In Vollausrüstung rollen sie durch die Basler Innenstadt. Was einem gemütlichen Spaziergang gleicht, ist in Tat und Wahrheit eine Abenteuerfahrt. Eine, die ohne richtige Vorbereitung allzu bald zum Höllenritt wird. Denn: Geht etwas in die Hose, sollte man sich im Stadtdschungel auskennen. Wo ist der nächste Wickeltisch für einen Boxenstopp?

Der Basler Sidney Savary will Eltern das Leben erleichtern. Seine im Mai gestartete Website babyfreundlich.ch ist ein Wegweiser zu babyfreundlichen Restaurants, Geschäften und Einkaufszentren. In Basel, wie in der ganzen Schweiz. Aus Selbsthilfe, erzählt er. «Als Papa zweier Babys musste ich jeweils an 1000 Sachen denken, die ich ‹on the road› benötigen könnte.» Von Feuchttüchlein, über Windeln, bis zu Babycreme. «Doch hat es am Zielort keinen Wickeltisch, war die gute Vorbereitung für nichts.» Seine zwei Kinder sind mittlerweile drei und fünf, somit aus dem Babyalter herausgewachsen. Seine Idee setzt er trotzdem weiter um.

Erfahrung von Eltern

23 Lokale weist die Website derzeit als babyfreundlich aus. 9 davon in den beiden Basel. Aufgenommen werden nur jene, die eine gewisse Anzahl Kriterien erfüllen. Hat es einen Wickeltisch, zum Windeln wechseln? Ist das Lokal kinderwagentauglich? «Die Kriterien sind das Resultat einer Befragung von 500 Müttern, Vätern, Familienberatern und Hebammen», sagt Savary. Dank Icons ist für den User ersichtlich, welches Lokal, welche Kriterien erfüllt. Zudem kann jedes Restaurant oder Geschäft auf der Website kommentiert oder ein neues hinzugefügt werden. Ob es tatsächlich babyfreundlich ist, wird durch Savary fortlaufend überprüft.

Seinem Test standgehalten hat das Stücki. Das Shoppingcenter war das erste Unternehmen, das sich für 250 Franken im Jahr zertifizieren liess. Dessen Manager, Tim Mayer, ist vom Nutzen des Projektes überzeugt. «Die Website bietet jungen Familien eine Plattform um sich zu orientieren.» Gerade wenn man mit Kindern oder Säuglingen unterwegs sei, würden spezielle Bedürfnisse auftauchen, die zur Herausforderung werden würden. «Mit der Zertifizierung möchten wir darauf aufmerksam machen, dass eine Vielzahl dieser im Angebot unseres Shoppingcenters gedeckt sind.» Auf die Zertifizierung macht ein Kleber aufmerksam. Im Stücki hängt einer im Bereich des Wickelraumes, bei der Kundeninformation und beim Kinderhort. Die Website bringt gemäss Mayer einen weiteren Mehrwert: Feedback der Kunden und somit die Möglichkeit «unser Angebot laufend zu verbessern».

Schwierige Suche

«Es ist brutal, Unternehmen zu finden, welche die Kriterien erfüllen», sagt Sidney Savary. So lief er einmal mit seiner mittlerweile 5-jährigen Tochter die Freie Strasse in Basel hinunter und war selber erstaunt: «Zwischen Bankverein und Marktplatz habe ich nur in fünf Lokalen einen Wickeltisch gefunden.» Trotzdem hat er sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt. Bis im Mai des nächsten Jahres möchte er 100 zertifizierte Unternehmen. «Dann könnte ich anfangen, mir wenigstens einen halben Monatslohn auszuzahlen.»

Im August startet Savary eine Marketingoffensive: «Ich habe 10'000 Flyer, die müssen alle weg.» Abgeschlossen ist für den Unternehmer das Projekt erst mit dem eigenen App. Dazu fehlt es Savary derzeit an Sponsoren beziehungsweise am Geld. «Eine App wäre das Non-plus-Ultra», sagt der Unternehmer. Er ergänzt: «Dann wäre mein Baby erwachsen.»