Am liebsten tritt Nico Studer in Frack und Rüschenhemd auf: «So wie die Zauberer vor 70 Jahren», erklärt er. Tauben und Zylinder inklusive. Die Welt, in der Frauen zersägt werden, Tische schweben und Münder vor Erstaunen offen stehen, hat den heutigen Präsident des «Zauberring Basel» schon als kleinen Jungen in seinen Bann gezogen.

Mit seinem Bühnenpartner Dominik Zemp hat er vor sieben Jahren das Zauberduo «Domenico» gegründet. In der männerdominierten Zauberbranche ist Teamwork aussergewöhnlich: «Zaubertricks zu üben ist eine eigenbrötlerische Angelegenheit. Gerade Einsteiger müssen stundenlang alleine vor dem Kartenpäckchen sitzen, bevor es sich lohnt, mit anderen darüber zu reden», sagt Studer. Gleichzeitig ist Austausch wichtig, um das Metier lebendig zu halten.

Geheimniskrämerei

Darum wurde der «Zauberring Basel» schon vor einigen Jahrzehnten gegründet. Hier tummeln sich sowohl experimentierfreudige Nachwuchstalente, als auch Koryphäen, die die Berufskrankheit der Geheimniskrämerei überwinden, und ihr Wissen an die nächste Generation weitergeben wollen. Damit sich keine neugierigen Zuschauer zwecks Spionage einschleusen, müssen Mitglieder sogar eine Aufnahmeprüfung ablegen.

Gastzauberer aus der ganzen Welt gewähren dieser Gemeinschaft Einblicke in ihre sonst völlig geheime Kunst. Manchmal geniessen es die Künstler aber auch einfach, mit anderen «Eingeweihten» zu plaudern. Denn Illusion kann isolieren. Besonders weil man der «Laienwelt» ja nicht verraten darf, was hinter den scheinbar magischen Fähigkeiten steckt.

Dass tatsächlich Übersinnliches im Spiel ist, bestreitet Studer aber selbst. Es sei diese Prise Ehrlichkeit, die einen «echten» Zauberer von Scharlatanen unterscheidet: «Auch wenn man weiss, dass ein Trick dahinter steckt, bleibt das, was man nicht erklären kann, unfassbar». In der Welt der Zauberei ist nichts so, wie es scheint. So sind auch Illusionen, die man noch nie gesehen hat, nicht unbedingt neu, sondern einfach originell dargeboten.

«Neue Techniken werden selten erfunden. Vieles hat sich schon seit Jahrhunderten bewährt», erzählt Studer. Deshalb ist auch die Recherche, die einem Zauberstück vorausgeht, nicht so banal, wie man erwarten könnte. Die Mitglieder des Zauberrings haben in der Bibliothek des «Magischen Rings Schweiz» Zugang zu uralten Texten. Sie verraten Techniken, die auch bei der Zaubergilde selbst längst in Vergessenheit geraten sind: «Man kann sich das schon so ein bisschen vorstellen, wie Harry Potters Zauberschule Hogwarts», scherzt Studer.

Kein Hobby für nebenher

Er hat ein Faible für Altbewährtes. Das hohe Durchschnittsalter der Magier bereitet ihm jedoch Sorgen. Die Schweizer Zauberer haben Nachwuchsprobleme. Mit seinen 30 Mitgliedern ist der Zauberring Basel aber zufrieden.

Die, die dabei sind, sind es mit Leib und Seele. Als Hobby nebenher eignet sich das Zaubern nämlich nicht. Viel Arbeit und Kreativität sind gefordert, und darüber hinaus Charme und Humor: «Ein selbstbewusstes Auftreten und eine gewinnende Art machen eine Show erst aus», findet Studer.

Für ihn steht das Zaubern im Vordergrund, Sekundarlehrer ist er nur im Nebenjob. Seine Leidenschaft ist zeitintensiv: Ein Zauberstück zu entwickeln dauert ungefähr ein Jahr. Zehn Minuten dann auf der Bühne. Ob sich das auszahlt?

Die Gagen seien in der Schweiz ausserordentlich gut, sagt Studer. Aber ihm, und den meisten Zauberern gehe es nicht um eine Darbietung, sondern um einen Dialog mit dem Publikum. Sei es mit der Person, die man auf die Bühne bittet, und zum Verschwinden bringt, oder mit den staunenden Kindern in der ersten Reihe. «Ich will Geschichten erzählen», sagt Studer. Solche, bei denen immer etwas geflunkert wird.