BAK Basel
Wirtschaft: Die Region wächst stärker als die Schweiz

Die Ökonomen der BAK Basel haben im Auftrag der Basler Kantonalbank erstmals eine detaillierte regionale Wirtschaftsprognose vorgelegt. Die bz zeigt einige Highlights und Spezialfälle aus der Studie.

Stefan Schuppli
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Die Pharmaindustrie zieht die ganze regionale Wirtschaft mit.

Die Pharmaindustrie zieht die ganze regionale Wirtschaft mit.

Erstmals legen die Ökonomen der BAK Basel eine detaillierte regionale Wirtschaftsprognose vor – dies im Auftrag der Basler Kantonalbank. Gestern Abend wurde die Studie vorgestellt. Die bz pickt einige Highlights und Spezialfälle heraus.

1. Was dürfen wir wirtschaftlich im kommenden Jahr erwarten?

Das Wirtschaftswachstum dürfte sich in der Region leicht auf 2,2 Prozent beschleunigen, nach 2,1 Prozent in diesem Jahr. Das durchschnittliche Wachstum in der Schweiz dürfte sich von 1,4 auf 1,9 Prozent beschleunigen.

2. In Basel dürfte sich das Wachstum sogar auf 2,7 Prozent beschleunigen. Warum?

Basel ist Wachstumsleader, ausschlaggebend ist Pharma, die ein Wachstum von fünf Prozent hinlegen dürfte. Pharma ist ganz klar die Konjunkturlokomotive.

3. Wenn man sich bei den Menschen hier umhört, bekommt man oft zu hören: Aufschwung? Wo bitte? Wir merken davon nichts!

Das hängt wahrscheinlich mit dem Arbeitsmarkt zusammen: Die Arbeitslosenquote ist nie wirklich gesunken und lag immer bei etwa drei Prozent. Die BAK sagt denn auch, dass die Zahl der Erwerbstätigen mit dem Wachstum nicht mitgehalten hat. Grund: Die Produktivität – die Leistung pro Arbeitnehmer – ist gestiegen. Weiter ist anzufügen, dass der Strukturwandel auch Stellen kostet. So haben verschiedene Firmen restrukturiert und Stellen gestrichen. Trotzdem rechnet die BAK mit einer Zunahme der Erwerbstätigen-Zahl von rund einem Prozent pro Jahr.

4. In der Teilregion Dorneck-Thierstein rechnet die BAK sogar mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung um 0,3 Prozent. Warum das?

Im kommenden Jahr verlagert die Firma Nexans die Produktion von Breitenbach nach Cortaillod. 166 Arbeitsplätze gehen damit in der Region verloren. Allerdings hatte die Teilregion mit 2,2 Prozent die tiefste Arbeitslosenquote, gefolgt vom Fricktal (2,5%), Baselland (2,7%) und Basel (3,5%).

5. Warum ist die Quote in Basel so hoch?

Man darf die Unterschiede zwischen den Quoten in den Teilregionen ökonomisch nicht überbewerten und nicht daraus schliessen, dass der Arbeitsmarkt in Basel weniger gut funktioniert. Die Region ist ein einziger Arbeitsmarkt, es wird viel gependelt.

Basel ist überdies nicht allein mit diesem Phänomen. Kernstädte weisen oft eine höhere Arbeitslosigkeit aus als ländliche Regionen. Das hängt mit der Bevölkerungsstruktur zusammen. In der Stadt dürfte der Anteil von älteren, wenig qualifizierten und armen Arbeitnehmern überdurchschnittlich sein. Aber die Spitzenindustrie sucht eher Forscher und Ingenieure. Diese sind sehr gesucht und kaum arbeitslos.

6. Für den Kanton Baselland rechnet die BAK mit einem Wachstum von 1,8 Prozent.

Dieses liegt zwar unter dem Schweizer Durchschnitt von 1,9 Prozent. Die Bauindustrie dürfte im kommenden Jahr hingegen 3,4 Prozent zulegen.

7. Welche Branche bildet das Schlusslicht?

Ganz klar die Bauwirtschaft. Die BAK geht von einem Rückgang von 4,9 Prozent aus. Die Baubewilligungen sind 2014 im Kanton Basel-Stadt 22 Prozent zurückgegangen, im Fricktal sogar um 56 Prozent. Dabei muss man aber wissen, dass die Bauwirtschaft Überhitzungstendenzen zeigt. 2014 legt die Branche ein Wachstum von 4,9 Prozent hin, im Jahr zuvor war es eines von 9,5 Prozent. Im weiteren gehen im kommenden Jahr Grossprojekte der Pharmaindustrie zu Ende, andererseits stehen andere Projekte an. Die Aussichten für die Branche schätzt die BAK positiv ein. Die Pharmaindustrie wird im Übrigen auch für die Metallindustrie eine Stütze bleiben.

8. Was machen der Detailhandel, und der Konsum?

Er war in den vergangenen Jahren eine Konjunkturstütze, dies trotz Einkaufstourismus. Das Wachstum dürfte laut BAK von 1,5 auf zwei Prozent im kommenden Jahr ansteigen. Dies liegt über dem langjährigen Durchschnitt. Langsam macht sich auch die Tatsache bemerkbar, dass die Nationalbank eine weitere Aufwertung des Schweizer Frankens verhindert. Das heisst: Das Preisgefälle zum Ausland nimmt (zumindest aus Wechselkursgründen) nicht weiter zu. Ausserdem steigen die Reallöhne und die Konsumstimmung hat sich aufgehellt.

9. Wie sieht die konjunkturelle Lage allgemein aus?

Verschiedene Unsicherheiten wirken belastend. Die Stimmung in Deutschland, dem wichtigsten Handelspartner der Schweiz, ist eingetrübt, die wirtschaftlichen Probleme in einigen europäischen Ländern sind nicht gelöst. Der Aufschwung der Weltwirtschaft ist schwächer als erwartet. Die Schweiz hat sich demgegenüber recht gut entwickelt. Bei den Firmen sorgt hingegen die Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative zunehmend für Planungsunsicherheit. Die Schweizer Exporte dürften 2015 und 2016 dennoch um 4,5 bzw. 5,6 Prozent ansteigen.