Bestandesaufnahme
Wirtschaftsbericht: Die Region Basel rauft sich zusammen

Basel-Stadt und Basel-Landschaft haben erstmals einen gemeinsamen Wirtschaftsbericht vorgelegt. Vorausgegangen war die Zusammenlegung mehrerer Standortförderungs-Institutionen. Die Chancen für mehr Arbeitsplätze und Wertschöpfung stünden gut, hiess es am Dienstag.

Stefan Schuppli
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Eines der aktuellen Grossinvestitionsgebiete in der Region: Salina Raurica in Pratteln. Künftig wollen sich Baselland und Basel-Stadt vermehrt in die Hände spielen.

Eines der aktuellen Grossinvestitionsgebiete in der Region: Salina Raurica in Pratteln. Künftig wollen sich Baselland und Basel-Stadt vermehrt in die Hände spielen.

Kenneth Nars

Seit den Regio-Wirtschaftsstudien sind Analyse und Wirtschaftsentwicklung in der Region ein Thema. Die Regio-Studie wurde nach der 35. Ausgabe beendet. Doch jetzt kommt eine Art Nachfolge: Der gemeinsame Wirtschaftsbericht der beiden Basel. Er ist 80 Seiten dick, mit vielen Grafiken und Tabellen versehen, umfasst eine Analyse der regionalen Wirtschaft in allen Verästelungen, ein Stärke-Schwäche-Profil der Region und eine Handvoll Ideen, wie diese auf wirtschaftlichem Gebiet voranzubringen ist. Angestrebt ist auch eine enge Zusammenarbeit mit dem Kanton Jura, wie sie im Fall des Schweizerischen Innovationsparks (SIP) bereits praktiziert wird.

IT-Schwäche könnte für Basel zum Problem werden

Wie kann die Region Basel ihr hohes Wohlstandsniveau halten? Dies gelinge dann, wenn die Region ihre technologischen Alleinstellungsmerkmale – etwa bei den Life Sciences – erhalten und die Innovationsfähigkeit ausbauen kann. Dies schreibt das Konjunkturforschungsinstitut BAK Basel im Wirtschaftsbericht der Regierungen beider Basel. Die Voraussetzungen dazu seien gut, doch weise die Region eine bemerkenswerte Schwäche auf: die mangelnde Kompetenz im Bereich der Informationstechnologie (IT). Dies ist deshalb bedeutend, weil die Digitalisierung bestehende Technologien verknüpft und neue Schnittstellen schafft. Defizite im IT-Bereich haben also Auswirkungen auf die für Basel so wichtige Life-Sciences-Branche: Sie schwächen die Forschungsintensität und verhindern, dass Wertschöpfungsketten und Produktionsabläufe optimiert werden. Im Zusammenhang mit der IT-Schwäche weist BAK Basel auf die wenig ausgeprägte Startup-Kultur in Basel hin: Diese hinke der Wirtschaftskraft der Region hinterher; je nach Zählweise seien hier 60 bis 170 Startups ansässig, viel weniger als in Zürich oder Genf. IT-Unternehmen halten unter den Basler Startups einen Anteil von 30 Prozent. Auch das ist ein unterdurchschnittlicher Wert, den BAK Basel damit begründet, dass Basel im Gegensatz zu Zürich und Lausanne nicht von der entsprechenden Stärke einer Uni profitieren kann. BAK Basel postuliert, dass Basel im IT-Bereich die Nähe Zürichs suche, wo sich eines der wenigen europäischen Cluster gebildet habe. Hier in Konkurrenz zu Zürich zu treten, sei nicht sinnvoll. Auch fordert BAK Basel, dass am Schweizer Innovationspark in Allschwil, der ja bereits einen interdisziplinären Ansatz verfolgt, der IT-Bereich stärker berücksichtigt wird. Zentral sei für das weitere Gedeihen der Region Basel, die Technologie übergreifende Forschung voranzutreiben. (haj)

Zauberwort Innovation

Vieles lässt sich um das Zauberwort «Innovation» gruppieren. Nicht verwunderlich, ist doch eines der Hauptmerkmale erfolgreicher Industrien Forschung und Entwicklung. Mit dem SIP wurde nicht nur ein interkantonales Projekt geschaffen, es gibt auch Überlegungen, den Park weiter auszubauen. Wenn die Areale beim Bachgraben in Allschwil und im Jura nicht mehr reichen, werde ein weiterer Standort eventuell im Stadtkanton gesucht. Womit wir bei einem anderen grossen Thema sind: die Areale. Die bz berichtet laufend über solche Vorhaben wie etwa dasjenige in Salina Raurica (Pratteln) oder die schwach genutzten Industrieareale im Klybeck (Kleinbasel) oder Lysbüchel/Volta Nord (Grossbasel). Basel-Stadt werde alles Notwendige unternehmen, damit Unternehmen bedarfsgerechte Flächen vorfinden. Leicht anders stellt sich die Frage im Kanton Baselland, weil dort die Gemeinden Ansiedlungen verantworten.

Die beiden Halbkantone werden im Bereich der Wirtschaftsentwicklung näher zusammenarbeiten. Ende 2015 wurden die drei Organisationen Basel-Area, I-net Innovation Networks und China Business Plattform zur gemeinsamen Innovations- und Standortförderung Basel-Area.swiss zusammengeführt. Die Pflege der ansässigen Unternehmungen bleibe indessen kantonal, heisst es im Vorwort; ein direkter, interner Zugang zu den Verwaltungen sei essenziell. Neu ist also nicht die Zusammenarbeit an sich, sondern die Vertiefung und die gemeinsame Berichterstattung und Erfolgskontrolle. Neu ist auch, dass die Gründerzentren, Business Parcs, Technologie- und Innovationsparks sinnvoll koordiniert und vernetzt werden. Weiter sollen die regionale Wirtschaftsförderung Basel-Area und der Innovationspark in Allschwil vernetzt werden.

Der «Accelerator» als Turbo

Das Projekt heisst «Accelerator» und verschränkt gewissermassen Hardware des SIP (Labors) mit der Software (Expertise aus der Industrie und Basel-Area). Mit dem Accelerator sollen namhafte Forschungsprojekte in die Region geholt werden, damit sie hier erfolgreich entwickelt werden können. Angesichts der Probleme, die die Schweiz im Rahmen der Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative erwartet, dürften hierfür ganz besondere Anstrengungen nötig sein. Das Projekt Accelerator werde in diesem und im kommenden Jahr genauer definiert, und, wenn erfolgsversprechend, umgesetzt. Im Kanton Basel-Landschaft soll das Wirtschaftsförderungsgesetz grundlegend überarbeitet werden. In Basel soll eine «Gasttaxe zu Finanzierung von touristischen Produkten» eingeführt werden.Kommentar Seite 35