Rega-Basis
«Wir sind um jede Nacht dankbar, in der wir genug Schlaf kriegen»

Die «Rega 2» ist von den Einsatzzeiten her die grösste Basis der Schweiz. Von keiner Rega-Basis starten so viele Einsätze wie von jener in Basel. Rund 1100 Einsätze werden pro Jahr durchgeführt - das sind etwa drei pro Tag.

Moritz Kaufmann
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Reportage aus der Rega Basis am Euroairport Basel Mulhouse
17 Bilder
Ärztin Susan Höhn übt mit bz-Redaktor Moritz Kaufmann.
Pilot Markus Braun mit Einsatzhelikopter Eurocopter EC 145.
Parametic Stephan Fricker demonstriert die Seilwinde.
Spinde für die Ausrüstung.
Markus Braun (Pilot) im Briefingraum.
Pilot Markus Braun beim Briefing an der Karte.
Beim Windentraining erfährt bz-Redaktor Moritz Kaufmann am eigenen Leib, wie die Rega arbeitet.
Den Kran bedient Paramedic Stephan Fricker.
Weitere Übungen beim Windentraining mit bz-Redaktor Moritz Kaufmann.
Pilot Markus Braun mit Einsatzhelikopter Eurocopter EC 145.
Im gesicherten Zustand. Moritz Kaufmann und Susan Höhn beim Training.
Hier kommt der Patient rein. Stephan Fricker und Markus Braun mit Trage.
Paramedic Stephan Fricker und Ärztin Susan Höhn vor dem Einsatzhelikopter.
Ärztin Susan Höhn checkt die Medikamententasche.
Morgenbriefing beim Frühstück.
Mit Karten und Massstab wird die Flugzeit an den Einsatzort bestimmt.

Reportage aus der Rega Basis am Euroairport Basel Mulhouse

Zur Verfügung gestellt

Wenn ein Alarm eingeht, bleibt alles liegen. «Autounfall Richtung Delémont, Details in der Luft», meldet die Zentrale in Zürich. Der Helikopter steht bereit. Pilot, Notärztin und Rettungssanitäter auch. Nur wenige Minuten dauert es, bis sie in der Luft sind. Wohin genau sie müssen, wer das Opfer ist, wie schwer es verletzt ist, wo sie landen können, wissen sie zu dem Zeitpunkt noch nicht.

Das ist der Alltag auf der Basler Rega-Basis am Euro-Airport. Insgesamt vier Rettungssanitäter, vier Notärzte und drei Piloten sorgen für einen 24-Stunden-7-Tage-Betrieb. Sie sind in Dreier-Teams organisiert, und ihre Schichten dauern 24 oder 48 Stunden. In dieser Zeit wohnen sie quasi in einer WG beim Rega-Hangar ganz im Norden des Euro-Airports, weit weg von den Passagierterminals. Als die bz eintrifft, ist gerade Schichtwechsel – am Zmorgetisch. Bei Nutella, Brot und Kaffee frühstücken altes und neues Team. Jean-Jaques Erne, Rettungssanitäter und Basisleiter, hat eine ruhige Nacht hinter sich: «Wir sind um jede Nacht dankbar, in der wir genug Schlaf kriegen.»

Grösste Basis der Schweiz

«Rega 2» ist die grösste Basis der Schweiz, zumindest von den Einsatzzeiten her. Von keiner anderen der insgesamt 13 Helikopter-Basen starten so viele Einsätze mit so vielen Flugstunden. Keine andere Basis ist für ein so grosses Einsatzgebiet zuständig. Rund 1100 Einsätze pro Jahr werden durchgeführt, das sind etwa drei pro Tag. Der Grund: «Rega 2» bedient nicht nur die Schweiz, sondern auch Süddeutschland. Weil viele deutsche Rettungshelikopter nicht für Nachtflüge ausgestattet sind, kommen häufig die hochmodernen Schweizer Maschinen zum Einsatz. 2013 flog die Crew 77 Prozent ihrer Einsätze in Deutschland.

Grundsätzlich fliegt die Basler Rega in die ganze Schweiz. Wenn beispielsweise die Kollegen in Bern unterwegs sind, ist ein Einsatz in den Berner Voralpen möglich. Wenn dann wiederum in Basel etwas passiert, kommt der Helikopter aus Zürich. «Mein längster Flug war nach Salzburg», erinnert sich Pilot Markus Braun. Ein Wanderer hatte sich verletzt und wurde ins Unispital nach Basel zurückgeholt, der Flug allein dauerte zwei Stunden. Ein durchschnittlicher Einsatz hat eine Dauer von 45 Minuten bis einer Stunde.

Psychohygiene beim Zmorge

Beim Frühstück wird ein intensives Briefing durchgeführt. Maschine, Material, Wetter, Einsätze, alles wird besprochen. Wichtig auch: Crew und Mensch. Die Mannschaft versorgt sich auf der Basis quasi selber. Wer kocht? Wer putzt den Hangar, wer die Küche? Die ausgeprägte Team-Kultur ist aber auch für die Psychohygiene wichtig. Der Job kann selbst für Profis sehr belastend sein. «Einsätze mit Kindern sind besonders schwierig», meint Ärztin Susan Höhn. Auch solche Sachen werden besprochen. «So brauchen wir keinen Psychologen», fügt Rettungssanitäter Stephan Fricker an.

Zur Verfügung steht ein topmoderner Eurocopter. Voll eingerichtet kostet der Rettungshelikopter 10 Millionen Franken. Abheben muss die Crew wegen der unterschiedlichsten Vorfälle. Es kann sein, dass sich ein «Patient» im Jura verklettert hat und nicht mehr runterkommt, aber unverletzt ist. Es kann aber auch sein, dass ein Mensch in Lebensgefahr schwebt und sofort ins Spital muss. «Wir haben eine kleine Intensivstation im Helikopter», sagt Ärztin Höhn. Je nach Verletzung werden die Patienten zu den nächstgelegenen Spezialisten geflogen. Das kann schon mal in Deutschland sein. «Bei Verbrennungen fliegen wir nach Neustadt, weil sie dort darauf spezialisiert sind», sagt Pilot Markus Braun. Basisleiter Jean-Jacques Erne betont: «Die triregionale Zusammenarbeit funktioniert sehr gut.» Dass der binationale Euro-Airport rein französisch werden soll, kann man sich auf der Rega-Basis nicht vorstellen.

Wald statt Eigernordwand

«Spricht man von der Rega, hat man die Eigernordwand vor sich», sagt Pilot Markus Braun, «dabei ist eine Winden-Rettung im Wald oft viel schwieriger». Eine Rettung mit der Winde ist wohl das klassische Bild, das man von der Rega hat: Der rote Heli in der Luft seilt den Arzt an einem Drahtseil ab, der wiederum einen verunglückten Bergsteiger aus einem Felsen rettet. Im Gebirge komme das tatsächlich häufiger vor.

Die Basler Einsatzcrews benutzen die Winde jedoch nur etwa einmal pro Monat. Deshalb führen die Teams regelmässig Trockenübungen durch. Im Hangar gibt es die entsprechende Infrastruktur. Der Journalist muss kurzerhand als Opfer herhalten. Ich werde in ein Netz gelegt, das die Ärztin im Rucksack trägt. Mit ein paar Handgriffen werden die Schlaufen am herunterhängenden Karabiner vertäut. Die Ärztin funkt zum Rettungssanitäter. Der zieht uns hoch. Ich hebe ab, und obwohl ich weder verletzt bin, noch an einem echten Helikopter hänge, fühle ich irgendwie die tiefe Erleichterung des Gerettetwerdens.