Landauf landab blicken Freisinnige mit zwiespältigen bis schlechten Gefühlen auf das vergangene Wochenende zurück. Die Baselbieter FDP hat 5,5 Prozentpunkte Wähleranteil verloren, im Kanton Aargau waren es 2,1 Prozentpunkte, im Kanton Solothurn 2,6. Von kleineren Kantonen mit nur einem Nationalratssitz mal abgesehen verliert die FDP in sämtlichen grösseren Kantonen Wähler. Mit zwei Ausnahmen. Im Kanton Wallis konnte die FDP leicht, um 0,8 Prozentpunkte zulegen, im Basel-Stadt sogar um 1,3 Prozentpunkte. Die hiesige FDP hat also - obwohl im Vorfeld deren «schlechte Liste» in der Kritik stand - schweizweit das beste Resultat abgeliefert.

Für Malama ist Erfolg kein Zufall

Für den am Sonntag glanzvoll wiedergewählten FDP-Nationalrat Peter Malama ist dies kein Zufall. Schon bei den nationalen Wahlen im Jahr 2007 habe man leicht zulegen können, gibt er zu bedenken. Malama nennt zwei Gründe für den Erfolg der Basler FDP: «Wir haben erkannt, dass sich Ökologie und Ökonomie nicht ausschliessen, sondern sich ergänzen können.» Bei der Basler FDP wisse man dies nicht erst seit gestern, sondern seit über zehn Jahren. «Wir kämpfen für eine leistungsfähige Wirtschaft, die nicht nur soziale und ökologische Verantwortung erkennt, sondern auch aktiv wahrnimmt», erklärt Malama den zweiten Grund.

Ähnliche Gründe nennt Parteipräsident Daniel Stolz. Auch er bringt das Stichwort Ökologie ins Spiel: «Wir haben Themen, wie zum Beispiel Ökologie, nicht nur den anderen Parteien überlassen, sondern diese auch selbst aufgegriffen.» Zudem betont Stolz, dass seine Partei stets versucht hat, als Team aufzutreten. Parteikollege Baschi Dürr stösst ins selbe Horn. «Wir sind relativ homogen positioniert, die Kandidaten sind nahe beisammen.» Diese Positionen ziehe die Basler FDP auch konsequent durch, was, so Dürr, auch etwas Mut erfordere.

Für aussenpolitische Öffnung

Ein Blick auf die Spinnendiagramme von Smartvote bestätigt dies. In den Kernthemen der FDP sind die Städter Peter Malama und Daniel Stolz näher beisammen als ihre Baselbieter Parteikollegen Daniela Schneeberger und Balz Stückelberger. Zwar stehen alle vier Politiker für eine liberale Wirtschaftspolitik ein, jedoch zeigen sich in der Aussenpolitik grosse Unterschiede. Während sich Malama und Stolz beide für eine aussenpolitische Öffnung der Schweiz stark machen, liegen Schneeberger und Stückelberger hier weit auseinander.

Auch in gesellschaftlichen Fragen liegen die Kandidaten aus dem Baselbiet weiter auseinander als jene der Stadt: Die am Sonntag gewählte Daniela Schneeberger (Thürnen) ist hier konservativer als ihr Arlesheimer Kollege Stückelberger. Noch deutlicher werden die Unterschiede in den Bereichen Law & Order und ausgebauter Umweltschutz. Hier liegen Schneeberger und Stückelberger meilenweit voneinander entfernt. Auch beim Thema restriktive Migrationspolitik sind sich die beiden nicht einig.

Malama fordert Karin Keller-Sutter

Die Basler Stolz und Dürr sehen aber auch das Wahlergebnis von Peter Malama als einen wichtigen Grund. Auffällig ist, dass der Basler Gewerbedirektor fast die Hälfte seiner Stimmen bei Wählern anderer Parteien geholt hat. Diese, so sind sich alle drei einig, seien entscheidend gewesen. «Wir sind so positioniert, dass sich auch Wähler anderer Parteien in uns wiederfinden», erklärt Malama den hohen Anteil an Panaschierstimmen.

Malama erwartet nun von der nationalen Mutterpartei eine Erneuerung: «Ich fordere neue Impulse und neue Kräfte bis hinauf ins Parteipräsidium.» Dabei erwartet er eine neue Parteispitze, die Integrationsfähigkeit, Führungsqualität und Kommunikationskompetenz mit sich bringt. «Da sehe ich momentan nur eine Person: Karin Keller-Sutter.»
Mitarbeit: Hans-MartinJermann