Eine «neutrale Anwohner-Gruppe» aus dem Quartier schlägt eine alternative Lösung für das Lysbüchel-Areal vor: Diese bewegt sich zwischen dem radikalen Vorschlag des Gewerbeverbands, der das Areal komplett dem Gewerbe und der Industrie überlassen will, und jenem von Regierung und Grossem Rat, der eine Mischnutzung mit mehr Wohnraum vorsieht. Über Letzteren stimmt die baselstädtische Bevölkerung am 25. November ab. «Wir sehen im Lysbüchel-Areal noch sehr viel mehr qualitatives Potenzial, als der Ratschlag der Regierung möglich machen würde», erklärt die ehemalige SP-Grossrätin Ruth Widmer.

Das zur Diskussion stehende Areal könne sowohl für das Gewerbe wie auch für die Bevölkerung noch besser genutzt werden. Dass dies überhaupt möglich wird, dafür müsse die Stimmbevölkerung den vorliegenden Vorschlag ablehnen. Sie plädieren für eine veränderte Zonierung des Areals. Dass sie damit das Referendum des Gewerbeverbandes unterstützen, sei ihnen bewusst, so Ruth Widmer. «Es braucht das Nein, dass alle nochmals Zeit haben, um eine bessere Qualität für dieses für Basel so wichtige Areal zu erreichen. Wir wollen keine Blockade, wir wollen eine Optimierung.» Die Anwohner-Gruppe, zu der auch alt CVP-Grossrat Marcel Rünzi gehört, sieht sich zwischen den beiden ihrer Meinung nach verhärteten Fronten.

Neue Industrie-Formen

Herzstück ihres am Donnerstag den Medien präsentierten Vorschlags ist der rund 15'000 Quadratmeter grosse Park im südlichen Teil des Areals. Hier plant die Gruppe Wohnfläche für gut 2000 Menschen. Diese Zahl entspricht in etwa dem Ratschlag der Regierung, der aber im Vergleich zum vorgeschlagenen Volta-Park weniger Frei- und Grünfläche vorsieht. Der Wohnraum für die 2000 Menschen soll «dank geschicktem Planen» auf kleinerer Fläche möglich werden, meint Daniel Palestrina, Geschäftsführer von «metrobasel Expo & Forum».

Die Mitte des Lysbüchel-Areals erachtet die Gruppe als ideal für stilles Gewerbe auch im Rahmen der hochmodernen Industrie 4.0. Diese soll auch als Trenngürtel zwischen Wohnraum und lärmintensiverem Gewerbe und Industrie im nördlichen Teil wirken. «Wir möchten deutlich mehr Arbeitsplätze als der Ratschlag der Regierung ermöglichen», sagt Palestrina. Die -Gruppe kommt so teilweise dem Gewerbeverband entgegen, obwohl sie dessen Pläne ablehnt.

Die laute Strasse durch das Areal möchte sie an einer Stelle um mehrere Meter nach Norden verschieben, um Raum fürs Wohnen zu gewinnen. Die Anwohner-Gruppe erachtet den Vorschlag der Regierung als «nicht fertig gedacht». Sie sprechen ihm gar die «qualitative Reife» ab. Mit dem neuen Vorschlag nimmt der Abstimmungskampf um das Lysbüchel-Areal eine neue Richtung.