Der Wirteverband Basel-Stadt mit seinem umtriebigen Präsidenten Josef Schüpfer («Brötli-Bar») ist immer wieder für eine Überraschung gut. Im Vorfeld der diesjährigen Generalversammlung, die kürzlich in der «Safran Zunft» abgehalten wurde, hat sich die Verbandsspitze einmal mehr für ein ungewöhnliches Vorgehen entschieden.

Laut Informationen des «Sonntags» wurden den rund 500 Mitgliedern zusammen mit dem Jahresbericht auch Unterschriftenbögen für zwei Volksinitiativen der SVP versandt. Die Integrations-Initiative und die Burkaverbots-Initiative. Ungewöhnlich ist das Vorgehen deshalb, weil die beiden Vorstösse nicht zum Kerngeschäft des Verbands gehören.

Mustafa Atici: «Das Vorgehen des Verbands ist höchst problematisch»

Kein Wunder, hat der Versand in Wirtekreisen und in der Politszene für Verblüffung, aber auch für Verärgerung gesorgt. Der Tenor: Der Wirteverband solle keine Parteipolitik betreiben. Der Gastrounternehmer und SP-Grossrat Mustafa Atici sagt, er finde das Vorgehen des Verbands «höchst problematisch». Er habe gemeint, dass sich der Verband neutral verhalte.

«Viele Restaurantbesitzer und vor allem Mitarbeiter haben zudem einen Migrationshintergrund.» Selbst im Vorstand des Wirteverbands ist das Vorgehen umstritten. «Ich bin konsterniert und verärgert», sagt Raphael Wyniger vom «Teufelhof».

Er sei nicht informiert worden und deshalb überrascht. «Ich kann das Vorgehen nicht unterstützen, da es nicht meinem Verständnis von Verbandstätigkeit sowie der Haltung meines Hauses entspricht», sagt er. Wyniger kündigt an, dass er dies den Vorstandskollegen mitteilen werde und das Verhalten an der nächsten Vorstandssitzung zum Thema machen wolle. «Ich behalte mir weitere Massnahmen vor.»

Nicht das erste mal Unterstützung für die SVP

Maurus Ebneter, Sprecher des Wirteverbands, bestätigt den Versand der Unterschriftenbögen. «Es handelt sich um ein Gegengeschäft, weil die SVP uns bei der Nichtraucherschutz-Initiative im vergangenen Jahr ebenfalls mit Versand unterstützte», sagt er. Es ist nicht das erste Mal, dass die Spitze des Wirteverbands der SVP vor Wahlen und Abstimmungen hilft. Bereits bei den Nationalratswahlen 2011 hatte Schüpfer an einer Medienkonferenz für die Wiederwahl von Sebastian Frehner geworben.