Auf den ersten Blick würde man die beiden kaum derselben Gattung zuordnen. Auf der einen Seite Thorsten Fink: Fussballer von Welt, Anzug und Krawatte, dominant. Anders Heiko Vogel: Strassenkicker, grauer Schlabber-Pulli und Jeans, kumpelhaft.

Im Presseraum des FC Basel sass er gestern auf einem blauen Plastikstuhl inmitten der Journalistenschar, die Füsse überschlagen, die Beine ausgestreckt. Dazwischen eingeklemmt die Hände. Im Hinblick auf den morgigen Cup-Match gegen den FC Schötz irritiert dieses Bild noch nicht. Aber was ist am Dienstag gegen Benfica Lissabon, im Scheinwerferlicht der Champions League?

Doch dann folgende Sätze: «Ich glaube fest daran, dass Fach- und Sozialkompetenz, Eloquenz und Schlagfertigkeit einen in diesem Geschäft weiterbringen. Dazu muss ich kein Profifussballer gewesen sein. Ich bin selbstbewusst genug.» Vogel öffnet die Hände, unterstreicht die Worte gestenreich. Er sei zwar nicht so autoritär wie ein van Gaal, habe aber klare Vorstellungen. Diese decken sich grösstenteils mit jenen von Fink, doch «natürlich bringe ich meine eigene Persönlichkeit mit ein».

Eigentlich mehr Erfahrung als Fink

Diese Persönlichkeit scheint vor allem etwas zu sein: stark. Wen die bz auch fragte – beim FCB oder bei Vogels und Finks vorheriger Station FC Ingolstadt – niemand zweifelt auch nur im Geringsten daran, dass der bisherige Assistenztrainer auch für den Chefposten geeignet ist. «Ich habe in meinem Leben keine zehn Menschen getroffen, die sich so stark dem Fussball verschrieben haben wie Heiko Vogel.» Diese Worte hätten wenig Gewicht, kämen sie nicht aus dem Mund des deutschen Kultkickers Andreas «Zecke» Neuendorf. Der 36-Jährige spielte vor zwei Jahren unter Fink und Vogel bei Ingolstadt in der 2. Bundesliga.

Dabei sei Vogel schon dort weit mehr als ein Co-Trainer gewesen. «Ich würde das mit dem Duo Jürgen Klinsmann und Jogi Löw im deutschen Nationalteam 2006 vergleichen. Danach entpuppte sich Assistent Löw als hervorragender Cheftrainer», sagt Neuendorf, der anfügt, dass Vogel dank seiner vielen Jahre als Juniorentrainer beim FC Bayern München eigentlich sogar mehr Erfahrung habe als Fink.

Als «ehrgeizig, sehr intelligent und authentisch» beschreibt FCB-Sprecher Josef Zindel den 35-jährigen Deutschen. Seine kompetitive Ader lebt er auch abseits des Platzes aus: «Er liebt es, sich mit allen zu messen, sei es beim Quiz oder Schach. Nur beim Jassen schlägt er mich noch nicht», sagt Zindel. Nicht akzeptieren könne Vogel Ungerechtigkeiten, weiss etwa FCB-Sportkoordinator Georg Heitz. Dann werde der Rotschopf sehr impulsiv: «Am Spielfeldrand wird Vogel Fink nicht kopieren, aber sicher auch Dampf ablassen. Er hat viel Temperament.»

Dass wegen der Erfolge unter Fink nun auch auf Vogel hoher Druck lastet, weiss der neue Trainer. Von einer Bewährungszeit möchte er aber nicht sprechen: «Das kenne ich bloss aus Gefängnisfilmen.» Womit eine weitere Seite des Heiko Vogel deutlich wird: staubtrockener Humor.