Riehen

Wilde will in Riehen den Bau von günstigem Wohnraum vorantreiben

Hansjörg Wilde ist seit 100 Tagen Gemeindepräsident von Riehen: Er ist der Meinung, «sehr gut ins Amt reingekommen zu sein».

Hansjörg Wilde ist seit 100 Tagen Gemeindepräsident von Riehen: Er ist der Meinung, «sehr gut ins Amt reingekommen zu sein».

Hansjörg Wilde (49, parteilos) spricht nach hundert Tagen im Amt als Riehener Gemeindepräsident über Überraschungen, das brachliegende Wählerpotenzial der SVP und seine Visionen für Riehen.

Herr Wilde, als parteiloser und politisch unerfahrener Kandidat wurden Ihnen schwere Zeiten als Gemeindepräsident prophezeit. Sind die Befürchtungen eingetroffen, und sind Sie als Gemeindepräsident völlig überfordert?

Hansjörg Wilde: Nein, im Gegenteil. Ich bin sehr gut ins Amt reingekommen. Im Mai, als ich als Gemeindepräsident angefangen habe, lief gleich relativ viel. Ich musste mich schon sehr bewegen, damit ich in die Gänge komme. Ich habe gleich zu Beginn viel Zeit investiert. Das war auch der Anspruch an mich selber, dass ich möglichst schnell die Leute und die Prozesse der Verwaltung kennenlerne und schnell in die politischen Prozesse hineinkomme. Mir half dabei sehr, dass ich grundsätzlich ein Netzwerker bin und so dieses Kennenlernen erstaunlich einfach verlief.

Waren Sie überrascht von der Intensität der Arbeit?

Nein. Es ist für mich jedoch der Anspruch an einen Gemeindepräsidenten sowie der Respekt vor den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Verwaltung, dass er sich da reinbeisst und zeitnah die Geschäfte und die damit verbundenen operativen Tätigkeiten versteht und begleiten kann. Ich nahm mir sehr viel Zeit dafür, um mir Struktur und Prozesse von den Abteilungsleitenden erklären zu lassen. Die Verwaltung ist ein Zug, der fährt. Und als Präsident sollte man schauen, dass man darauf vorne ist. Und wenn immer man den Zug verlässt, muss man weiter hinten wieder einsteigen.

Was lief seit bei Ihrem Amtsantritt besser als erwartet?

Sehr positiv verlief zum Beispiel die Stabübergabe von Willi Fischer zu mir. Wir haben zusammen einen guten Draht gefunden und treffen uns gelegentlich zum Austausch. Er fragt nach, ob bei mir alles gut ist, und ich habe dann und wann eine Frage zu einem Vorgang von früher. Dies alles verläuft auf sehr kollegialer und freundschaftlicher Ebene.

Was lief schlechter?

Als eher schwierig empfand ich die Tatsache, dass ich nach der Wahl nicht als Gast zu den Sitzungen des damals noch regierenden Gemeinderats eingeladen wurde und ich erst auf Nachfragen meinerseits zwei Sitzungen begleiten konnte. Gerade als Quereinsteiger wäre dies wertvoll gewesen – auch, um im Rat die gewünschte Kontinuität der Abläufe zu gewährleisten.

Sie haben angekündigt, die SVP als stärkste Kraft im Einwohnerrat in die politischen Prozesse einbeziehen zu wollen. Wie soll Ihnen das gelingen?

Es braucht von uns die Offenheit, aber auch von den Personen der SVP selbst. Ich erwarte, dass sie konstruktiv helfen, Riehen dorthin zu führen, wo wir uns das alle auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner vorstellen können. Die SVP ist in einer guten Position, in der sie sich für Riehen in einer konstruktiven und ergänzenden Art engagieren kann. Etwas abschiessen ist das eine, aber aufzeigen, wie man es besser machen soll, ist das andere. Ich sehe sogar in einem konstruktiven Mittragen durch die SVP deren Potenzial an Wähleranteilen noch nicht ganz ausgeschöpft.

Sie sorgten mit dem öffentlichen Bekenntnis zu Ihrer Zustimmung zur Masseneinwanderungs-Initiative für Aufmerksamkeit. Hatte dies irgendwelche Folgen für die Kontakte mit den Nachbarsgemeinden Lörrach, Weil oder Inzlingen?

Mein Abstimmungsverhalten hatte keinen negativen Einfluss auf die Aussenbeziehungen. Diese wurden zwischen den Vertretern der Nachbarsgemeinden und mir sehr schnell und unkompliziert aufgebaut. Da wurden die gegenseitigen Vorstellungen und Anliegen ausgetauscht. Es sind schon fast freundschaftlich-partnerschaftliche Beziehungen entstanden. Das ist sehr wertvoll. Es gibt gewisse Themen, die nur gemeinsam angegangen werden können. Dazu gehört zum Beispiel auch die Takt-Verdichtung der Regio-S-Bahn ins Wiesental, welche für Riehen und Lörrach nur mit einer Anpassung der Schrankensteuerzeiten realistisch umsetzbar ist. Ausserhalb solcher zentralen Debatten kann man auch mal über solch eine Abstimmung reden.

Wie sehen Sie als Gemeindepräsident das Riehen der Zukunft?

Es war jetzt eine lange Zeit aus dem Gemeindepräsidium der EVP eher ein Erhalten und Bewahren des Charakters von Riehen, was durchaus auch seine Qualität hat. Zusätzlich stehe ich jedoch auch für eine qualitative Entwicklung, die nachvollziehbar, wichtig und richtig für Riehen ist. Das grosse grüne Dorf darf weiterhin «grosses grünes Dorf» heissen, effektiv sind wir aber längst eine Stadt. Ich wünsche mir eine gesunde Durchmischung aus Wohnen, Gewerbe, Bildung und Kultur, welche die hohe Lebenskultur in Riehen berücksichtigt.

Sehen Sie auch eine Entwicklung im Bereich Wohnen, für den Riehen eigentlich zentral ist?

Wohnen ist sicher etwas Zentrales in Riehen. Ich halte es für prüfenswert, inwieweit sich die Gemeinde wieder verstärkt im Wohnungsbau engagiert, so wie dies früher auch schon der Fall war.

Was soll denn die Gemeinde bauen und wofür, wenn es doch Private auch tun?

Ich sehe den Genossenschaftsgedanken im Vordergrund. Günstiger Wohnraum kann mithelfen, um zum Beispiel jungen Familien in Riehen eine Heimat zu geben. Dies sehe ich als gewinnbringende Ergänzung, um unsere Stadt weiter zu entwickeln. Dabei geht es nicht um Quantität, sondern um Qualität. Es ist aber auch nicht entscheidend, ob Riehen 21'000 oder 22'000 Einwohner zählt. Wichtig scheint mir, dass Riehen für Jung und Alt, für Finanzschwache und für Finanzstarke ein attraktiver Wohnort ist und bleibt. In diesem Prozess kann und soll die Politik mit guten und nachvollziehbaren Projekten mithelfen und mitgestalten. Einer solchen gesunden Entwicklung werde ich sehr aufgeschlossen gegenüberstehen.

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