Energiemarkt
Wir Kleinverbraucher profitieren nicht von tiefen Strompreisen

Tiefe Strompreise reissen bei den grossen Stromproduzenten Löcher in die Kassen. Darum profitieren die privaten Stromkonsumenten kaum davon - im Gegensatz zu den Grossabnehmern.

Stefan Schuppli
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Der Strommarktpreis ist um ganze 40 Prozent gesunken - Der Kleinverbraucher merkt davon jedoch nichts. (Symbolbild)

Der Strommarktpreis ist um ganze 40 Prozent gesunken - Der Kleinverbraucher merkt davon jedoch nichts. (Symbolbild)

KEYSTONE/SIGI TISCHLER

In den vergangenen fünf Jahren haben die Strompreise für Kleinkunden bei den regionalen Stromversorgern Industrielle Werke Basel (IWB) und Elektra Birseck Münchenstein (EBM) im Schnitt um zwei bis drei Prozent angezogen, bei der Elektra Baselland (EBL) blieben sie in etwa stabil.

Die Marktpreise jedoch brachen regelrecht ein – mit ein Grund, warum der Stromriese Alpiq ins Wanken geraten ist. In diesen fünf Jahren ist gemäss einer Statistik des Bundesamts für Energie der Strommarktpreis von rund 7,1 Rappen pro Kilowattstunde (kWh) auf 4,2 Rappen gefallen – also ein Minus von satten 40 Prozent. Die Gründe für diese Preissenkungen sind vielfältig: so ein allgemein sinkendes Preisniveau für Öl und Gas, neue Energiequellen wie Wind und Sonne oder die Quersubventionierung der Energie durch Netznutzungsgebühren.

Die Gründe

Für dieses Auseinanderklaffen gibt es mehrere Gründe. Der eigentliche Energiepreis im Stromtarif beträgt nur rund ein Drittel. Ein weiteres Drittel sind Netznutzung und Abgaben. Die IWB beziehen Strom beispielsweise fast nur aus eigenen Kraftwerken oder von solchen, an denen sie beteiligt sind. Diese Gestehungskosten sind darum praktisch fix. Über den freien Markt beziehen die IWB sozusagen nichts. Ähnliches gilt für EBM und EBL, die 60 Prozent des Stroms von Alpiq im Rahmen eines langfristigen Liefervertrages beziehen. Einen weiteren Teil liefern die beiden Flusskraftwerke in Birsfelden und Augst. Auch hier bietet sich kein grosser Spielraum für Preissenkungen.

Die grossen Profiteure der tiefen Preise sind die Grossabnehmer. In der Schweiz dürfen sich Grosskunden ab 100'000 kWh pro Jahr (Durchschnittshaushalt: 4500 kWh) ihren Lieferanten selber wählen – und diese Abnehmer haben bei ihren Verhandlungen den Marktpreis im Hinterkopf. In Deutschland ist der kWh-Preis sogar noch tiefer – nämlich bei rund 2,2 Cents pro kWh. Das bringt den Markt an den Rand. «Mit drei Rappen pro kWh kann man kein Kraftwerk mehr kostendeckend betreiben», sagt der Energiespezialist Rudolf Rechsteiner. «Der Markt ist extrem kompetitiv.»

Grosse kommen und gehen

Tatsächlich verlieren die IWB hie und da Grosskunden, bestätigt die Medienstelle. Aber gleichzeitig gewinne man wieder neue, beispielsweise solche, die Strom ausschliesslich aus erneuerbaren Energiequellen haben wollen. Dafür würde auch mehr bezahlt. Die IWB nennen aber keine Zahlen, wie ihre konkrete Bilanz im Grosskundengeschäft aussieht.

«Tut zu wenig weh»

Unter Druck stehen die Stromlieferanten also nur im Bereich der Grossbezüger. Die Privathaushalte können vorerst ihren Anbieter nicht auswählen. Ob das eine grosse Rolle spielt? «Den Konsumenten tut der Strompreis zu wenig weh», ist die erstaunliche Antwort von Heinz Beer, dem Strommarkt-Spezialisten beim Konsumentenforum. Die Aufschläge, die sich im Bereich von wenigen Franken pro Monat bewegen, fallen kaum ins Gewicht.