Wie passt «Catch a Car» in das Basler Verkehrskonzept?

Hans-Peter Wessels: Es passt sehr gut zu den Mobilitätsbedürfnissen in Basel. Es gibt viele Leute hier, die ihr Auto nicht regelmässig benützen, sondern nur ab und zu oder selten. Trotzdem gibt es aber Situationen, in denen es sehr praktisch ist, ein Auto zur Verfügung zu haben. Und genau für solche Situationen ist «Catch a Car» da. Man muss nicht unbedingt ein Auto besitzen, aber man hat immer Zugriff auf eines. Es gibt viele Leute in Basel, für die es sich nicht lohnt, ein Auto zu kaufen.
55% der Haushalte haben kein eigenes Auto. Und selbst für die anderen 45%, die ein Auto besitzen, lohnt sich das vielleicht nicht immer. Für diese macht «Catch a Car» es möglicherweise interessant, umzusteigen.

Wie sieht das mit der Parkplatzproblematik aus? Das sind 100 Autos mehr.

Wir haben in Basel rund 30’000 Parkplätze im öffentlichen Raum. 100 Fahrzeuge mehr, das sind gerade mal drei Promille, das ist verschwindend gering. Zudem muss man sehen, dass seit der Einführung der Parkraumbewirtschaftung die Verfügbarkeit der Parkplätze besser werden dürfte. «Catch a Car»-Fahrzeuge haben die gleiche Parkierberechtigung wie die Fahrzeuge der Anwohner.

Auch in der Altstadtzone, in der schärfere Bedingungen gelten?

Ja.

Und in der verkehrsberuhigten Innerstadt?

Mit dem Verkehrskonzept Innerstadt wird es in der Kernzone keine öffentlichen Parkplätze mehr geben, also auch keine für «Catch a Car». Es gibt keine Sonderregelung.

Wie viel verdient der Kanton mit «Catch a Car»?

Ein grosses Geschäft ist es sicher nicht. Wir haben uns überlegt, was ein vernünftiger Preis für eine Carsharing-Parkkarte ist. Mobility zahlt während der Pilotphase pro Auto 560 Franken pro Jahr, das ist das Vierfache einer Anwohnerparkkarte. Wobei es in Basel neun Zonen gibt.

Ist eine Ausweitung denkbar?

Ja sicher. Es ist ausdrücklich die Idee von Mobility, «Catch a Car» auf Vorortsgemeinden auszudehnen, wenn es einen Bedarf gibt. Aber das ist Zukunftsmusik.

Es gibt die Initiative «Basel erneuerbar» – alle Energie soll erneuerbar sein. Jetzt kommen aber Benziner statt Ökostromer auf die Strasse.

Wir erhoffen uns eine Energieersparnis, in dem dank «Catch a Car» ein autoloser Lebensstil gefördert wird. Aber wie sich das System auf den Energiekonsum und das Mobilitätsverhalten auswirkt, ist tatsächlich offen. Wir werden mehr wissen, wenn die zweijährige Pilotphase vorbei ist und die ETH-Studie vorliegt. Ich bin aber optimistisch.

Woher kommt ihr Optimismus?

Erfahrungen von Mobility haben gezeigt, dass ein Carsharing-Auto neun Privatautos ersetzt.

Ist das nicht eine lokale Konkurrenz für Taxis?

Aus meiner Sicht nicht. Wenn man ein Taxi bestellt, bestellt man ein Auto mit Chauffeur. Das ist eine Dienstleistung, ein Service. Das ist etwas völlig anderes als eine Vermietung.

Warum wurde Basel ausgewählt?

Basel ist offen für innovative Verkehrslösungen. Vor 30 Jahren haben wir mit dem Umweltschutzabonnement den Trend eingeläutet, Tarifverbünde im öffentlichen Verkehr zu schaffen. Heute sind wir die Pilotstadt für «Catch a Car». Ein Konzept, das hoffentlich dazu beiträgt, den Verkehr in Basel weiter stadtgerecht zu gestalten. Wir freuen uns natürlich sehr, dass Basel aus mehreren Schweizer Städten ausgewählt worden ist. Das Konzept steht für eine zukunftsträchtige, spontane und städtische Mobilitätsform. Das passt zu Basel.