Baselworld-Krise
Wirteverband-Ebneter kritisiert: «Betriebe sollten sich in ihrer Preispolitik mässigen»

Die Baselworld verliert die Hälfte ihrer Aussteller. Maurus Ebneter vom Wirteverband Basel-Stadt ist alarmiert über diese Entwicklung. Auch die Handelskammer beider Basel und Basel Tourismus machen sich Sorgen.

Andreas Möckli
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Wenn die Baselworld leidet, leidet auch der Wirteverband.

Wenn die Baselworld leidet, leidet auch der Wirteverband.

zvg

Im nächsten Jahr werden nur noch halb so viele Aussteller an die Uhren- und Schmuckmesse Baselworld kommen. Dies ist nicht nur für die Messebetreiberin MCH Group besorgniserregend, sondern auch für das Basler Gewerbe. «Die Entwicklung stimmt uns nachdenklich», sagt Maurus Ebneter, Vorstandsdelegierter des Wirteverbands Basel-Stadt.

«Wenn die Baselworld leidet, leiden wir mit.» Die Messe sei enorm wichtig für die Gastronomie, sagt Ebneter. «Für viele Restaurants ist sie der Höhepunkt im Jahr.» Gerade für Betriebe in der Innenstadt, aber auch für gehobene Speiselokale sei die Bedeutung der Baselworld enorm.

Trotz der deutlichen Verkleinerung sei die Baselworld nach wie vor die Leitmesse ihrer Branche, sagt Ebneter. Er ist zuversichtlich, dass dies auch in Zukunft so bleibt. «Wenn die Messe dauerhaft schrumpfen würde, wäre das sehr schlecht für Basel.» Er befürchtet, dass mit der geringen Zahl an Ausstellern eine Negativspirale in Gang gesetzt werden könnte. «Aber selbst wenn die Messe nun deutlich kleiner wird, ist sie immer noch ein wichtiger Anlass für uns.»

Ebneter versteht die Schrumpfung der Uhren- und Schmuckmesse als Weckruf für das Basler Gewerbe. Angesprochen seien neben den Restaurants und Hotels auch der Detailhandel und die Messe selbst. «Möglicherweise haben wir es uns in Basel über die Jahre zu gemütlich eingerichtet.» Deshalb müsse nun das Bewusstsein wieder geschärft werden, dass von allen Seiten mehr Anstrengungen gemacht werden müssen, um Grossanlässe wie die Baselworld in der Stadt zu halten. «Es ist nicht selbstverständlich, dass solche Messen in Basel stattfinden», sagt Ebneter weiter.

Es habe sicher einzelne Hotels und Restaurants gegeben, die preislich den Bogen etwas gar überspannt hätten. «Manche Akteure sollten sich in ihrer Preispolitik etwas mässigen. Wir müssen der Messe Sorge tragen, damit sie langfristig in Basel bleibt.»

Vor der Eröffnung durfte die Presse einen ersten Blick in die Baselworld werfen.
31 Bilder
Die Bilder entstanden einen Tag vor der offiziellen Eröffnung.
Der Stand von Casio.
Am Stand von Jaquet Droz wird an einem Zifferblatt gearbeitet.
An der Baselworld 2017 stellen 1300 Aussteller ihre Luxuswaren aus.
Das sind 200 weniger als im vergangenen Jahr.
Letzte Arbeiten bei Maurice Lacroix.
Erste Einblicke in die Baselworld 2017.
Der Stand von Tag Heuer mit der Tag Heuer Connected Modular 45.
Der Stand von Tag Heuer mit der Tag Heuer Connected Modular 45.
So sieht die Tag Heuer Connected Modular 45 aus. Baselworld Pressetag mit vielen Bildern Der Stand von TAG HEUER mit der TAG HEUER CONNECTED MODULAR 45
So sieht die Tag Heuer Connected Modular 45 aus.
Der Stand von Tissot
Bei Carl F. Bucherer werden die Modelle eingeräumt.
Der Stand von Tudor.
Der Stand von Rolex.
Der Rolex-Stand
Das Schaufenster bei Rolex lässt träumen.
Uhrenpionier Jean-Claude Biver im Dauerinterviewstress.
Der Stand von Omega.
Breitling präsentiert die Smartwatch Bentley Supersports B55
Der Stand von Frédérique Constant.
Eine Besucherin gönnt sich vor dem Stand von Chopard eine Pause.
Letzte Arbeiten bei Bell & Ross
Der Stand von Tudor
Der Stand von Raymond Weil wird noch fertig geputzt.
Der Stand von Patek Philippe
Interessierte Besucher bei Patek Philippe.
Eine Patek Philippe in gross.
Letzte Arbeiten bei Tutima Glashütte.
Die Baselworld ist vom 23. bis 30. März geöffnet. Baselworld Pressetag mit vielen Bildern

Vor der Eröffnung durfte die Presse einen ersten Blick in die Baselworld werfen.

Kenneth Nars

«Diese Perle nun geschwächt»

Die Handelskammer beider Basel bedauert die Verkleinerung der Baselworld sehr. «Das ist schade für den Wirtschaftsstandort Basel», sagt Präsidentin Elisabeth Schneider-Schneiter. «Die Baselworld ist eine Perle, die uns volkswirtschaftlich enorm viel bringt. Mit der Verkleinerung wird diese Perle nun geschwächt.» Basel sei der wichtigste Messe- und Kongressstandort in der Schweiz. «Zu diesem müssen wir Sorge tragen.» Letztlich schwächten solche Entwicklungen nicht nur Basel, sondern das ganze Land.

Die Handelskammer habe alles Interesse daran, Basel als wichtigster Messe- und Kongressstandort zu erhalten. Letztlich würden sehr viele Branchen profitieren, längst nicht nur die Gastronomie oder die Hotellerie. Sie denkt etwa an kleinere und mittlere Betriebe etwa im Standbau oder an das Transportgewerbe.

Schneider-Schneiter erklärt sich die Verkleinerung der Messe in erster Linie mit der Digitalisierung der gesamten Wirtschaft. Diese haben einen grossen Einfluss auf Fachmessen wie die Baselworld. Der Handel mit Uhren finde immer weniger vor Ort und persönlich statt, sondern vermehrt über Online-Plattformen. Diesem Wandel müsse sich die MCH Group als Betreiberin und die Baselworld als Messe stellen. Wie dies das Unternehmen angehen soll, sei der MCH Group überlassen.

Die Preispolitik sei nur ein Faktor für die Attraktivität des Messestandorts Basel. Der internationale Wettbewerb um Messen wie die Baselworld sei in den vergangenen Jahren härter geworden. «Möglicherweise konnte diese Herausforderung nicht rechtzeitig erkannt werden», sagt Schneider-Schneiter.

Wichtiger als die Preispolitik sei jedoch die politische Offenheit der Schweiz. «Wir müssen zeigen, dass wir als Handelspartner attraktiv sind und uns weiterhin für offene Märkte einsetzen.» Eine allzu starke Abschottung sei dagegen kontraproduktiv.

3000 und 4000 Logiernächte weniger

Basel Tourismus ist über die markante Verkleinerung der Baselworld nicht völlig überrascht. «Wir sind schon länger im Gespräch mit der MCH Group und wussten daher, dass ein Redimensionierung der Uhren- und Schmuckmesse ansteht», sagt Christoph Bosshardt, Vizedirektor von Basel Tourismus. Insgesamt sei es nun wichtig, dass die Baselwolrd langfristig für Basel gesichert werde.

Die Entwicklung sei zweifellos schmerzhaft für die Hotellerie und Gastronomie in Basel. Allein die Verkürzung um zwei auf sechs Tage dürfte die Hotellerie zwischen 3000 und 4000 Logiernächte kosten, schätzt Bosshardt. Dazu komme nun die Halbierung der Aussteller.

«Basel dürfte dies jedoch nicht so stark schaden wie andere Städte.» Er spricht damit auf den Umstand an, dass Aussteller und Gäste wegen der begrenzten Hotelkapazitäten in der Stadt bisher nach Zürich, Luzern und Bern sowie auf das grenznahe Ausland ausgewichen sind. So gesehen sei die Verkleinerung für die Messebesucher und Aussteller von Vorteil, da sie künftig vermehrt in Basel übernachten könnten und nicht mehr auf andere Städte ausweichen müssten.

Bosshardt geht davon aus, dass die Hotelpreise nun unweigerlich unter Druck geraten werden. Er ist der Meinung, dass die erhöhten Hotelpreise während der Messe nicht der ausschlaggebende Faktor für den aktuellen Rückgang waren. «In jeder Stadt steigen die Preise, wenn eine grosse Messe stattfindet», sagt Bosshardt weiter. Dennoch müssten nun alle Akteure ihren Beitrag leisten, damit die Messe in Basel bleibe. «Dazu braucht es Anstrengungen von allen, von der Hotellerie, Gastronomie und dem Detailhandel», sagt Bosshardt.

Über das Image des Messestandorts Basel macht er sich keine Sorgen. «Die Messe findet ja nach wie vor hier statt und wird dazu beitragen, die Bekanntheit gerade etwa in Asien weiter zu steigern.»

Wie sich Verkleinerung der Messe auf die Wertschöpfung in Basel auswirken werde, sei derzeit noch sehr schwer abzuschätzen. Bosshardt will sich daher nicht dazu äussern.

MCH Group ist gefordert

Gabriel Barell, Direktor des Gewerbeverbands Basel-Stadt spricht von einem empfindlichen Schlag für verschiedene Brachen, die bei seiner Organisation angeschlossen sind. Er denkt neben der Gastronomie und der Hotellerie auch an den Detailhandel. Basel verfüge jedoch über verschiedene Qualitäten, um diesen Schlag wegzustecken. Er denkt dabei an das gute gastronomische Angebot oder die Messeinfrastruktur.

Insbesondere die MCH Group sei nun gefordert, die Baselworld neu zu positionieren, um den Bedürfnissen der Aussteller besser gerecht zu werden. Zudem sei auch eine weitere Diversifizierung wichtig. So müsse versucht werden, noch mehr Kongresse nach Basel zu holen, aber auch andere Messen.

Was die hohen Preise, insbesondere seitens der Hotels anbelangt, so wehrt Barell diese Kritik ab. «Schwarze Schafe gibt es überall.» Diese liessen sich in der Hotellerie an einer Hand abzählen. Letztlich machten die Hotelpreise für die Aussteller nur einen kleinen Teil der Gesamtkosten aus. «Zudem sinken die Preise aufgrund des stark gewachsenen Übernachtungsangebots.»