Stadt versus Land
Wo lässt es sich besser headbangen?

Das Z7 in Pratteln hat Platzprobleme. Soll der Metal-Tempel weiter auf dem Land bleiben oder in die Stadt umziehen?

Nicolas Drechsler und Hans-Martin Jermann
Nicolas Drechsler und Hans-Martin Jermann
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Das Z7 in Pratteln zieht Musikfans an, die auf härtere Klänge stehen – und braucht dafür keinerlei Subventionen. Das Foto zeigt das Open Air im vergangenen Juli.

Das Z7 in Pratteln zieht Musikfans an, die auf härtere Klänge stehen – und braucht dafür keinerlei Subventionen. Das Foto zeigt das Open Air im vergangenen Juli.

Martin Toengi
Nicolas Drechsler

Nicolas Drechsler

Kenneth Nars

Die Stadt braucht das Z7: als Vorbild für die Hochkultur

Der Metal-Tempel in Pratteln sucht eine neue Heimat. Und die kann nur in Basel-Stadt liegen – zum Beispiel in der St. Jakob-Arena.

Heavy Metal, das ist Musik für Bauern. Das beste Metal-Festival der Welt findet auf einer Kuhweide in Norddeutschland namens Wacken statt. Metalfans kommen grundsätzlich vom Land, fahren irgendwelche getunten Kleinwagen und sind alle miteinander verwandt. Metalfans in Städten sind dünn gesät und schwer gestört. Ich weiss das – ich bin einer von ihnen.

Und doch muss das Z7 nach Basel. In Pratteln soll es von irgend so einem Bastelmarkt vertrieben werden, in dem unter schwerer Selbstüberschätzung leidende Bürogummis ihre Männlichkeit durch den Erwerb von nuklearbetriebenen Power-Säbelsägen bestärken wollen. «Amon Amarth», «Sepultura» und meinetwegen auch die «Bloodcovered Children of Slimy Demons» aus Hinterpfupfligen müssen die Humanistenstadt erobern. Diesen Ort der Hochkultur, wo Barockmusik-Kammerkonzert-Tanzperformances als einzig wahre geistige Ergötzung für den urbanen Besserverdiener gelten.

Von den headbangenden Langhaardackeln in schwarzen Kleidern könnte diese Hochkultur vieles lernen. Zum Beispiel, dass es nicht schlimm ist, wenn tatsächlich mal mehr Menschen im Publikum sind, als auf der Bühne stehen. Dass es keine Schande ist, wenn man versteht, um was es bei einer Performance geht. Und dass die Welt nun wirklich nicht zusammenbricht, wenn eine Band – bei Euch Übergebildeten heisst das Orchester oder gar «Klangkörper» – nicht zu mindestens 98 Prozent von staatlichen Subventionen lebt.

Deshalb: Gebt uns das Z7! Wir brauchen es! Einen Ort hätten wir schon: die vom Kanton eben erst gekaufte St. Jakob-Arena. Schön am Stadtrand, gut erreichbar für die motorisierten Metalfans vom Lande. Und Baselland kann dann zur Entschädigung die Sexmesse «Extasia» veranstalten, die der städtischen Kantonsverwaltung zu anrüchig ist. Notfalls dann auch in einem Baumarkt.

Hans-Martin Jermann

Hans-Martin Jermann

Mathias Marx

Nur auf dem Land grollt der «Heavy Metal Thunder»

Der Metal-Tempel muss selbst an lauen Sommerabenden in eine düstere Fabrikhalle auf dem Land. Urbanität bekommt ihm nicht.

Den Metal-Tempel in die Stadt verlegen? Das kann wirklich nicht die Lösung der Platzprobleme von Z7-Betreiber Norbert Mandel sein. In der Stadt fehlt schlicht der Nährboden für ein stilvolles Gedeihen von Headbangen und Luftgitarren-Spielen. Es ist eine Frage des Milieus: Der viel besungene «Heavy Metal Thunder» ist der Soundtrack für das Leben der Maschinenmechaniker, Schrotthändler und der Forstwarte. Und die sind nun mal zu 99 Prozent auf dem Land daheim. «Angel of Death», «Seek and Destroy», «The Number of The Beast»: Weder ist das literarischer Stoff für das Anglistik-Seminar, noch passt das in die Hipster-Lounge am Rhein. Das muss, selbst an lauen Sommerabenden wie diesen, in eine düstere Fabrikhalle.

Ein Umzug des Z7 in die Stadt: Das ist, als würde man die Naarebaschi oder die Basler Dybli an die Nunninger Dorffasnacht auslagern. Mit der Verpflichtung, nur noch Einheimische mitspielen zu lassen. In diesem Scheiaweia-Umfeld würden diese traditionsreichen Cliquen keine drey Dääg überleben. Wir Landeier verstehen nun mal den feingeistig-melancholischen Piccolo-Klang nicht, unsere Domäne ist das dissonante Getröte eines verbeulten Waldhorns. Auf den Metal übertragen: das schaurig-schöne Jaulen eines verzerrten Strom-Besens.

Mein städtischer Kollege gibt es selber zu: Als Metalhead befindet er sich in der Kultur-Stadt in einer verschwindenden Minderheit. Sein Vorschlag, das Z7 an der Kantonsgrenze anzusiedeln, zeigt ja gerade: Er traut einem Umzug des Hardrocker-Schuppens in die Urbanität selber nicht. Sollte dieser tatsächlich aus Pratteln vertrieben werden, wüsste ich eine viel bessere Alternative: die alte Kunschti in Sissach, wo ein Eishallen-Neubau mangels Spenden wohl scheitern wird. Damit die Basler Metal-Fans zum Gig ins Oberbaselbiet finden, liesse sich ab Barfüsserplatz ein direkter Shuttle-Bus organisieren. Es wäre ein Kleinbus mit maximal zwölf Plätzen.