Blumen, so weit das Auge reicht. So präsentiert sich das Blumenfeld des Mathis-Hofs beim Wasserturm derzeit. Übers Jahr verteilt wachsen hier, unmittelbar an der Kantonsgrenze von Basel-Stadt und Baselland, 300 verschiedene Sorten. Aus ihnen können die Kunden eigene Sträusse zusammenstellen. Die Bezahlung ist Vertrauenssache, die einzelnen Blumen kosten zwischen 50 Rappen und einigen Franken. Bisher haben die Kunden das Geld in ein Kässeli getan; Wechselgeld war keines vorhanden. Wer kein Bargeld oder nur grosse Noten dabei hatte, konnte möglicherweise nicht bezahlen. Zudem gab es immer wieder Versuche, die Kasse zu leeren, wie Bauer Samuel Mathis erzählt.

Seit diesem Frühling ist alles anders. Dank einer Kooperation mit dem Handybezahldienst Twint können die Blumen nun auch per Smartphone bezahlt werden. Mathis sagt: «Twint ist die ideale Lösung, weil es bargeldloses Bezahlen selbst ohne Stromanschluss möglich macht.» Von den Einnahmen müsse er 1,3 Prozent abgeben. «Das lohnt sich für uns trotzdem, weil wir viel Zeit verlieren mit all dem Münz und auch die Geldzählmaschinen bei den Banken kosten etwas.»

Dass bereits erste Twint-Zahlungen eingegangen sind, stimmt Mathis positiv. «Natürlich sind die Umsätze im Vergleich zum Münz-Kässeli noch gering, unter zehn Prozent, aber die Rückmeldungen von den Kunden sind gut und die Akzeptanz wird sicher noch zunehmen», sagt der Bauer.

Fortschrittliche Bauern...

Der Betrieb auf dem Bruderholz ist nicht der einzige in der Region, der mit Handy-Bezahlapps experimentiert. Twint-Sprecher Victor Schmid sagt: «Aktuell bieten fünf Hofläden in der Region Basel Twint als Zahlungsmöglichkeit an, im Kanton Aargau sind es bereits 50.» Die hohe Zahl Aargauer Betriebe hat mit einem Pilotprojekt des Bauernverbands zu tun. Andrea Oldani sagt: «Wir haben im vergangenen Jahr den Einsatz von Twint auf Aargauer Hofläden getestet und analysiert. Das Ergebnis war sehr erfreulich, sodass wir das Angebot diesen Frühling auf die ganze Schweiz ausgedehnt haben.»

...und skeptische Städter

Nebst Blumenfeldern zum Selberpflücken nennt Oldani unbediente Hofläden als idealen Einsatzort. Weil auch dort kein Wechselgeld zur Verfügung stehe. Während die Bauern vorwärtsmachen, scheint die Zeit in der Stadt stehengeblieben zu sein. An Märkten werden an den wenigsten Ständen Karten akzeptiert, geschweige denn Bezahlung per Smartphone. Manuel Staub, Leiter Messen und Märkte Basel-Stadt, sagt: «Bargeldloses Bezahlen ist bei uns derzeit kein Thema. Es ist den einzelnen Anbietern überlassen, welche Zahlungsformen sie akzeptieren. Auch in Bezug auf die grösseren Anlässe wie Herbstmesse und Weihnachtsmarkt ist nicht geplant, zeitnah und flächendeckend bargeldloses Bezahlen einzuführen.»

Richtig skeptisch gegenüber Kartengeld ist Miron Landreau von der Kleinbasler Bar «Flore». Er sagt: «Ich bin generell gegen Digitalisierung und Automatisierung. Deshalb kann man bei uns nur mit Bargeld bezahlen. Das wird auch so bleiben, selbst wenn immer mehr Gäste erstaunt sind darüber und häufiger danach gefragt wird.»