Trendwende
Wohin mit all den neuen Schülern im Kanton Basel-Stadt?

Nach Jahren sinkender Schülerzahlen steht nun schweizweit ein massiver Anstieg bevor. Und nirgends fällt er so deutlich aus wie in Basel-Stadt.

Michel Zumoberhaus
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Die Anzahl der Schüler wird im Kanton Basel-Stadt stark zunehmen – die Klassengrössen sollen aber unverändert bleiben. (Symbolbild)

Die Anzahl der Schüler wird im Kanton Basel-Stadt stark zunehmen – die Klassengrössen sollen aber unverändert bleiben. (Symbolbild)

Keystone

«Wir sind nicht schockiert», meint Dieter Baur, Leiter Volksschulen im Erziehungsdepartement, zur aktuellen Studie des Bundes. Das Bundesamt für Statistik prognostiziert einen rasanten Anstieg der Schülerzahlen von über 20 Prozent bis 2024. In keinem anderen Kanton der Schweiz wachsen die Schülerzahlen derart stark an wie im Kanton Basel-Stadt. Das meldet das Regionaljournal von SRF.

Seit Jahren sind die Schülerbestände an obligatorischen Schulen zurückgegangen. Nun scheint der Trend umzukehren. Das Erziehungsdepartement zeigt sich von den Zahlen jedoch nicht überrascht, da die Verwaltung über die Entwicklung der Geburtenrate und damit auch darüber informiert ist, welches Kind wo zur Schule geht. Trotzdem stellt dieses Wachstum den Kanton Basel-Stadt vor Schwierigkeiten.

«Die grösste Problematik sehen wir im Raum, da dieser nicht von heute auf morgen gebaut werden kann.» Dieser Aufwand sei aber zu stemmen. Über 790 Millionen Franken werden bis 2021 in den Erhalt und die Verbesserung bestehender Räumlichkeiten sowie in Neu- und Erweiterungsbauten investiert. Ein weiteres Problem ortet Baur beim Personal, auch wenn sich viele angehende Lehrkräfte in der Ausbildung befinden. «Natürlich haben wir keine 50 Lehrkräfte in der Hinterhand. Dennoch sind wir zuversichtlich, den Personalbestand abdecken zu können.»

Vergrösserung der Klassen?

Wenn beispielsweise Land fehlt, um neuen Schulraum zu bauen, dann gäbe es die Möglichkeit, die bestehenden Klassen mit einigen Schülern aufzustocken. Laut Bildungsgesetz dürfen die Klassen in der Primarschule maximal 25 Schülerinnen und Schüler zählen. Diese maximale Grenze wird laut Dieter Baur nicht angefasst.

Bei der Sekundarschule gelte dasselbe. Wobei da zu erwähnen ist, dass auf den Sekundarstufen in einigen Fällen die maximale Klassengrösse bereits überschritten worden ist. Dies sei aber lediglich auf die fehlenden Planungszahlen zurückzuführen und werde korrigiert, sobald die Erfahrungswerte eingegangen seien.

Die Grösse der Sekundarschulklassen hängt von den einzelnen Leistungszügen ab. Im stärksten (P-Zug) dürfen bis zu 25 Schüler pro Klasse sitzen, im mittleren 23 (E-Zug) und im schwächsten 16 (A-Zug). Bei der Durchschnittsklassengrösse könnte jedoch etwas verändert werden. «Es ist nicht auszuschliessen, dass in einzelnen Quartieren bei der einen oder anderen Klasse nach oben oder unten korrigiert werden könnte», erklärt Baur.

Schulsynode gegen Aufstockung

Kritisch sieht die Entwicklung der Schülerzahlen dagegen die Freiwillige Schulsynode, die Lehrergewerkschaft. Es wird befürchtet, dass der Integrationsgedanke sowie das individuelle Arbeiten in einer Klasse nicht mehr gewährleistet seien und somit die Qualität des Unterrichts darunter leiden würde, meint Gaby Hintermann in einem Interview mit dem Regionaljournal. Eine Aufstockung der Klassengrössen komme nicht infrage.

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