Asylzentren
Winterschlaf für die Flüchtlingsunterkünfte: So verteilen sich Asylsuchende über die beiden Basel

Die Unterbringung von Asylsuchenden bewegt nicht nur politisch die Gemüter, sondern ist ganz allgemein starken Schwankungen ausgesetzt. Dennoch ist die Lage in der Region Basel momentan so entspannt, dass Asylzentren geschlossen werden müssen.

Yannette Meshesha
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Empfangs- und Verfahrenszentrum Bässlergut Basel In direkter Nachbarschaft zum Gefängnis Bässlergut (im Bild) befindet sich das Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) Basel. Hier werden Asylsuchende in Empfang genommen. Sie müssen sich mit ihren Personalien registrieren lassen, ein Passfoto aufnehmen, ihre Fingerabdrücke geben und füllen einen Fragebogen zu ihrer persönlichen Gesundheit aus. Wenn nötig erfolgen weitere medizinische Massnahmen. Rund 400 Personen können hier untergebracht werden. Die maximale Aufenthaltsdauer für Asylsuchende beträgt 90 Tage. Meist wird das erstinstanzliche Asylverfahren hier abgeschlossen. Gegebenenfalls wird die Wegweisung durchgeführt. Mit allen angrenzenden Ländern besteht ein Rücknahmeabkommen.
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Aussenstelle EVZ Atlas Allschwil In Allschwil befindet sich die fix eingerichtete Aussenstelle Atlas, welche dem EVZ Basel zur Entlastung dient. Es ist eine blosse Erweiterung der Unterkunftskapazität. Verfahrensschritte werden hier nicht durchgeführt. 120 Plätze bietet die Unterkunft. Bis vor Kurzem wurden weitere Asylsuchende in einer Zivilschutzanlage in Allschwil untergebracht. Aus mangelndem Bedarf wurde die Anlage bis auf Weiteres geschlossen. Die Führung und Beschäftigung der Bewohner wird von der ORS Service AG durchgeführt, die sich auf die Betreuung von Asylsuchenden spezialisiert hat und im ganzen Kanton Gemeinden im Asylwesen unterstützt.
Asylzentren in den beiden Basel

Empfangs- und Verfahrenszentrum Bässlergut Basel In direkter Nachbarschaft zum Gefängnis Bässlergut (im Bild) befindet sich das Empfangs- und Verfahrenszentrum (EVZ) Basel. Hier werden Asylsuchende in Empfang genommen. Sie müssen sich mit ihren Personalien registrieren lassen, ein Passfoto aufnehmen, ihre Fingerabdrücke geben und füllen einen Fragebogen zu ihrer persönlichen Gesundheit aus. Wenn nötig erfolgen weitere medizinische Massnahmen. Rund 400 Personen können hier untergebracht werden. Die maximale Aufenthaltsdauer für Asylsuchende beträgt 90 Tage. Meist wird das erstinstanzliche Asylverfahren hier abgeschlossen. Gegebenenfalls wird die Wegweisung durchgeführt. Mit allen angrenzenden Ländern besteht ein Rücknahmeabkommen.

Kenneth Nars

Der Rückgang der Zuwanderung von Asylsuchenden in die Schweiz hat in der Region Basel die Schliessung mehrerer Asylzentren zur Folge. Das erleichtert Bund, Kantonen und Gemeinden die Handhabung des Asylwesens. Rolf Rossi, Asylkoordinator des Kantons Baselland, sagt: «In den vergangenen 6 bis 12 Monaten gab es keine grossen Probleme zwischen Asylsuchenden und Bevölkerung.

Die anfänglichen Befürchtungen bei der Einrichtung eines Asylzentrums sind ganz normal, bestätigten sich aber bisher nicht.» Genauso tönt es aus der Stadt. Die Basler Asylkoordinatorin Renata Gäumann bestätigt: «Die Situation ist derzeit ruhig.»

Keinerlei Beschwerden

Seit bald drei Monaten ist das Bundesasylzentrum (BAZ) auf dem Feldreben-Areal in Muttenz in Betrieb. Bis zur Eröffnung im vergangenen November gab es noch Befürchtungen über Ruhe und Sicherheit in der Umgebung. Doch bisher scheint alles ruhig und friedlich. Kathrin Schweizer, Vizepräsidentin der Gemeinde Muttenz und treibende Kraft der Begleitgruppe des BAZ Feldreben, ist mit dem bisherigen Verlauf zufrieden: «Es läuft wirklich sehr gut in Muttenz.

Dass die Auslastung im BAZ deutlich unter der Kapazität liegt, macht alles einfacher.» Obwohl das BAZ eine Kapazität von 500 – notfalls sogar 900 – Plätzen aufweist, wohnen aktuell nur rund 100 Personen dort. Auch die Hotline für Anwohner wird nur wenig benutzt. Schweizer erklärt: «Meist wollen die Anrufer Auskünfte über die Organisation oder sie fragen, wie sie Kleider spenden können. Beschwerden gab es bisher keine. Aber die Anwohner sind froh, dass es diese Möglichkeit gibt.»

Auch in Basel bleiben gemäss Renata Gäumann Probleme aus. «Wir haben aktuell keine Reklamationen oder ungelösten Konflikte.» Sie erklärt die ruhige Lage unter anderem mit der Jahreszeit: «Die einzige momentan offene Fluchtroute nach Europa und in die Schweiz geht über das Mittelmeer und da erschwert die Witterung im Winter deutlich die Überfahrt.» Die Sozialhilfe Basel-Stadt betreut zurzeit rund 1500 Personen aus dem Asylbereich, von denen 320 noch auf die Bewilligung ihres Asylgesuchs warten. In Baselland werden zurzeit rund 1800 Flüchtlinge betreut (siehe Karte).

Prognosen für 2017

Die Asylstatistik vom Staatssekretariat für Migration (SEM) bestätigt einen Rückgang der Asylgesuche in der Schweiz. Im Januar 2017 wurden über 56 Prozent weniger Asylgesuche verzeichnet als zur gleichen Zeit im Vorjahr. Für 2017 rechnet das SEM mit rund 24 500 neuen Gesuchen in der Schweiz. 2015 waren es knapp 40 000, 2016 aber bereits nur noch 27 000.

Dieser Rückgang sei «in erster Linie auf die weitgehende Schliessung der Balkanroute im März 2016 zurückzuführen», wie auf der Website nachzulesen ist. Zu den Prognosen für 2017 wird ausgeführt: «Bestimmend ist zudem, ob das Flüchtlingsabkommen zwischen der Europäischen Union und der Türkei Bestand hat.» Sollte das Abkommen ausser Kraft treten, könnten die Zahlen wieder steigen.

In der Asylkoordination ist man auf verschiedene Szenarien vorbereitet. «Prognosen über Zuwanderungsströme sind sehr schwierig zu machen, da die Flüchtlingsströme fragil sind und von diversen Faktoren beeinflusst werden», sagt Rossi. Aus diesem Grund sei Flexibilität in der Belegung der Unterkunftsplätze entscheidend, um bei Zuwanderungsschwankungen sofort handeln zu können.

«Aus Kostengründen möchte man leerstehende Zentren vermeiden. Trotzdem ist eine gewisse Reserve wichtig. Man kann auch die Zusammensetzung der Ankömmlinge nicht vorhersehen. Mit Platzreserven kann beispielsweise vermieden werden, dass ankommende Familien aufgeteilt werden müssen.» Der Kanton Baselland muss 3,7 Prozent der Asylsuchenden aufnehmen. «Das sind gemäss aktueller Schätzung des Bundes dieses Jahr 1000 bis 1100 Personen.

Dank den Bundesasylzentren in Muttenz und Allschwil werden Kanton und Gemeinden vom Bund entlastet, sodass tatsächlich nur etwa 500 Personen untergebracht werden müssen», erklärt Rossi. «Die Gemeinden und der Kanton sind gut vorbereitet. So können wir agieren, nicht reagieren und das ist wünschenswert.»

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