Basel

Wissenschaftspreisträger Gersbach: «Das Eigenkapital der Banken sollte über zehn Prozent sein»

Hans Gersbach steht auch in engem Kontakt mit der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich.

Hans Gersbach steht auch in engem Kontakt mit der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich.

Der Basler Wissenschaftspreisträger Hans Gersbach fordert mehr Eigenkapital für die Banken.

Am Montag erhält der Ökonom Hans Gersbach den Wissenschaftspreis der Stadt Basel. Ausgezeichnet wird er gemäss Medienmitteilung des Regierungsrates für seine «herausragenden interdisziplinären Arbeiten zu gesellschaftlich und wirtschaftspolitisch hochaktuellen Themen» wie Wachstums- und Innovationsprozesse, über die Problematik der soliden Bankenfinanzierung sowie die monetäre Stabilität von Institutionen und Ländern.

Der 1959 in Hellikon im Fricktal geborene Gersbach durchlief seine gesamte akademische Ausbildung an der Universität Basel. Zunächst schloss er ein Studium in Physik und Mathematik ab, anschliessend absolvierte er ein Diplom in Versicherungsmathematik. «Zur Ökonomie bin ich aus Neugier gekommen. Es gibt auch noch andere Dinge als Mathematik», sagt er im Gespräch mit der bz. 1990 promovierte er, 1995 erfolgte die Habilitation im Zuge einer Assistenzprofessur ebenfalls an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät in Basel.

Von 1995 bis 2006 lehrte er an der Universität Heidelberg. Seit Mai 2006 ist er an der ETH Zürich tätig. Sein Gebiet: «Makroökonomie: Innovation und Politik». Gersbachs Forschung zeichne sich durch eine breite interdisziplinäre Herangehensweise aus, so die Medienmitteilung.

Mathematik: Mittel zum Zweck

Mathematik ist für ihn Mittel zum Zweck. «Ich hatte Mathematik noch immer sehr gerne. Ich benütze sie als Hilfsmittel, um Ideen und Effekte aufzuzeigen und zu klären. In der wirtschaftspolitischen Beratung gibt es hingegen keine Mathematik, dort zählen die guten Argumente und die scharfe Analyse.»

Gersbachs wiederkehrende Forschungsfrage: Wie viel Eigenkapital brauchen die Banken? So untersucht Hans Gersbach die Auswirkungen einer Verschärfung der Kapitalvorschriften für die Banken: Auf der einen Seite vermindern strenge Kapitalvorschriften die Wahrscheinlichkeit von Finanzkrisen, auf der anderen Seite reduziert eine Verschärfung der Kapitalvorschriften die Flexibilität des Finanzsystems, Kredite zu vergeben; dies wiederum könne ungewollt die Wirtschaft bremsen.

Aus der Analyse dieses Spannungsfeldes leitet Gersbach Vorschläge für optimale Eigenkapitalvorschriften ab. Für die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, welche unter anderem Standards für Mindesteigenkapital Banken entwickelt («Basel II», Basel III»), ist diese Forschung von grosser Bedeutung.

Seine Positionen finden auch Eingang in die Beratung. «In einem Gutachten des wissenschaftlichen Beirats für das deutsche Wirtschaftsministerium haben wir vorgeschlagen, dass das Eigenkapital über 10 Prozent sein sollte. Heute sind wir noch nicht dort», sagt Gersbach zur bz.

Ein weiteres Themenfeld von Hans Gersbach ist die politische Ökonomie. Auf diesem Gebiet untersucht er beispielsweise, wie Wahlregeln Entscheidungen beeinflussen. So hat er gemäss der Medienmitteilung «wichtige theoretische Beiträge zur Frage verfasst, wie in Zentralbanken und Währungsunionen Entscheidungen getroffen werden und wie diese Institutionen ausgestaltet sein müssen, um Allgemeinwohl fördernde Ergebnisse zu erzielen.»

Antwortsuche für die Politik

Dass der Euro Konstruktionsmängel hat, ist für ihn (wie für die meisten Wirtschaftswissenschaftler) unbestritten. Die fiskalische Disziplin (Staatsbudget) habe man nicht herstellen können. Zweitens gab es keinen Plan für Kriseninterventionen. Ein weiteres Problemfeld sei das Auseinanderdriften der Wirtschaftskraft einzelner Regionen. Die Arbeiten von Hans Gersbach zu Innovations- und Wachstumsprozessen sind gerade für Basel mit seinem pharmazeutischen Innovationscluster von grosser Bedeutung. Hier geht Gersbach insbesondere der Frage nach, wie die Globalisierung den Anreiz für Innovationen beeinflusst und wie die Politik diese Prozesse begleiten kann, sodass auch für die Gesellschaft ein Mehrwert entsteht.

Auch Gersbachs vielfältige wissenschaftliche und politische Beratertätigkeit sei «Hinweis auf die hohe gesellschafts- und wirtschaftspolitische Relevanz seiner Forschung.» So ist Gersbach Mitglied zahlreicher inner- und ausseruniversitärer Wissenschafts- und Forschungszentren, unter anderem ist er Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats beim Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, Berlin.

Der Wissenschaftspreis

Der Wissenschaftspreis (dotiert mit 20'000 Franken) wird jährlich und im Turnus den sieben Fakultäten verliehen. Vergangenes Jahr war die Juristische Fakultät dran (Beat Rudin), zuvor Geschichte (Christine Christ) und Biologie (Silvia Arber), um nur drei zu nennen. Die Wissenschafter stehen in Beziehung zur Uni Basel und haben «herausragende» Forschungsbeiträge geleistet.

Autor

Stefan Schuppli

Stefan Schuppli

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