Nebengassen
Wo sich Pfluggässlein und Weisse Gasse treffen, stösst Tradition auf Trend

Das Pfluggässlein und die Weisse Gasse bringen einen Hauch Italien nach Basel – und das nur wenige Schritte von den Shoppingmeilen Freie Strasse und Falknerstrasse entfernt. Doch in den beiden kleinen Strassen treffen auch zwei Welten aufeinander.

Céline Feller
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Pfluggässlein/Weisse Gasse: Tradition trifft Trend
8 Bilder
Blick ins Pfluggässlein
Das «Rio» ist der Café-Klassiker.
Viel Schmuck im «Il Vicolo».
Blick ins Pfluggässlein
Hans und Astrid Isler im Lädeli.
Fizzen an der Ecke Pfluggässlein und Weisse Gasse

Pfluggässlein/Weisse Gasse: Tradition trifft Trend

Kenneth Nars

Die Gassen sind eng, die Cafés klein, der Boden ist gepflastert. Schaut man vom Boden auf, sticht einem sofort das gelbe Vordach mit dem Schriftzug «Il Vicolo» ins Auge. «Il Vicolo» ist italienisch und heisst Gasse. Italienisch ist auch das Ambiente im Pfluggässlein und in der benachbarten Weissen Gasse. Die beiden Gässlein bringen einen Hauch Tessin oder Italien nach Basel – und das nur wenige Schritte von den Shoppingmeilen Freie Strasse und Falknerstrasse entfernt. Nur einmal abbiegen – und schon steht man mittendrin in diesem «Little Italy» der Innenstadt.

«Im Sommer, wenn es heisst ist, bekommt man hier tatsächlich das Gefühl, im Tessin zu sein», sagt Sonja Gasser, Geschäftsführerin des Rio-Cafés in der Weissen Gasse. Das Café, das seit zwölf Jahren hier beheimatet ist, lädt zum kleinen Imbiss oder zum Cüplitrinken ein – mit eingebautem Flaniermeilen-Flair. Dass das Café dort ist, wo es ist, war Zu- und Glücksfall. Früher war das Rio-Café für 20 Jahre in der Steinenvorstadt zu Hause. «Wir mussten raus, weil das Haus verkauft wurde. Dann haben wir dieses Lokal gefunden. Und es hat mir auf Anhieb gefallen», erzählt Gasser. Sie ist glücklich in der Weissen Gasse, geniesst die Ruhe abseits des Trubels, der in den Haupteinkaufsstrassen herrscht. «Wir haben sehr viele Stammkunden, das macht das Ganze viel persönlicher und sympathischer. Man kann auch mal ein bisschen plaudern.» Zurück in die Steinenvorstadt will sie mit ihrem Lokal auf keinen Fall.

Silberfachladen ohne Konkurrenz

Einzigartig ist auch der Gold- und Silberschmied Isler. Einzigartig, weil es das einzige Silberfachgeschäft in der Region ist. Einzigartig, weil es der einzige Silberreparateur ist. Und einzigartig, weil seine Geschichte ihresgleichen sucht: Bereits in der vierten Generation führt Hans Isler den Laden, der Mitte Juli sein 120-Jahre-Jubiläum feiert. Sein Vater, der ebenfalls Hans Isler heisst, ist der letzte gelernte Silberschmied. Gelernt hat er das Handwerk von seinem Vater, der ebenfalls Hans heisst. Noch eine Generation weiter zurück sind wir beim Gründer angelangt: Emil Isler.

Vor 128 Jahren eröffnete er an der Weissen Gasse ein kleines Goldschmiede-Atelier. Seit dem Umzug ins Pfluggässlein 1894 ist die Bijouterie im Handelsregister eingetragen. «Natürlich geniessen wir diesen Traditions-Status», sagt Astrid Isler, die Mutter des Geschäftsführers Hans Isler. Auf die lange Geschichte gehe auch das grosse Lager zurück, auf das Astrid Isler sichtbar stolz ist. «Erst gestern konnte ich ein 30 Jahre altes Silberstück verkaufen. So etwas findet man heute nur noch selten.»

Dass die Familie Isler sich im Pfluggässlein ansiedelte, war Zufall. Auf der Suche nach einer Location in der Innenstadt musste man aus finanziellen Gründen auf die kleine Gasse ausweichen. «Der Kauf dieses Gebäudes war billiger als der Kauf eines Ladens in der Freien Strasse», sagt Astrid Isler über die Standortwahl. Ist vielen Einkaufslustigen das Gässlein heute kein Begriff, galt es beim Kauf vor 120 Jahren als optimale Lage. Damals floss die Birsig noch offen durch die Stadt und das Pfluggässlein mit seiner Brücke über den Fluss war die Verbindung zwischen der Gerbergasse und der Freien Strasse. Eine perfekte Lage. Heute ist die Gasse mehr Durchgangs- als Zielort.

Eine trendige Angelegenheit

Wer sich aber die Zeit nimmt, aufmerksam durch die Gassen zu schlendern, findet ein weiteres einzigartiges Lädeli – und nein, Lädeli ist keinesfalls abwertend gemeint. «Die überschaubare Grösse unseres Lädelis macht den Charme aus, den unsere Kunden so lieben», sagt Ruth Spänhauer, Verkäuferin des Ladens mit dem auffälligen Vordach, dem «Il Vicolo». Wo früher ein Dessous-Laden war, wird seit 15 Jahren Schmuck angeboten. Der zur Parfümerie Hyazinth gehörende Laden vertraut vor allem auf seine Stammkunden. «Unsere Kunden kommen so gerne hierher, dass sie auch mal bis nach draussen anstehen», sagt Spänhauer zufrieden. Der angebotene Trend-Schmuck bringe aber auch Laufkundschaft.

Apropos Trend: Neben den einzigartigen Traditionsshops finden Kauffreudige auch trendige Shops in den beiden Gassen. Fizzen Fashion&Accessoires bietet allerlei, was Trendbewusste schon lange gesucht haben – oder bei dem sie nicht widerstehen können, auch wenn sie es eigentlich gar nicht bräuchten. Auch die beiden Schuhläden «Pump it up» in der Weissen Gasse und «Beast of Basel» im Pfluggässlein locken modebewusste Schuhliebhaber an.

Neben Trend und Tradition kommen noch die Hintereingänge von grossen internationalen Marken wie Thalia, Marc O`Polo oder PKZ Women hinzu. Die grossen Labels nutzen ihren Zugang zu den kleinen Gassen. Sie wissen, warum: Es lohnt sich.