich vierspurig sein – 20 Jahre, nachdem die Schweiz ihren Teil der Verabredung eingelöst hat.

Erich Trösch

Und warum ging es denn auf der Rheintalbahn so lange? Unter anderem auch, weil diverse Gemeinden den Bahnausbau torpediert habe und unnötige Tunnels gefordert haben, die dann zusätzliche Milliarden kosteten. Genau wie jetzt in Riehen…

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