Wer von St. Gallen nach Basel gezügelt ist, muss sich nicht umgewöhnen: Die Bürger des Ostschweizer Kantons haben schon 2007 ihre Ständeräte erstmals mit einem Kreuz gewählt. Der Kanton Basel-Stadt nutzt dieses System nun zum ersten Mal. Auf dem Wahlzettel sind die angemeldeten Kandidaten aufgelistet plus eine leere Linie, auf die man einen inoffiziellen Kandidaten schreiben kann. Dann muss man eines der Kästchen auf der Seite ankreuzen.

Ganz anders im Baselbiet: Hier gibt es zumindest juristisch keine offiziellen Kandidaten. Wer kandidiert, muss sich nicht anmelden. Und im Wahlkuvert sind keine Ständeratskandidaten aufgeführt. Neben Claude Janiak, Christoph Buser und Hans Furer werden noch diverse weniger bekannte Bürger viele Stimmen erhalten. 2011 fielen 5355 Stimmen in die Kategorie «Diverse», das sind 6,34 Prozent aller Stimmen (vier Jahre vorher waren es 6,42 Prozent). In der Stadt betrug dieser Anteil nur 0.89 Prozent (2007: 0,84 Prozent).

Zwar werden wilde Kandidaten kaum je gewählt: Aber der frappante Unterschied zeigt, dass Basel-Stadt für inoffizielle Ständeratskandidaten ein härteres Pflaster ist. Daniel Orsini, Leiter Abstimmung und Wahlen beim Stadtkanton, denkt nicht, dass dieser Unterschied mit dem Ankreuz-System noch grösser wird: «Zwischen dem Wahlsystem und der Anzahl Stimmen für inoffizielle Kandidaten gibt es wahrscheinlich keine Korrelation.» Das neue System mit dem Ankreuzen sei vor allem effizienter. So wird zum Beispiel Papier gespart. 2011 gab es noch für jeden offiziellen Kandidaten je einen Wahlzettel. Dazu einen leeren, auf den man wilde Kandidaten schreiben konnte. Dann legte man den Wahlzettel seines Kandidaten ins Kuvert.

Andernorts sind «Wilde» ungültig

Der Kanton Appenzell-Ausserrhoden braucht dieses System heute noch. 2011 fielen dort 3,85 Prozent aller Stimmen auf inoffizielle Kandidaten. Trotz gleichem Wahlsystem wie in Basel war dort der Stimmenanteil wilder Kandidaten wesentlich höher. Am Wahlsystem allein liegt es also nicht.

Immerhin können Basler überhaupt wilde Kandidaten wählen. Wer zum Beispiel in Solothurn nicht einen der vier angemeldeten Kandidaten auf die beiden leeren Linien schreibt, dessen Wahlzettel ist ungültig. Gleiches gilt in den beiden Waldstätten, wo man nur jeweils einen der offiziellen Kandidaten ankreuzen kann. 2011 konnten die Nidwaldner nicht einmal wählen: Der Regierungsrat erklärte den einzigen angemeldeten Kandidaten als in stiller Wahl gewählt. Inoffizielle Kandidaten sind also in mehreren Kantonen chancenlos.

Bei der Ständeratswahl 2019 werden es die offiziellen Baselbieter Kandidaten etwas einfacher haben. Im Juni hat der Landrat beschlossen, das Wahlgesetz per Anfang 2016 zu ändern: Wie im Aargau liegt künftig dem Stimmkuvert ein Zettel bei, auf dem die offiziellen Kandidaten aufgelistet sind. Erstmals werden die Parteien ihre Kandidaten anmelden können. Wilde Kandidaten sind weiterhin möglich. Landschreiber Peter Vetter denkt, dass das Wahlsystem einen Einfluss auf die Stimmenzahl inoffizieller Kandidaten habe: «Vorgedruckte Kandidaten erwecken bei manchen Stimmenden wohl den Eindruck, dass man nur diese wählen kann. Aber die verschiedenen Wahlsysteme sind wahrscheinlich vor allem historisch bedingt.»

Bis gestern Mittag wurden in Basel 31 100 Wahlkuverts abgegeben. Dazu kommen 702 Stimmen von in Basel gemeldeten Auslandschweizern. Wer seine Stimme jetzt noch in Briefkästen der Post wirft, hat keine Garantie mehr, dass sein Kuvert rechtzeitig beim Wahlbüro eintrifft. Als Basler wirft man sein Kuvert am besten in den Rathaus-Briefkasten oder geht am Wochenende zur Urne. Rund 200 Personen zählen am Sonntag aus, wer den Kanton Basel-Stadt künftig im Ständerat vertritt.