Gastronomie

«Wirtepatent light» überzeugt alle

Der Grosse Rat winkt die Liberalisierung des Gastgewerbegesetzes durch.

Kompromissen haftet oft etwas Unbefriedigendes an. Keine Seite erreicht das, was sie will, sondern findet sich irgendwie auf einem Mittelweg, verzichtet auf gewisse Forderungen. Im Falle des Kompromisses zum basel-städtischen Wirtepatents scheinen aber tatsächlich alle Seiten glücklich zu sein. Am Mittwoch winkte der Grosse Rat die Revision des Gastgewerbegesetzes durch – und das bedeutet in aller Kürze: Wirten in Basel wird ab dem 1. Januar 2020 einfacher – und günstiger.

Am Anfang, also vor gut drei Jahren, stand ein Anzug von Thomas Gander. Der SP-Grossrat bat den Regierungsrat, die Abschaffung des Wirtepatents zu prüfen. Das aktuelle Gastgewerbegesetz hemme Innovation und sorge für einen Bürokratieschub. Wirtekurse seien teuer und in vielen Fällen, weil Berufserfahrung schon vorhanden, unnötig. Auf der anderen Seite stand der Wirteverband Basel-Stadt, der bei einer Abschaffung des Patents eine Jekami-Kultur und damit Qualitätseinbussen befürchtete.

Es fallen lästige und veraltete Hürden weg

Mit der gutgeheissenen Revision, dem von der Justiz-, Sicherheits- und Sportkommission ausgearbeiteten «Wirtepatent light», wird das Wirtepatent zwar nicht abgeschafft. Jedoch fallen lästige und veraltete Hürden weg. Etwa die altmodische Wohnsitzpflicht und die Anwesenheitspflicht für die Wirte. Letzteres bedeutet, dass eine Person mit einem Patent und demselben Unternehmen mehrere Betriebe führen kann. «Ich erachte das entschlackte Gesetz als sehr fortschrittlich. Die hiesige Gastroszene wird so belebt», sagt Thomas Gander. Und auch der Wirteverband ist laut einer Medienmitteilung mit der Lockerung zufrieden.

Eine wichtige Vereinfachung ist laut Gander auch die Tatsache, dass mit der Liberalisierung des Gesetzes die Pflicht wegfalle, Vorbereitungskurse zum Wirtepatent zu besuchen. «Die waren teuer. Nun kann eine interessierte Person auf ihr Risiko entscheiden, ob sie über die nötigen Kenntnisse für eine Prüfung verfügt.»

Gander spricht einen nicht unwesentlichen Punkt an: Diese Vorbereitungskurse gingen ins Geld, rund 3000 Franken betrugen die Kosten. Nun fallen diese weg, wenn sich jemand entscheidet, die Kurse nicht zu besuchen. Es steht nur noch die Gebühr für die Wirtefachprüfung an. Diese betrug bis anhin 300 Franken.

Ob die Gebühr gleich bleibt, ist laut dem Gastgewerbeinspektorat offen: «Die neue Prüfungsgebühr wird im Prüfungsreglement festgesetzt. Dieses ist noch vom Regierungsrat zu beschliessen.»

Autorin

Rahel Koerfgen

Rahel  Koerfgen

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