Herzliche Gratulation zum Basler Pop-Preis. Nach fünf Nominationen durften Sie ihn auch mal nach Hause nehmen. Wie war das?

James Gruntz: Ich freue mich enorm. Aber ich muss auch sagen: Ich hatte dieses Jahr wirklich keine Erwartungen. Im Vergleich zu anderen Jahren hätte ich es voll easy gefunden, wenn jemand anders den Preis bekommen hätte. Deshalb habe ich es in dem Moment auch nicht wirklich gecheckt.

Und jetzt, ein paar Tage später?

Immer mehr. Es freut mich vor allem, weil ich in der Basler Szene nicht mehr so aktiv bin wie auch schon. Deshalb sehe ich das als Zeichen, dass ich auch irgendwie noch ein Teil davon bin.

Auf der Bühne am Mittwoch haben Sie von Bern- auf Baseldeutsch gewechselt. Und Sie wohnen jetzt in Zürich. Wie steht es um die Basler Wurzeln?

Die sind unauslöschbar. Meine Eltern sind ja beide Basler. Ich bin halt in Bern geboren und in Biel aufgewachsen. Im Kindergarten habe ich gemerkt, dass ich mich anders ausdrücken muss, um verstanden zu werden. Mein Berndeutsch ist sicher reiner als mein Baseldeutsch. Ich kenne auch die Basler Slang-Ausdrücke nicht so, wie zum Beispiel «Tschöss». Aber Baseldeutsch ist die Muttersprache, und das wird auch so bleiben.

Als Sie 16 waren, zügelte Ihre Familie nach Basel.

Ja, in Basel hat dann sozusagen meine «öffentliche Laufbahn» begonnen. In den Anfängen wurde ich auch stark von der Basler Szene geprägt.

Inwiefern?

Sie ist relativ gross und auch relativ speziell. Sie ist sehr britisch-, sehr Rock-orientiert. Basel ist mehr als andere Orte kritisch gegenüber allem, was mit kommerzieller Ausrichtung zu tun hat. Das war auch inspirierend und hat mich gepusht. Von den Musikern in meinem Alter war ich wirklich der «poppigste». Schliesslich habe ich so gelernt, ein bisschen mehr auf mich selbst zu hören und mich nicht zu sehr am Markt zu orientieren.

Was ist denn «zu Hause» für Sie?

Ich kann jetzt nicht wirklich sagen, wo ich in der Schweiz zu Hause bin. Vor meinem letzten Album hatte ich ein Jahr frei und hatte ein bisschen Geld auf der Seite. Ich wusste: In Berlin komme ich weit damit. Aber ich fand: Nein, es kann nicht sein, dass ich nach Berlin muss, um ein geiles Album zu machen. Das muss doch hier auch möglich sein. Mit «hier» meine ich weder Basel noch Bern noch Zürich, sondern einfach die Schweiz.

Spüren Sie denn in der Schweiz unterschiedliche Mentalitäten?

Sicher ein bisschen und gleichzeitig auch nicht. Irgendwie kommen ja alle von überall. In meiner Band spielen zwei Bieler, die seit Jahren in Zürich wohnen. Aber man merkt: Basel ist ein wenig alternativer, während es in Zürich einfach viel mehr hat. In Zürich funktionieren Dinge, die eigentlich nicht funktionieren, öfters.

Warum?

Es gibt zum Beispiel so viele kleine Bars, in denen man auftreten kann. Früher wars umgekehrt, habe ich gehört. Da gab es in Zürich wenige, dafür in Basel mehr Möglichkeiten. Jetzt läuft in Zürich einfach mehr. In Biel ist es ja nochmals anders, da gibt es noch drei Konzertorte, dann ist fertig.

In Basel ist der Name Gruntz noch immer bekannt. Spüren Sie das?

Ich höre es immer wieder. Viele Leute kennen George Gruntz. Aber die Musik, die ich mache, geht so in eine andere Richtung, dass es für mich nicht wichtig ist. Es ist schön, wenn die Leute beides kennen. Aber ich habe nicht das Gefühl, dass ich irgendetwas beweisen müsste. Und bei Leuten in meinem Alter ist das sowieso etwas anderes.

Ihr Album «Belvedere» bekam hervorragende Kritiken. Ist Ihnen das wichtig?

Für mich am wichtigsten sind die Rückmeldungen aus meinem direkten Umfeld. Weil das Leute sind, die nicht etwas sagen und dann verschwinden. Die sehe ich dann auch in ein paar Jahren noch. Es ist natürlich schön, wenn die Publikums- und Kritikermeinungen positiv sind. Doch ich wills nicht allzu nahe an mich herankommen lassen.

Wie ist es eigentlich als Musiker in der Schweiz? Kommt man da gut durch?

Ich finde, als Musiker in der Schweiz kommt man recht gut durch. Ich weiss, man hört auch viel anderes. Aber die Kulturförderung ist sehr diversifiziert. Es werden auch Clubs unterstützt. Auch wird im Radio Schweizer Musik wohlwollend behandelt. Es ist keine geschützte Werkstatt, aber es wird einem in der Schweiz nicht unendlich schwer gemacht. Das finde ich auch gut so, denn man kann in der Schweiz – gerade, wenn man nicht voll auf der kommerziellen Schiene fährt – nicht alleine vom Publikum leben. Das geht einfach nicht.

Gerade bei Musikern wie Ihnen ist es doch schade, dass Sie nicht in England geboren worden sind. Wenn Sie da bekannt sind, sind Sie auf der ganzen Welt bekannt. Finden Sie das nicht auch manchmal?

(Lacht) Das habe ich mir noch nie so überlegt. Wie gesagt, so selbstständig, wie ich hier bin, und so, wie ich hier mein Ding durchziehen kann – ich weiss nicht, an wie vielen Orten das sonst möglich wäre. Ich bin wirklich zufrieden. Für mich wäre eher das Ziel, das Potenzial hier zu nutzen. Und vielleicht herauszufinden, was denn an der Musik von hier so anders ist. Dass ein Amerikaner kommt und sagt: «Krass, das ist also dieser Schweizer Sound. Geil.»

Was sind die nächsten Schritte in der Karriere von James Gruntz?

Jetzt kommen ein paar Soloshows, da spiele ich ganz ohne Band. Ich freue mich sehr drauf. Dann wollen wir sicher den Schritt ins Ausland wagen, vorerst wohl nach Deutschland. Das wird dann wohl – keine Ahnung – ein Risiko und auch ein Abenteuer.

Am 10. Januar ist Ihr Konzert in der Kuppel in Basel. Alleine oder mit der Band?

Mit der Band. Hoffen wir auf ein volles Haus!