Man kennt seinen Namen – aber in einem anderen Zusammenhang: Jahrzehntelang arbeitete Geri Stocker fürs Radio, von DRS bis SRF, prägte zusammen mit Moderator Christoph Schwegler den «Country Special».

Dass sich ein Redaktor mit Fachgebiet Countrymusik mit den USA beschäftigt, liegt auf der Hand. Dass er auch ein Auge für Sujets und ein Händchen für die Fotografie hat, ist hingegen kaum bekannt. Eine neue Publikation offenbart nun, dass Geri Stocker seine Faszination für das Amerikanische jahrelang dokumentiert hat. Wie kam es dazu?

Die ersten Bilder von Amerika haben sich ihm schon als Bub, im Jahr 1957, eingeprägt, wie er erzählt: «Mein Vater kehrte von einer Geschäftsreise zurück und brachte Aufnahmen von New York, New Jersey und Pennsylvania mit: Diese Bilder haben mich tief beeindruckt und sind mir heute noch präsent.» Zur gleichen Zeit begann sein ältester Bruder Rock ’n’ Roll zu hören, wodurch die USA auch musikalisch im Haushalt der Riehener Familie Einzug hielten.

1974, als junger Student, überquerte Geri Stocker erstmals selber den Atlantik. Wochenlang reiste er durch die Staaten, sah das Land aus Greyhound-Bussen, lernte Leute kennen als Autostöppler. Es folgte eine Verbundenheit, die durch Familienferien mit seiner Frau und den Kindern vertieft wurde. «Mit der Zeit verdichteten sich die amerikanischen Bilder in meinem Kopf», sagt er. Und so reifte die Idee, Amerika auch hierzulande zu suchen, mit der Fotokamera in der Tasche.

Chalets und Chevrolets

«Ich bin ein Amateurfotograf», sagt Stocker, «und hatte das Glück, dass mir jemand den öffentlichen Fotokurs an der Schule für Gestaltung empfahl.»
Dort arbeitete er an seinen Skills und dort konkretisierte sich auch sein dokumentarisches Konzept: Aufzuzeigen, wo Amerika auf die Schweiz trifft. «Als ich das Projekt startete, vor rund 15 Jahren, da war Tabakwerbung noch erlaubt und man traf den Marlboro Man überall an», sagt Stocker. «Es sind oft Klischees, die den Weg in unseren Alltag fanden.» Diese reizten ihn besonders, wenn er sie in Kombination und Kontrast zu typisch Schweizerischem antraf: Der Cowboy im Schweizer Bahnhof, der Chevrolet vor einem Chalet.

Symbole für das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, für eine Sehnsucht, die sich uns durch unzählige Westernfilme oder Roadmovies eingebrannt hat. Einflüsse wie Google und Co., die unseren Alltag heute prägen, mag man in diesem Bildband vergebens suchen, aber diese hätten visuell auch nicht so viel hergegeben, wie Stocker plausibel erklärt.

Gegensätze ziehen sich an

Oft spielte ihm bei der Motivsuche der Zufall in die Hände – etwa 2008, als Fasnächtler in Kleinlützel den Hollywood-Schriftzug auf einen Fels drapierten. Oder als er am «Internationalen Singer-Songwriter Festival Frutigen» einen Sattelschlepper von Miller Bier erblickte und vor der Kulisse des Berner Oberlands festhielt. Das war 2001 und markierte den eigentlichen Anfang seiner Sujetsuche.

Vier Jahre später, 2005, machte sich Geri Stocker auf, um erstmals die Gegenpole aufzuspüren und abzulichten: Schweizerisches in den USA. Dies mit der Absicht, diese Eindrücke jenen aus der Schweiz gegenüberzustellen.

Zu diesem Zweck cruiste er durch den Osten und den Mittleren Westen, von Washington DC bis Kansas und auf einer südlicheren Route zurück durch die Appalachen. Es folgten drei weitere Trips, für die er recherchierte. Wo liessen sich einst Schweizer Abenteurer nieder, wo stösst man auf Siedlungsorte? «Es gibt viele Bernes, Lucernes – und dann gibt es auch New Glarus, den bekanntesten Schweizer Ort in den Staaten», erzählt Stocker. Über 100 Glarner, quasi Wirtschaftsflüchtlinge, liessen sich 1845 in Wisconsin nieder.

In solchen Ortschaften spürte er die Bezugspunkte zur Schweiz auf, seien es Motelnamen, Wappentiere wie den Berner Bär, Statuen von Wilhelm Tell oder Malereien der Alpen. Wie viele Kilometer und Meilen in diesem Projekt stecken, kann Stocker nicht mehr rekonstruieren. Aber wer die Kopfreise durch seinen schönen, sorgfältig arrangierten Band antritt, erkennt: Es hat sich gelohnt.

Geri Stocker «Swiss America - Amerikanische Schweiz», mit einem Vorwort von Bänz Friedli. 180 Seiten, Mondberg Verlag, Blauen. Vernissage: 10. November, 19.30 Uhr, Buchhandlung Bider & Tanner, Basel.