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Wo sind bloss die Medikamente hin? Basler Spitälern fehlen Präparate – das schlägt auf Gesundheitskosten

Der Mangel an verfügbaren Medikamenten schlägt auf die Gesundheitskosten – auch, weil die Margen zu tief werden. (Symbolbild/Keystone)

Der Mangel an verfügbaren Medikamenten schlägt auf die Gesundheitskosten – auch, weil die Margen zu tief werden. (Symbolbild/Keystone)

Dem Basler Universitätsspital fehlen über 70 Medikamente, davon sind auch andere Basler Spitäler betroffen. Während für die Patienten teurer Ersatz beschafft wird, schlagen die Kosten des Mangels weiter auf die Gesundheitskosten.

Der Medikamentenmangel in der Schweiz hält an. Auch in der Pharma-Hauptstadt der Nation: Der Spitalapotheke des Basler Universitätsspitals fehlen nach wie vor 74 verschiedene Medikamente im Lager, wie Spitalapotheker Herbert Plagge sagt. Betroffen sind alle Medikamentengruppen, so Plagge: «Sowohl Originale als auch Generika.» Primär nicht betroffen seien hingegen neuere und hochpreisige Produkte, darunter auch die besonders teuren Individualtherapien, die etwa bei Krebs und Hepatitis C eingesetzt werden.

Gut für den Patienten: Die Apotheker machen Druck beim Ersatz. «Konsequenzen für die Patienten können wir in der Regel vermeiden, indem wir versuchen, gleichwertige Ersatzprodukte zu beschaffen», sagt Plagge. Das eigentliche Leid sind die Mehrkosten durch die Ersatzbeschaffungen: «Wir versuchen, diese bei den jeweiligen Firmen geltend zu machen, was aber nicht immer erfolgreich ist.» Am Schluss fallen diese Mehrkosten daher oft auf den Patienten und somit in der Regel auf den Versicherer.

Kostendruck reisst Margen in die Tiefe

Zurzeit füllt der Bund deswegen die Pflichtlager insbesondere bei den Impfstoffen und Antibiotika auf. Der nationale, in Basel ansässige Pharmafirmenverband Interpharma hält derweil in einer Antwort gegenüber dieser Zeitung fest: «Lieferengpässe bei Medikamenten sind nichts Neues und treten selten auf.»

Dennoch anerkennt der Verband die Situation und bestätigt einen der Hauptgründe für die mangelhafte Verfügbarkeit: Die Globalisierung von Herstellungs- und Vertriebssystemen und damit die Konzentration auf einige wenige Produktionsstätten. Dies betrifft insbesondere Medikamente, deren Herstellerpatente abgelaufen sind. Deren Gewinnmargen sind wegen des Preisdrucks im Gesundheitswesen sehr tief.

Ein Ausfall in China, viele Folgen für die Schweiz

«Da Produktionsstätten in China oder Indien Wirkstoffe günstiger produzieren können als in Europa, bieten diese die Wirkstoffe zu einem tieferen Preis an; für die vorherige Patentinhaberin lohnt es sich nicht mehr, den Wirkstoff lokal zu produzieren», so Anita Geiger von der Medienstelle von Interpharma. Daher könne es zu globalen Engpässen kommen, wenn eine dieser Stätten entweder steigender Nachfrage nicht mehr standhalten kann oder ganze Anlagen ausfallen.

«Die Pharmaunternehmen sind grundsätzlich bestrebt, die von ihnen hergestellten und vertriebenen Arzneimittel so lange im Angebot zu behalten, wie Bedarf danach besteht», so Geiger. Immerhin bietet das Bundesamt für Gesundheit den Firmen in Einzelfällen die Möglichkeit für Preiserhöhungen, damit sich die Produktion des Medikaments wieder lohnt. Allerdings auch nur, wenn Nachweis erbracht ist, dass keinerlei Behandlungsalternative verfügbar ist oder sich die Produktion gar nicht mehr lohnt.

Betroffen sind in Basel neben dem Unispital acht weitere Gesundheitsinstitutionen, darunter auch einige Privatspitäler; sie alle sind der Arzneimittel-Logistik des Unispitals angeschlossen. Besserung gibt es seit der letzten Berichterstattung vor knapp einem Monat nicht, wie Spitalapotheker Plagge sagt: «So kurzfristig gibt es keine Änderungen.»

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