Wirtschaft
Die erste Basler Industrienacht rückt Arbeitswelten der Region ins Rampenlicht

Zahlreiche Unternehmen sollen im November Tür und Tor dem breiten Publikum öffnen. Die Organisatoren – eine Kulturmanagementfirma sowie die Handelskammer beider Basel – wollen mit der Industrienacht einer steigenden Skepsis in der Bevölkerung gegenüber der Wirtschaft entgegenwirken. Ein grosser Konzern erteilt dem Event aber bereits eine Absage.

Rahel Koerfgen
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Die Region Basel weist einen einmaligen Branchenmix aus KMU und Weltkonzernen auf. Im Bild: das Dreispitzareal.

Die Region Basel weist einen einmaligen Branchenmix aus KMU und Weltkonzernen auf. Im Bild: das Dreispitzareal.

Benjamin Wieland

Auf der einen Seite Weltkonzerne wie Roche und Novartis sowie nationale Grössen wie Coop oder Straumann, auf der anderen eine Vielzahl von KMU und Start-ups: Basel ist ein Schmelztiegel von Firmen jeglicher Couleur. Und diese sind mitten unter uns, ja ein Teil der Gesellschaft. Die Skepsis gegenüber der Wirtschaft ist in den vergangenen Jahren jedoch grösser geworden. Regionale Indikatoren für diese Entwicklung seien etwa das knappe Ja zum Freihandelsabkommen mit Indonesien, aber auch die Diskussionen rund ums dritte Hafenbecken und den Flughafen, sagt Martin Dätwyler. Der Direktor der Handelskammer beider Basel (HKBB) lud am Montag zur Medienkonferenz zur ersten Industrienacht der Region Basel.

Diese soll im November an verschiedenen Standorten über die Bühne gehen – höchstwahrscheinlich an einem Freitag, das Datum ist aber noch nicht bestimmt – und Interessierten einen Einblick hinter die Kulissen dieser Firmen und ihrer Arbeit gewähren. Möglich sind etwa Workshops, Führungen oder Vorträge vor Ort. Das grosse Ziel: Den Dialog zwischen Wirtschaft und Gesellschaft zu fördern und damit Vertrauen zu schaffen. Dätwyler:

«Die Wirtschaftswelt muss mehr zeigen, was sie macht, wie sie zum Wohlstand dieses Standorts beiträgt. Die Industrienacht bietet die ideale Plattform dazu.»

Die HKBB ist Hauptsponsorin des Events. Er habe eine Riesenfreude, und auch sein Team sei begeistert, so Dätwyler dazu. Hinter der Organisation steht indes die kleine Basler Firma «Das Mgmt», die sich auf Kultur- und Eventmanagement spezialisiert hat. Sie zeichnet seit 2019 auch für die Basler Museumsnacht verantwortlich. «Ja, man kann sich die Industrienacht ähnlich wie die Museumsnacht vorstellen. Statt Kulturbetriebe sind es in diesem Fall aber Unternehmen», sagt Projektleiter Nicolas Schmutz.

Novartis bekundet Interesse, Roche ist nicht dabei

Neu ist die Idee freilich nicht. Im deutschen Raum sowie im Kanton Solothurn finden solche Veranstaltungen bereits seit mehreren Jahren statt – und haben grossen Erfolg. Er habe diese Events besucht und sich durchaus davon inspirieren lassen, so Schmutz weiter. Er und sein Team haben für die Industrienacht rund eine halbe Million Franken budgetiert, wovon ein grosser Teil Sponsorengeld ist. Ein kleiner Teil der Einnahmen belaufe sich auf verkaufte Tickets (Preis noch unbekannt) sowie die Anmeldegebühr für Firmen, die an der Nacht dabei sind.

Noch ist indes nicht klar, welche Firmen an der Industrienacht überhaupt teilnehmen werden. Gewünscht sei ein bunter Mix bezüglich Branchen, aber auch Grösse des Unternehmens, sind sich Dätwyler und Schmutz einig. Zusagen gäbe es bereits von den BVB, der IWB, von Endress + Hauser (Reinach), aber auch vom Smart City Lab auf dem Wolf. Viele Unternehmen hätten ihr Interesse bekundet, so Schmutz weiter. Dazu gehört auch Novartis, wie eine Sprecherin auf Anfrage sagt. Ein grosser Wermutstropfen: Der Pharmakonzern Roche wird an der Industrienacht nicht teilnehmen. Dies sei aufgrund der vielen Baustellen auf dem Areal nicht umsetzbar, sagt Sprecher Karsten Kleine auf Anfrage. Allenfalls sei man dann im kommenden Jahr dabei.

Liestal steht nicht auf der Liste

Schmutz hofft auf mindestens 30 teilnehmende Firmen, idealerweise an verschiedenen Standorten. Shuttlebusse sollen jedenfalls rund 30 Arbeitsareale in der Stadt bis nach Muttenz, Reinach und Allschwil anfahren. Das Untere Baselbiet ist also mit dabei an der Industrienacht – das Oberbaselbiet mit Liestal befinde sich derzeit auf der «Long List», sagt HKBB-Direktor Dätwyler mit Bedauern in der Stimme. Er betont: «Wir stehen erst ganz am Anfang. Ziel ist, dass die Industrienacht mit den Jahren an Reichweite gewinnt, aber das passiert nun Schritt für Schritt, Jahr für Jahr.»

Interessierte Firmen in der Region können sich ab sofort unter www.industrienacht.com für eine Teilnahme an der Industrienacht bewerben.