BaZ-Zeitungsdruckerei

Wochenkommentar: In Bildung investieren statt in Strukturerhalt

Die Druckerei von Tamedia wird künftig die BAZ drucken (Archiv)

Die Druckerei von Tamedia wird künftig die BAZ drucken (Archiv)

Mit dürren Worten hat die Basler Zeitung diese Woche die Schliessung ihrer Zeitungsdruckerei auf Ende März bekannt gegeben. Überrascht hat daran allenfalls die frühe Bekanntgabe.

BaZ-Drahtzieher Christoph Blocher hat es letztes Jahr immer wieder deutlich gesagt, dass die Druckerei wohl schliessen müsse.

Ob die Druckerei, wie das Management sagt, tatsächlich keine Perspektiven mehr hat und ob man sich wirklich um Alternativen zur Schliessung bemüht hat, lässt sich von aussen nicht beurteilen. An die Öffentlichkeit gesickerte Dokumente legen nahe, dass die Schliessung der Druckerei bereits im August 2012 beschlossen worden ist. Blocher ist seit Oktober 2012 Besitzer der BaZ-Liegenschaften am Aeschenplatz und an der Hochbergerstrasse - als Investor hat er gar kein Interesse daran, dass die Druckerei weiter betrieben wird. Ohne die Druckmaschine ist das Land nämlich deutlich mehr wert.

Bedauerlich, möglicherweise unfair, vielleicht nicht ehrlich - grundsätzlich geht es die Öffentlichkeit aber nichts an, wie eine KMU wirtschaftet, so lange sie sich an die Gesetze hält. Es sei denn, es handle sich um einen Wirtschaftszweig, der für die Region von grosser Bedeutung ist. Ich habe mich deshalb in den letzten Tagen in Basel umgehört und gefragt: Was genau geht verloren, wenn die BaZ ihre Druckerei schliesst? Ich meine natürlich: abgesehen von den Arbeitsplätzen.

Was verliert die Region? Die Antwort war immer: «Da geht ein Stück Kultur verloren!» Kultur? Eine Zeitungsrotation ist eine industrielle Fabrik für Druckwaren! Doch, finden viele Beobachter, Kultur, und beziehen sich auf die jahrhundertealte Drucktradition in der Stadt. Doch Druckgewerbe gibt es nach wie vor in Basel. Birkhäuser GBC zum Beispiel, die Druckereien Schwabe, Reinhart, Werner und Krebs. Alles Traditionsunternehmen, die dafür sorgen, dass die Schwarze Kunst in Basel nicht vergessen geht. Was sie nicht bieten, ist Zeitungsdruck, also Rollenoffset in industriellem Massstab: Basel hat keine Zeitungsrolle mehr. Die nächste grosse Zeitungsdruckerei steht aber keine 40 Kilometer weit weg in Aarau. Es ist die Druckerei, wo auch die Zeitung gedruckt wird, die Sie gerade in den Händen halten. In der Nordwestschweiz hat es also nach wie vor Zeitungsdruck.

Kehren wir die Blickrichtung einmal um: Welche Technologien spielen in Zukunft eine so wichtige Rolle, wie sie in der Vergangenheit der Zeitungsdruck gespielt hat? Und: Gibt es für die Region Basel Möglichkeiten, diese Zukunftstechnologien nach Basel zu holen? Welche Technologien könnten das sein? Internet? Eine Programmiersprache? Multimedia generell? Und wie holt man die nach Basel? Die Antwort der Fachleute ist eindeutig: Innovationen und neue Techniken fördert man am besten über Investitionen in die Bildung. Und zwar das ganze Spektrum: Universität, Fachhochschule, Berufslehre. Investition in Bildung also statt in Strukturerhalt.

Dazu kommt noch ein zweiter Punkt: Beim Benutzer kommt es letztlich nicht auf die Technik an, sondern auf den Inhalt. «Content ist King», ist deshalb der Wahlspruch der neuen Medien - der Inhalt ist König. Ob auf Papier oder dem Handy, ob per iPad oder Computerbildschirm - das Medium ist nur das Transportmittel. Auf den Inhalt kommt es an. Am besten würde die Region also fahren, wenn sie Inhalte fördert. Wie das gehen soll? Eben: durch Bildung. Kurz: Ob unsere Region eine Zukunft hat, hängt nicht von irgendwelchen Maschinen ab, sondern davon, ob in unserer Region genügend smarte Menschen leben. Menschen mit Ideen und Tatkraft.

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