Das Baby schreit tagsüber unentwegt. Das zweite Kind ist nicht nur im Kindergarten ein richtiger «Luuszapfe», sondern folgt auch zu Hause nicht und kostet die Eltern viele Nerven. Der Vater befindet sich meist auf Geschäftsreisen oder kommt erst spät abends von der Arbeit nach Hause, weshalb es auch innerhalb der Partnerschaft anfängt zu kriseln. Die übermüdete Mutter ist mit der ganzen Situation heillos überfordert. Unruhige Kinder, die bröckelnde Beziehung, gesundheitliche und finanzielle Schwierigkeiten, dazu der fordernde Haushalt. Da machen sich schnell Verzweiflung und Hilflosigkeit breit. Was nun? Eine Antwort auf diese Frage könnte die Familie bei der Elternhilfe beider Basel finden. Seit 30 Jahren existiert der Verein und begleitet Familien während Krisensituationen.

Wege aus der Krise

Die Elternhilfe ist ein Angebot von Eltern für Eltern. «Jede Familie hat ihre eigene Dynamik. Wir arbeiten grundsätzlich auf Auftrag der Familien und bieten eine professionelle Vorabklärung an», sagt Anita Müller, Geschäftsleiterin der Elternhilfe und Sozialpädagogin. Die Überforderung sei ein Eigenempfinden. Wenn das Zusammenleben nicht funktioniert, bereits vieles probiert wurde und die Belastung zu gross wird, dann könne man von einer Überforderung sprechen.

In einer ersten Beratungsphase wird die Situation in einem Telefongespräch geschildert, für erste Erziehungsfragen bereits Lösungen angeboten und danach die Entscheidung gefällt, ob eine Begleitung der Familie Sinn mache oder diese an eine weitere Stelle vermittelt werden müsste. Eine gewisse Hemmschwelle muss dabei überwunden werden, um externe Hilfe zu konsultieren und jemand Fremdem die Türe zu öffnen. Manche lassen sich ungern ins Privatleben reinreden. «Unsere Begleiterinnen fühlen sich nicht als Besserwisser. Sie möchten die Eltern unterstützen und gemeinsam mit ihnen Lösungen finden», stellt Cornelia Conzelmann, Präsidentin der Elternhilfe, klar.

In der zweiten Phase besucht die Begleiterin im Wochenrhythmus an einem halben Tag die Familie, um festzustellen, was verändert werden muss und ob es umsetzbar ist. Diese «Sicherungsphase» dauert in der Regel ein halbes Jahr, um sich auch ein umfassendes Bild von der Familie erlauben zu können. Das gesamte Projekt hat von Beginn an das Ende der Zusammenarbeit im Blick. «Wir arbeiten mit den Familien auf ein Ziel hin und steigen anschliessend langsam wieder aus der Begleitung aus», erklärt Müller. Aktuell arbeiten 15 Familien mit ehrenamtlichen Begleiterinnen der Elternhilfe zusammen.

Dabei sind auch regionale Unterschiede festzustellen. Entlastende Momente in Form von Familienangeboten seien in kleinen Dörfern rarer. «Ein nahegelegener Mittagstisch oder eine Spielgruppe sind auf dem Land schwieriger aufzufinden als in der Stadt, da diese nicht so flächendeckend organisiert sind», so Müller. Pro Jahr werden zwischen 20 und 27 Familien von der Elternhilfe begleitet.

Teil eines Helfersystems

Die Elternhilfe ist in manchen Situationen aber auch überfordert. «Wenn wir mit unserem Angebot nicht weiterhelfen können, dann vermitteln wir die Aufgabe weiter», so Müller. An psychologische, juristische oder an Schuldenberatungsstellen könne man beispielsweise weitergeleitet werden. «Die Vernetzung mit anderen Fachstellen ist äusserst wichtig, damit die Angebote für Familien lückenlos gestaltet werden können», erklärt Conzelmann.

Auch in Zukunft möchte der Verein Vertrauen schaffen und Eltern aus ihrer Misere befreien. Mittelfristig möchte man mehr Familien diese Betreuung anbieten. Eine regelmässige Analyse des Angebots sei gemäss Conzelmann nötig: «Wir sind dran, mögliche Entwicklungsschritte abzuklären.» Momentan sehe sie aber keinen dringenden Handlungsbedarf, etwas zu verändern. Finanzielle Unterstützung erhält der Verein von der GGG sowie von beiden Kantonen, was die Hälfte der Kosten abdecken würde. Die andere Hälfte wird mittels Spenden eingenommen. «Es geht uns zurzeit relativ gut, aber das Fundraising ist eine ständige Aufgabe. Nur so können wir auch längerfristig planen», offenbart Conzelmann.

Die Elternhilfe beider Basel ist unter 061 423 96 50 erreichbar. Telefonzeiten: Di 14–17 und Do 8.30–11.30 Uhr.