Es ist der grösste Kriminalfall Basels: der blutige Raubmord von Kurt Sandweg und Waldemar Velte. Am 5. Januar 1934 überfielen die beiden Deutschen eine Bank, erschossen zwei Angestellte und flüchteten. Zwei Wochen später töteten sie bei einer Kontrolle zwei Polizisten. Eine Verfolgungsjagd begann, welche die ganze Region über Wochen in Atem hielt und zwei weitere Menschen das Leben kostete: Sandweg und Velte erschossen einen Polizisten und die Polizei verletzte irrtümlich einen Zivilisten tödlich.

Die Verfolgung endete erst, als Sandweg und Velte – in der ausweglosen Situation – im Margarethenpark in Basel ihre Waffen gegen sich selbst richteten.

Gut gehütet und verschwunden

Das Polizeimuseum Basel, erst kürzlich komplett neu gestaltet, widmet der blutrünstigen Tat von Sandweg und Velte einen Teil der Ausstellung (bz berichtete). Ein Leser hat sich daraufhin in einem E-Mail an die Redaktion gewandt. Er wollte die beiden Tatwaffen für einen Vortrag im alten Polizeimuseum im Lohnhof besichtigen. Der zuständige Beamte und Museumsbetreuer habe ihm jedoch mitgeteilt, dass die Tatwaffen seit ein paar Jahren fehlen würden. Obwohl sie über Jahre gut gehütet und sicher aufbewahrt worden seien.

Wie ist es möglich, dass die Pistolen einfach so spurlos verschwinden konnten? Die Basler Kantonspolizei hat auf Anfrage der bz recherchiert. Allerdings tappt auch sie im Dunkeln. Zwar weiss die Polizei seit den späten 90er-Jahren, dass die zwei Tatwaffen fehlen. Damals suchte der Kurator des Polizeimuseums, das im Jahr 2000 eröffnete, nach geeigneten Exponaten für eine erste Ausstellung und stellte fest, dass die beiden Pistolen aus dem Fall Sandweg/Velte nicht mehr auffindbar sind. «Weshalb, liess und lässt sich nicht eruieren», schreibt Polizeisprecher Martin Schütz.

Polizei hat keine Anhaltspunkte

Ebenso wenig lasse sich eine Tatzeit oder ein Zeitpunkt des Verlustes eingrenzen. Die Inventarverzeichnisse helfen nicht weiter. Und auch die erhaltenen Fotografien der Ausstellungsstücke aus dem ehemaligen, 1982 geschlossenen Kriminalmuseum der Staatsanwaltschaft am Heuberg liefern keinen Anhaltspunkt. Die beiden Waffen sind auf keinem Foto sichtbar.

Es bleibt also unklar, ob die Tatwaffen bereits vor der Schliessung des Kriminalmuseums entwendet wurden oder erst kurz bevor das Polizeimuseum im Jahr 2000 eröffnete und die während fast zwei Jahrzehnten eingelagerte Sammlung des Kriminalmuseums wieder einem Publikum zugänglich machte. «Die Waffen müssen irgendwann im Zeitraum zwischen 1934 und den späten 1990er Jahre abhanden gekommen sein», schreibt auch Schütz.

Täter ist wohl ein Interner

Vom Täter fehlt jede Spur – allerdings schliesst die Polizei «mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Entwendung durch Externe aus». Es ist also, wie auch der Leser schreibt, davon auszugehen, dass ein «Interner, vielleicht schon lange pensionierter Beamter» die beiden Pistolen von Sandweg und Velte entwendet hat und diese nun irgendwo lagert.

Die beiden Pistolen wären übrigens gemäss Schütz bei guter Pflege noch funktionsfähig – trotz ihres stolzen Alters.