Basel

Wohin mit den Ärmsten der Stadt? – Wärmestube für Obdachlose «Soup&Chill» bleibt vorerst geöffnet

Weitere Wochen Gratis-Suppen: Die Wärmestube Soup&Chill kann bis Ende April offen bleiben.

Weitere Wochen Gratis-Suppen: Die Wärmestube Soup&Chill kann bis Ende April offen bleiben.

Die Corona-Krise trifft die Randständigen hart. Eine Ausgangssperre würde ihre Lage noch verschärfen.

Der Claraplatz scheint auch in Zeiten von Corona für randständige Personen ein Ort der Ruhe zu sein. Während im Denner weiterhin Toilettenpapier gehamstert wird und vor dem Lidl die Besucher nun Schlange stehen, haben sich hinter dem Kiosk in der Mitte des Platzes ein paar Männer zum Biertrinken versammelt. Wie immer.

An den Wänden rundherum sind neu Infoblätter aufgehängt. Dort weist der Verein für Gassenarbeit Schwarzer Peter auf das geänderte Angebot hin: Die Post wird an der Türe ausgehändigt, Kurzberatungen gibt es neu am Dienstag im Pavillon im St. Johannspark. Auch Verhaltensregeln im Alltag oder bei Verdacht auf eine Corona-Erkrankung sind aufgelistet.

«Das Wichtigste ist, dass wir mit den Menschen auf der Strasse in Kontakt bleiben», sagt Michel Steiner, Co-Geschäftsleiter des «Schwarzen Peter». «In dieser Krisensituation ist es unabdingbar zu wissen, wo sich Wohnungslose aufhalten und wie es um ihre Gesundheit bestellt ist.»

Leere Restaurants als neue Gassenküchen

Es sind die besonders verletzlichen Personengruppen wie Obdachlose und Suchterkrankte, die das Corona-Virus mitunter am schwersten trifft. Wie bleibt man Zuhause, wenn man keines hat? In Basel sind laut der Meldestelle des «Schwarzen Peter» rund 350 Menschen ohne Wohnung. Zwar sind Anlaufstellen laut Weisung des Bundes noch befugt, geöffnet zu bleiben.

Nicht alle können das jedoch unter Einhaltung der Hygiene-Vorschriften bewerkstelligen. Viele mussten die Besucherzahl massiv reduzieren. Einige Anlaufstellen wie die Gassenküche oder das Café Elim haben ihren Betrieb bereits auf Take-away umgestellt. Das stillt zwar den Hunger, gibt aber kein Dach über dem Kopf. «Die Suche nach alternativen Räumlichkeiten läuft», sagt Rudolf Illes, Leiter der Sozialhilfe Basel-Stadt.

In Frage könnten zum Beispiel Restaurants oder Messehallen kommen, die aufgrund der aktuellen Schliessungen leer stehen. «Ziel ist es, dass die Anlaufstellen weiterhin geöffnet bleiben», sagt Illes. Dafür hat der Kanton etwa der Wärmestube für Obdachlose Soup&Chill, die planmässig per Ende März geschlossen hätte, die Unterstützungsbeiträge um einen Monat verlängert.

Heimlieferungen für Suchterkrankte geplant

Auch die Notschlafstellen bleiben geöffnet, bisher sei die Nachfrage noch nicht gewachsen und der nötige Abstand könne gewährleistet werden. «Sollte es zu einer Ausgangssperre kommen, müssten sicher neue Räumlichkeiten gefunden werden», sagt Illes.

Eine Ausgangssperre hätte auch für suchterkrankte Menschen einschneidende Folgen. Das «Janus», das von den Universitären Psychiatrischen Kliniken Basel (UPK) heroin­gestützte Behandlungen anbietet, erwägt für diesen Fall Heimlieferungen anzubieten, durchgeführt von dem Personal.

Bereits jetzt musste das Angebot vor Ort erheblich eingeschränkt werden, wie Hannes Strasser, ärztlicher Leiter des «Janus», erklärt: Anstelle von zwei sei noch höchstens ein Besuch pro Tag erlaubt und von den 160 Patienten kämen noch 60 täglich für die Injektion vorbei. Dieses Angebot werde nun laufend reduziert. Die anderen Patienten erhalten Substitutionspräparate wie Methadon für mehrere Wochen mit nach Hause. Pharmazeutisches Heroin in Tablettenform werde für bis zu zwei Tage mitgegeben. So sieht es das Gesetz vor.

Für Hochrisikopatienten seien jedoch, in Absprache mit dem Bundesamt für Gesundheit, Mitgaben von bis zu sieben Tagen möglich. «In Anbetracht der Krisensituation sind pragmatische Lösungen unabdingbar», so Strasser. «Aus Erfahrung wissen wir, dass die Patienten in der Regel verantwortungsvoll mit den Dosen umgehen können.»

Konsumationsdruck bei den Betroffenen

Für den Fall einer Ausgangssperre hat sich das Janus gewappnet. «Wir haben Bescheinigungen für den dringend notwendigen Medikamentenbezug vorbereitet, die wir bereits jetzt an die Patienten verteilen werden.» Dass es nicht soweit kommt, hofft auch die Kontakt- und Anlaufstelle am Dreispitz. «Bei vielen Betroffenen ist ein hoher Konsumationsdruck vorhanden», sagt Barbara Held, Geschäftsführerin der Suchthilfe Region Basel. «Es ist wichtig, dass sie in einem geschützten Rahmen konsumieren können.»

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