Basel

Will die BLT den Margarethenstich durch die Hintertür realisieren?

Hier könnten künftig die Trams nach oben abzweigen. Falls er denn kommt, der Margarethenstich.

Hier könnten künftig die Trams nach oben abzweigen. Falls er denn kommt, der Margarethenstich.

Die BLT bereite sich auf das abgelehnte Schienenstück vor, lautet der Vorwurf – na klar, sagt das Unternehmen.

Roger Moll ist nicht erfreut über die Bauarbeiten am Dorenbach in Binningen. Der Verdacht des Alt-Landrats: Die Baselland Transport AG (BLT) will ein Schienenprojekt, das vom Volk abgelehnt worden ist, durch die Hintertür realisieren. Mittels Salamitaktik. So, dass es niemand merkt.

Tatsächlich baut die BLT derzeit die Haltestelle Dorenbach um. Die Wartehäuschen werden nach Süden verschoben, also gegen Binningen, und die Haltekanten erhöht. So, wie es das Behinderten-Gleichstellungsgesetz vorschreibt.

Moll glaubt, dass die BLT die Haltestelle auch für den Margarethenstich einrichtet, die mögliche Gleiserbindung vom Dorenbach hoch zum Basler Gundeldingerquartier. Die Baselbieter Stimmbevölkerung lehnte den 365 Meter langen Abschnitt 2017 wuchtig ab. An vorderster Front bekämpfte Moll das Projekt. Er präsidierte das Komitee «Margarethenstich Nein».

Für Wessels ist Projekt «nicht einfach gestorben»

«Selbstverständlich wurde das Projekt so ausgelegt, dass ein möglicher Margarethenstich – falls er denn jemals kommt – auch mit der neu gestalteten Haltestelle kompatibel wäre», sagt Fredi Schödler, Leiter Betrieb und Technik bei der BLT. Es handle sich um einen Abschnitt von rund 300 Metern Länge. Die Haltestellenkanten würden auf 27 Zentimeter erhöht, Rollstühle könnten künftig stufenlos in die Trams einfahren.

Insgesamt koste die Neugestaltung 2,3 Millionen Franken, abgeschlossen sein wird sie bis Ende Jahr. «Wir erneuern neben dem Trassee und den Tramhäuschen auch das Schienentrassee und die Fahrleitungsmasten», sagt Schödler. «Eine Weiche oder etwas Ähnliches bauen wir jedoch keine ein.»

Roger Moll sagt, falls Vorarbeiten für den Margarethenstich gemacht würden, müsste das publiziert werden. Ansonsten missachte man den Volkswillen. «Das ganze Leimental mit Ausnahme von Burg hat das Projekt klar abgelehnt, Binningen als Standortgemeinde sogar mit fast 72 Prozent Nein-Stimmen. Es gibt schlicht kein Bedürfnis für eine Direktverbindung vom Leimental an den Bahnhof SBB.»

Kantone dürfen sich bis 2029 Zeit lassen

Moll ist auch ein Dorn im Auge, dass man in Basel-Stadt weiterhin fest mit dem Margarethenstich rechnet. Die Schieneninfrastruktur käme zu neunzig Prozent auf Basler Boden zu liegen. Als partnerschaftliches Projekt hätte jedoch Baselland die Hälfte der 15 Millionen Franken, welche den beiden Basel in Rechnung gestellt worden wären, übernommen. Tatsächlich ist das Schienenstück im neuen Netzplan zur Entwicklung des Basler Tramnetzes wieder aufgetaucht - unter neuem Namen: «Direktanbindung Leimental–Bahnhof SBB-West». Vorgesehen ist, das Leimental via Bahnhof und Wettsteinbrücke mit dem Messeplatz zu verknüpfen.

Der Basler Bau- und Verkehrsdirektor Hans-Peter Wessels sagte im Januar zu den Medien, diese Achse sei «wegen des damaligen Abstimmungsergebnisses nicht einfach gestorben». BLT-Direktor Andreas Büttiker ergänzte, es sei wichtig, das Trassee als Option offen zu halten. Sabine Pegoraro jedoch, damals Baselbieter Baudirektorin, lehnte das Ansinnen, den Margarethenstich über die Hintertüre zu bauen ab. Das hätte geheissen: Basel-Stadt plant und verlegt die Schienen einfach in Eigenregie und übernimmt den Baselbieter Kostenanteil. Pegoraro gab im Januar zu Bedenken: «Das wäre eine Missachtung des Volkswillens.»

Roger Moll sagt, er habe Binningen einen Brief geschrieben, in dem er vom Gemeinderat Auskunft verlangt über die Bauarbeiten. Die Antwort stehe noch aus. Moll behält sich auch vor, das Nein-Komitee zu reaktivieren.

«Zukunft Tram»

Pressant hat es Basel-Stadt aber nicht. Der Bund hat im Juni den Margarethenstich-Abschnitt genehmigt. Die Baubewilligung erteilt das Bundesamt für Verkehr unabhängig von der Finanzierung eines Projekts nach dessen sachlicher Prüfung, meldete damals die Nachrichtenagentur SDA.

Ein Sprecher des Basler Bau- und Verkehrsdepartements sagte zur Nachrichtenagentur, das grüne Licht aus Bern löse vorerst keine Aktivität aus. Die Genehmigung sei zehn Jahre gültig. Das Baugesuch sei nach dem Volks-Nein 2017 nicht zurückgezogen worden, weil ein erneutes Einreichen umständlicher und teurer wäre. Insgesamt hätte der Margarethenstich 21 Millionen gekostet.

Roger Moll sagt, er werde am 5. August die Basler Verantwortlichen direkt fragen, wie ernst es ihnen sei mit einem neuen Anlauf für den Margarethenstich. An jenem Tag lädt die FDP Basel-Stadt zu einer Podiumsdiskussion im Wettsteinhof. Das Thema der Veranstaltung: «Zukunft Tram». In der Einladung heisst es: «Dabei erfahren wir aus erster Hand von Regierungsrat Hans-Peter Wessels, welche neuen Tramstrecken im Kleinbasel geplant sind.»

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