Wohnen

Wilde Pläne für den «Wild Maa»: Liegenschaft wird verkauft, Mieterverband sieht Wohnraum gefährdet

Ein Bild aus besseren Zeiten: Die Kleinbasler Traditionsbeiz ist geschlossen, die Liegenschaft wird verkauft.

Ein Bild aus besseren Zeiten: Die Kleinbasler Traditionsbeiz ist geschlossen, die Liegenschaft wird verkauft.

Beiz weg, Wohnungen verkleinern, Rendite hoch: Eine Maklerfirma wirbt mit umstrittenen Aussichten für die Kleinbasler Liegenschaft. Der Mieterverband zeigt sich empört und dem Lokal droht das definitive Aus.

Vor gut einem Monat wurde bekannt, dass das Wirtepaar Mazzotti die Traditionsbeiz «Wild Maa» im Kleinbasel verlässt. Jetzt wird die gesamte Liegenschaft verkauft – und das nicht gerade bescheiden: Ein attraktives Rendite-Objekt sei das Haus an der Oetlingerstrasse 165, schreibt die Zürcher Immobilienmaklerfirma «Crowdhouse» in ihrem Inserat. Das Gebäude biete «grosses Potenzial», weil durch eine «Aufteilung der bestehenden Einheiten» mehr Mieter untergebracht und die Mieteinnahmen stark erhöht werden könnten. Aktuell seien alle acht Wohnungen vermietet.

Der Basler Mieterverband tobt: Das widerspreche klar der Basler Kantonsverfassung, sagt Co-Geschäftsführer Beat Leuthardt. Diese sieht nach Annahme der Wohnschutz-Artikel im Juni 2018 vor, dass ein renditegetriebener Verkauf von Wohnhäusern wie diesem nicht erlaubt sei. Kommt hinzu, dass die bestehenden Wohnungen bei einem derart starken Eingriff nicht mehr bewohnbar wären, ergo eine Massenkündigung anstünde.

In Zukunft wohl keine Beiz mehr an der Ecke

Eigentümer der Liegenschaft sind Private aus der Agglomeration im Baselbiet. Die Anmerkung zum renditeoptimierenden Umbau stammt allerdings nicht von ihnen, sondern vom Makler der noch jungen Firma «Crowdhouse» aus Zürich. Sie hat sich darauf spezialisiert, Immobilien an potenzielle Käufer zu vermitteln, seien es Alleineigentümer, Investoren oder sogenannte Miteigentümer.

Auf Anfrage der bz sagt «Crowdhouse»-Mediensprecher Michael Meier, dass es sich bei der Formulierung im Inserat um einen reinen Potenzialbeschrieb handle. Dieser zeige einzig Möglichkeiten auf, sei aber keine Handlungsanweisung. Es würden zurzeit also keine Absichten oder Pläne bestehen, dieses Potenzial zu nutzen. Die Verkäuferschaft habe mit der vom Mieterverband kritisierten Formulierung nichts zu tun, diese Potenzialabklärungen seien bei «Crowdhouse» Standard – «insbesondere bei Liegenschaften mit leerstehenden Gewerbeeinheiten, für die offensichtlich keine Nachfrage mehr besteht.» Das würde für die Beiz das Aus bedeuten.

Mehr Wohnungen statt edlere Wohnungen

Hinzu komme, so Meier, dass es ja darum gehe, durch die vorgeschlagene Massnahme insgesamt mehr Wohnraum zu schaffen und nicht darum, die bestehenden Wohnungen zu reinen Renditezwecken aufzuwerten.

Damit ist der Mieterverband nicht einverstanden. Bestehender Wohnraum sei zu schützen, die vom Makler empfohlenen Massnahmen zur Renditeoptimierung widersprächen der Verfassung, so Leuthardt. Damit werde unverhohlen zu Mieterrauswurf und Grundrissveränderung aufgerufen. Einklagbar ist allerdings nichts: Die Liegenschaft war per gestern Mittwoch laut Grundbuchamt noch nicht verkauft, konkrete Umbaupläne gibt es zurzeit keine. Die aktuellen Eigentümer waren für Rückfragen nicht zu erreichen.

Nur leichte Entspannung auf dem Wohnungsmarkt

Die Lage auf dem kantonalen Wohnungsmarkt ist in Basel nach wie vor eng, trotz einer leichten Entspannung. Die Leerstandsquote beträgt zurzeit 1 Prozent. So schreibt auch «Crowdhouse» zur Liegenschaft an der Oetlingerstrasse: «Städtischer Wohnraum ist nach wie vor gefragt – in den Ballungszentren stehen kaum Wohnungen leer.»

Diese Situation führt zu reger Investitionstätigkeit, die sich auch in Massenkündigungen auswirkt. Davon betroffen sind nicht nur grosse Siedlungen wie am Schorenweg, wie Ende April bekannt wurde, sondern auch eine Vielzahl an kleineren Liegenschaften mit mehreren Mietparteien. Zurzeit sammelt der Mieterverband deswegen Unterschriften für seine «Wohnschutzinitiative II». Sie verlangt, dass der Verfassung widersprechende Baugesuche für drei Jahre «auf Eis» gelegt werden sollen.

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