Der Eingang in der Nähe des Tellplatzes in Basel ist unscheinbar. Die Tür kann nur von innen geöffnet werden. Einen elektronischen Türöffner gibt es nicht. Das wäre zu heikel. Hinter der Tür befindet sich eines der Depots des Museums der Kulturen Basel. Auf fünf Stockwerken werden 200 000 wertvolle Gegenstände gelagert: uralte Figuren aus Holz, tibetische Malereien, Porzellan, Fasnachtslaternen und sogar über 50-jährige Lebkuchen.

Im fensterlosen Lagerraum stehen fast deckenhohe Fahrregale. Claudia Geissmann ist Konservatorin-Restauratorin und leitet das fünfköpfige Team, das sich um die Konservierung und Restaurierung der Gegenstände kümmert. Sie dreht das Rad, die Regale fahren auseinander. Die Keramikvasen und Schalen sind gut gepolstert. «Damit sie bei einer Erschütterung nicht kaputtgehen», sagt sie. «Die Thangkas, buddhistische Rollbilder, hingegen lagern wir in flachen Schubladen.»

In der Anlieferungszone läuft klassische Musik. Hier kommen die Gegenstände an, die das Museum der Kulturen für Ausstellungen ausleiht oder anderen Museen ausgeliehen hat. Jeden Gegenstand, der von aussen kommt, analysieren die Mitarbeiter genau. Finden sie Spuren oder besteht der Verdacht, dass sich Insekten in Spalten oder unter der Oberfläche eingenistet haben, müssen die Objekte in die Stickstoffkammer.

Das Gerät füllt fast den ganzen Raum. Es filtert den Sauerstoff aus der Luft, bis nur noch Stickstoff übrig bleibt. «Alles Lebende in der Kammer erstickt», sagt Claudia Geissmann. Die Ausstellungsgegenstände bleiben fünf Wochen in der sauerstofflosen Umgebung. «So können wir sicher sein, dass auch die Eier nicht überleben.»

Wenn es eilt und das Material es zulässt, gibt es eine Alternative. Stellen die Mitarbeiter fest, dass kleinere Objekte von Motten befallen sind, landen die Gegenstände für einige Tage in der Tiefkühltruhe, die auch noch im Raum steht.

Insektenfreie Zone

Ein gutes Klima sei unverzichtbar. «Wir haben viele organische Gegenstände in unserer Sammlung, und Organisches will sich kompostieren, wie in der Natur», sagt Claudia Geissmann. Um den Zerfall zu verlangsamen und damit die Objekte noch lange erhalten bleiben, darf es im Depot auf keinen Fall zu feucht werden, weil sich sonst Pilze bilden könnten. Die Mitarbeiter müssen zudem regelmässig kontrollieren, dass keine Insekten ins Depot eingeschleppt werden.

Damit sie Ungeziefer schnell erkennen, hängen an den Wänden in regelmässigen Abständen UV-Fallen. Das helle Licht zieht Insekten an. Früher habe man die Objekte grossflächig mit Insektiziden behandelt – manchmal sogar präventiv. «Das ist heute unvorstellbar», sagt Claudia Geissmann. «Die Gegenstände sind zu wertvoll, die Gefahr zu gross, dass sie und die Menschen wegen der aggressiven Mittel Schaden nehmen könnten.»

Kein Job für Schussel

Die Restauratorin hat im Museum der Kulturen ihren Traumjob gefunden. «Ich habe hier ein restauratorisches Schlaraffenland», schwärmt sie. «Textilien, Holz, Bast, Glas, Porzellan, Metall – wir können uns um alle Materialien aus allen Epochen und Kontinenten kümmern.» Und das Beste: «Ich darf die Gegenstände anfassen!»

Sie weiss, wie viel die uralten Holzstatuen wiegen, wie sich deren Oberfläche anfühlt, von rau über porös bis glatt. Angst, etwas kaputtzumachen, habe sie nicht. «Das darf eine Restauratorin nicht haben.» – «Aber natürlich ist es wichtig, dass wir vorher genau überlegen und vorsichtig sind», sagt ihre Kollegin Stephanie Wümmers.

Im obersten Stock befinden sich die Konservierungslabors. Über Wochen und Monate arbeiten hier die Restauratoren an unterschiedlichsten Gegenständen, machen sie bereit für die nächste Ausstellung. Anne-Rose Bringel beugt sich über einen rot-orangen Bastrock vor sich auf dem Tisch. Der Bastrock wurde aufgerollt gelagert. Ihn in seine ursprüngliche Form zurückzubringen, bedeutet eine Woche Arbeit.

Anne-Rose Bringel macht das nicht etwa mit einem Bügeleisen, sondern mit einem Ultraschall-Dampfgerät. Der kalte Dampf strömt in einem feinen Strahl aus einem dünnen Schlauch. Die Arbeit braucht viel Fingerspitzengefühl: «Ich muss aufpassen, dass es keine Risse gibt», sagt Anne-Rose Bringel. Findet sie brüchige Stellen, stabilisiert sie diese mit Japanpapier und einem Klebstoff.

Ihr Kollege Roland Notter reinigt mit einem Schwämmchen eine Figur aus dunklem Holz. Um keine Fingerabdrücke zu hinterlassen, trägt er weisse Stoffhandschuhe. Nicht jedes Ausstellungsobjekt wird vorher vollständig gereinigt. «Wenn eine Statue lehmige Füsse hat, lassen wir den Dreck dran», sagt Claudia Geissmann. Der Lehm sei ein Zeichen dafür, dass die Statue als Opfergabe im Boden vergraben wurde. «Das möchten wir erhalten.»

Wenn die Sonderausstellung «Migration – Bewegte Welt» am 19. Mai eröffnet, ahnen die wenigsten Besucher, welchen langen Weg die Objekte hinter sich haben und dass der Lehm an ihren Füssen beim Putzen nicht etwa übersehen wurde.