Kunstmuseum
Wo heute Absperrbänder flattern, hängen in zwei Jahren Meisterwerke

Der Erweiterungsbau des Basler Kunstmuseums schreitet voran. Die Arbeiten liegen im Zeitplan und nun sind die Dimensionen, die die Ausstellungsräume haben werden, ersichtlich. Kommen Sie mit der bz auf einen Rundgang durch die Baustelle.

Céline Feller
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Durch den Eingang der Baustelle ist das in den frühen 1930er-Jahren erbaute Haupthaus gut zu sehen.
21 Bilder
Hier im Erdgeschoss wird später einmal der EIngangsbereich werden und in einem abgetrennten Bereich der Kunstzulieferung dienen.
Momentan zieren Holzplatten, graue Wände und Absperrbänder das Bild des Erweiterungsbaus.
Ansatzweise ist bereits zu erkennen, was hier entsteht: Das Treppenhaus. Seine dem Treppenhaus im Haupthaus angelehnte Bauweise soll daran erinnern, das die beiden Häuser zusammen gehören.
Architekt Emanuel Christ von Christ & Gantenbein Architekten, die das Haus konzipiert haben, präsentiert die Räume des Neubaus.
Beinahe jeder Ausstellungsraum hat Fenster. Diese sollen dazu dienen, das Museum mit der Aussenwelt in Verbindung zu bringen und nicht eine komplette Blackbox daraus zu machen.
Momentan sind noch die Hohlböden zu sehen. Darauf wird zu einem späteren Zeitpunkt die Lüftungstechnik installiert und mit einem zweiten Boden bedeckt.
Die jetzt sichtbaren Decken sind bereits im Endstadium. Sie werden ihr Beton-Kleid behalten.
Der gestrige erstmalige Einblick stiess auf sehr grosses mediales Interesse.
Das zweite Obergeschoss wird besonders hell. In den Decken werden Glasplatten eingesetzt, die Tageslicht in die Räume lassen.
Das Treppenhaus ist noch von Gerüsten verdeckt.
Im zweiten Untergeschoss wird sich Platz finden für Lüftungsinstallationen und ein Kunst-Depot.
Bereits sind erste technische Installationen sichtbar. Ist der Erweiterungsbau einmal eröffnet, wird der Besucher davon nichts mehr zu sehen bekommen.
Besichtigung des Erweiterungsbaus des Kunstmuseums
Der Verbindungstrakt und die Anpassungen im Haupthaus werden erst während der einjährigen Totalschliessung vollendet.
Wer sich jetzt in die Grube begibt, befindet sich genau unter der Dufourstrasse und kann das Hupen der Autos und das Quietschen der Reifen hören.
Ganz vollendet ist der Rohbau wohl doch noch nicht. Hier fehlt eine Türe.
Die Holzplatten sollen verhindern, dass die Baustellen-Begeher über Nägel oder andere Hindernisse stolpern.
Im April 2016 wird der fertiggestellte Erweiterungsbau seine Türen auch für Museums-Besucher öffnen.
Noch eine ganze Weile wird das Haus von Gerüsten eingepackt sein. Der Bau wird wohl bereits 2015 fertiggestellt, dann ist der Feinschliff im Inneren dran bevor die Kunstwerke endlich ihre Plätze einnehmen können.
Der Neubau soll ein Ort für Sonderausstellungen und immer wieder wechselnde Ausstellungen sein.

Durch den Eingang der Baustelle ist das in den frühen 1930er-Jahren erbaute Haupthaus gut zu sehen.

Juri Junkov

Von überall her dröhnt der laute Lärm von Hämmern. Rot-weisse Absperrbänder zieren die noch tristen, grauen Räume. Auf dem Boden liegen Holzplatten, damit auf dem Weg durch die Pfützen die Füsse trocken bleiben. Noch fällt es schwer sich vorzustellen, dass hier dereinst millionenteure Kunstwerke an den Wänden hängen sollen. Gestern wurde den zahlreichen Medienvertretern erstmals Eintritt in den vollendeten Rohbau des Erweiterungsbaus und des Verbindungstrakts des Kunstmuseums Basel gewährt.

«Jetzt ist ein sehr guter Zeitpunkt, um einen Einblick zu bieten. Wir sind erstmals in jener Bauphase angelangt, in der die räumlichen Dimensionen sichtbar werden», begrüsste der zuständige Regierungsrat Hans-Peter Wessels die Anwesenden. «Das Wichtigste vorab: Wir sind im Zeitplan und liegen, auch was die Kosten angeht, im Budget», sagte Wessels weiter. Dann heisst es: Helme auf und los gehts. Beim Rundgang durch den Rohbau wird deutlich, wie grosszügig die neuen Ausstellungsräume sein werden. 2740 Quadratmeter Ausstellungsfläche gewinnt das Kunstmuseum dazu.

Ein Ort für Sonderausstellungen

Das 100-Millionen-Projekt, das sich an der Ecke St. Alban-Graben/Dufourstrasse befindet, wird aus fünf Stockwerken – einem Erdgeschoss und je zwei Ober- und zwei Untergeschossen, bestehen. Die Obergeschosse werden jeweils in zwei Trakte geteilt, den Dufourtrakt und den St.-Alban-Graben-Trakt, die parallel zu den entsprechenden Strassen verlaufen. Dies ergibt sich daraus, dass der Grundriss des Hauses in die historischen Stadträume eingepasst wurde. Im Erdgeschoss befinden sich Eingangsbereich und Ausstellungsfläche zugleich, das erste Untergeschoss wird vor allem als Verbindungstrakt zum Altbau, das Zweite komplett als Depot genutzt. Während des Rundgangs macht Emanuel Christ von den federführenden Christ und Gantenbein Architekten deutlich, wie komplex der Bau und wie kompakt das Haus ist. Ein engerer Bauplatz für solch ein Projekt wäre laut Christ kaum möglich gewesen.

Wo jetzt noch Gerüste die Fassade einfassen, sollen nach der Fertigstellung wechselnde Präsentationen und Sonderausstellungen ein Plätzchen bekommen. Diese sind es, die für Wessels die Attraktivität des ohnehin bereits berühmten Museums steigern werden: «Das Kunstmuseum ist jetzt schon eines der bedeutendsten der Welt. Mit dem Erweiterungsbau können Sammlungen besser präsentiert werden und vor allem extrem tolle Räume für Wechselausstellungen realisiert werden. Dies wird das Interesse von Leuten von ausserhalb, aber auch von Leuten aus der Region noch mehr steigern.»

Betondecken bleiben wie sie sind

Beim Gang durch die 5,34 Meter hohen Räume erwähnt Christ immer wieder die Decken, die auch nach der Fertigstellung ihr Beton-Kleid behalten werden. «Sie waren vorgefertigt. Auch deshalb ging es so schnell vorwärts auf der Baustelle.» Während die Decken bereits in ihrem Endzustand sind, ist vom späteren zentralen Treppenhaus noch nicht viel zu sehen. Nach Bauende wird es als Verbindung aller Stockwerke dienen und durch seine dem Treppenhaus im Altbau nachempfundene Bauart als Beziehung zwischen Erweiterungs- und Haupthaus dienen.

Zwischen Februar 2015 und März 2016, in der finalen Bauphase, wenn der Verbindungstrakt zwischen den beiden Häusern entsteht und auch im bereits bestehenden Haus noch letzte Anpassungen vorgenommen werden, wird das Kunstmuseum für ein Jahr komplett geschlossen. Denn bei seiner Eröffnung im April 2016 soll nichts mehr an Hämmer, Absperrbänder und nasse Böden erinnern.